Orientierung in historisch volatilen Märkten

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Die Zeit des passiven Investierens ist vorbei! Die Geldflut der Notenbanken ist versiegt und die Volatilität ist wieder im Markt nach jahrelanger Abstinenz. Dies macht das Anlegen noch schwieriger.

Beitrag: Marc Friedrich.

Vor allem das Timing ist nun essenziell. Zu wissen, wo man sich im Zyklus befindet ist wichtiger denn je. Aber vor allem in volatilen Märkten kann man sehr viel Geld verdienen. Aber auch verlieren. Die Buy and Hold Mentalität funktioniert leider nicht oder nur wenn man bereit ist einen sehr langen Marathon zu rennen, ohne links und rechts zu schauen mit wildem Auf und Ab.

Die Stufen einer Finanzblase

Um zu wissen, wann kaufen und wann verkaufen ist die folgende Abbildung sehr hilfreich für die Orientierung, die die typischen Stufen einer Finanzblase zeigt. Es ist immer das gleiche Spiel. Sie können selbst einordnen, wo wir uns Ihrer Meinung nach im Zyklus befinden und wie Sie sich optimal aufstellen. Dieser Chart ist anwendbar für jeden Vermögenswert – gleichgültig, ob es sich um Aktien, Immobilien, Bitcoin oder Gold handelt. Ja, selbst auf gesellschaftlichen Veränderungen ist der Chart anzuwenden – wie zur Zeit mit Corona und Krieg in der Ukraine. Das ist eine Zeitenwende und ein Paradigmenwechsel.

Bei Immobilien haben wir sicherlich den Zenit überschritten und sehen einen Paradigmenwechsel. Bei Aktien vermute ich aktuell eine Bullenfalle. Eventuell auch eine Täuschung und die Notenbanken können ein letztes die Geldschleusen öffnen und den Markt parabolisch in die Höhe treiben. Bei Bitcoin sind wir sicherlich kurz nach/vor dem Boden also entweder Take-off oder Verzweiflung.

Die Everything-Bubble

Was hat die Immobilienblase, die zum großen Crash 2008 geführt hat, eigentlich ausgelöst? Es war das fatale Spiel, die perfide Politik der Notenbanken: Billiges Geld und niedrige Zinsen. Fahrlässig finde ich es, wenn vermeintliche Experten oder Ökonomen dazu raten, weiterhin Schulden zu machen, weiterhin Geld zu drucken, um diese bestehende Krise, in der wir jetzt gerade sind, zu lösen. Das hat in der Vergangenheit noch nie funktioniert.

Die Ökonomen aber auch Notenbanker haben noch nie eine Krise vorhergesehen, sondern ihr Entstehen immer nur im Rückspiegel betrachtet und erklärt. Sie denken in linearen Notenbankmodellen. Aber solche exogenen Schocks kommen immer überraschend und sind nicht vorgesehen in den Modellen, die aus den Elfenbeintürmen des Wissens stammen. Man müsste sich ehrlich eingestehen, dass die komplexen Modelle in diesem sehr fragilen System nicht funktionieren, weil sie nur auf eine perfekt funktionierende Wirtschaft ausgerichtet sind. Aber perfekt ist unsere Wirtschaft bei Weitem nicht. Sie ist hoch anfällig. Das haben wir besonders deutlich in der Corona-Krise gesehen bei den Lieferketten einer Just-in-time Produktion. Die Notenbanken haben immer nur eines gemacht, wenn eine Krise kam: Sie haben Geld gedruckt und die Zinsen gesenkt. Und das war das erste Mal so in den 1990er-Jahren mit Alan Greenspan. Viele Menschen konnten sich dann auf einmal billig verschulden, haben an den Aktienmärkten gezockt. Es entstand die erste große Blase am Neuen Markt, nämlich die Nasdaq-Bubble. Dann platzte diese Blase. Jede Blase platzt.

Daraufhin haben die Notenbanken die Zinsen gesenkt und die Geldschleusen geöffnet, um die alte Krise zu lösen, die Folgen abzufedern – und lösten sofort die nächste Krise aus: die große Finanzkrise 2008. Dasselbe Problem: billiges Geld, niedrige Zinsen. Nur dass statt mit Tech-Aktien mit Immobilien gezockt wurde. Nachdem auch diese Blase geplatzt war, senkten die Notenbanken die Zinsen gar auf ein historisches Tief (Null- und gar Minuszinsen) und erzeugten noch mehr Geld. Es gab eine neue Finanzmarktblase. Jetzt haben wir eine Immobilienblase, wir haben eine Aktienmarktblase, wir haben eine Staatsanleihen-Blase, wir haben die Everything-Bubble.

Die finale Blase – was spricht alles für einen Crash?

Aktienblase, Immobilienblase, Anleihenblase und jetzt kommt die Rohstoffblase. Sie alle eint, dass sie zuletzt auf einem historischen Hoch waren und nun entweder schon im Korrekturmodus sind oder kurz davor. Diese Hochs existierten erstmalig parallel. Zuvor waren es immer Aktien- und Immobilienblasen, die Hand in Hand gingen – so wie in Japan 1989 und in den USA und Europa 2008. Nach jeder geplatzten Blase wurde mehr Geld ins System gepumpt, um die Insolvenzverschleppung voranzutreiben und den Crash zu vermeiden. Dadurch stieg von Krise zu Krise die Dynamik und Wucht der jeweils nächsten Krise.

Jetzt befinden wir uns historisch in einer einmaligen Situation: Wir sehen alle drei Assetkategorien in einer finalen Blase, und dazu kommt jetzt noch die Rohstoffblase. Wir sollten uns auf etwas Epochales einstellen: auf den größten Crash aller Zeiten.

Der Crash-Indikator

Nach allen Parametern sind die Aktienmärkte überbewertet. Nehmen wir zum Beispiel den Buffett-Indikator – benannt nach dem berühmten Investor Warren Buffett. Dabei wird der Gesamtwert aller Aktien in einem Markt durch das BIP geteilt. Für die USA ist dies zum Beispiel das Verhältnis des Wilshire-5000-Index zum Bruttoinlandsprodukt. Auf diesem Weg lässt sich die Bewertung des Aktienmarkts mit dem Wachstum der Wirtschaft vergleichen. Im Durchschnitt liegt der Buffett-Indikator bei zirka 75 Prozent. Unter 50 Prozent gelten die Aktien als sehr günstig und unterbewertet. Wenn der Indikator auf über 100 Prozent steigt, sind die Aktienmärkte hoch bewertet. Während der Internetblase im Jahr 2000 standen wir im Hoch bei 136,9 Prozent und vor der Immobilienblase im Jahr 2008 bei 105,2 Prozent. Das historische Hoch bis dato stammt aus dem Jahr 1929 vor der großen Depression mit 101 Prozent. Aktuell stehen wir bei atemberaubenden 163 Prozent! Damit ist der Markt fair bewertet. Weltweit stieg die Marktkapitalisierung der Aktienmärkte trotz Corona auf 105 Billionen Dollar. Das BIP der Welt liegt bei zirka 85 Billionen Dollar, was ein Verhältnis von 123,5 Prozent ergibt!

Dies sprach 2022 dafür, dass eine Korrektur am Aktienmarkt bevorstand. Allerdings steht der Indikator jetzt schon recht lange über 100 Prozent und steigt in immer neue Höhen. Grund dafür ist das massive weltweite Eingreifen der Notenbanken in die Finanzmärkte durch ihre Aufkaufprogramme. Auch das Umfeld niedriger Zinsen und das sinkende BIP spielen ganz klar eine Rolle. Dies alles verzerrt den Indikator (und auch andere), sodass der neue Durchschnitt nicht mehr bei 75 Prozent stehen dürfte, sondern wohl eher bei 100 Prozent. Zudem hat sich der Indikator 2020 drastisch nach oben bewegt. Durch die Corona-Krise und die Lockdowns ist das Wirtschaftswachstum in den USA 2020 gesunken, aber die Aktienmärkte sind immer weiter in neue Höhen gestiegen, angetrieben durch die viele Liquidität und den Anlagenotstand. Nichtsdestotrotz hält Warren Buffett am Indikator fest und orientiert sich daran. Er hält momentan eine sehr hohe Cashquote von über 100 Milliarden Dollar und erwartet wohl eine deutliche Aktienkorrektur, um dann wieder günstiger einsteigen zu können. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2023

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