90 Tage Schonfrist: Was Trumps Zoll-Chaos für Unternehmen bedeutet und wie sie sich rüsten
Die US-Zollpolitik der letzten Wochen führt zu Unruhen in vielen Unternehmen. Nachdem der Präsident Donald Trump kurz nach seiner Amtseinführung Strafzölle verhing, setzte er sie Anfang April überraschend für einige Länder wieder aus – allerdings vorerst nur 90 Tage lang. Das lässt viele Betriebe ratlos zurück: Sollen sie sich über die vorübergehende Erleichterung freuen oder vor dem Ablauf der Schonfrist fürchten?
Klar ist, dass jetzt nicht der richtige Moment ist, um sich als Unternehmen auszuruhen. Stattdessen sollte die vorübergehende Aussetzung der höheren Zölle dazu genutzt werden, um sich effizient auf zukünftige Entscheidungen aus den USA vorzubereiten. Mit welchen Maßnahmen Unternehmen gut für die Zukunft gerüstet sind, beleuchtet der nachfolgende Beitrag.
Genaue Kenntnisse über die geltenden Bestimmungen gewinnen
Der 2. April 2025 wird vielen Unternehmern noch lange in Erinnerung bleiben. Donald Trump bezeichnete diesen Tag als „Liberation Day“, der ein Befreiungsschlag für die USA werden sollte. Für viele Unternehmen außerhalb von Amerika waren die neuen Zollregelungen, die der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten verkündete, jedoch eine regelrechte Hiobsbotschaft. Kein Wunder also, dass so mancher Betrieb hektisch nach einem Ausweg sucht. Dabei erwägen manche Unternehmen auch Möglichkeiten wie das Umgehen der Zölle. Doch von einer solchen Vorgehensweise ist dringend abzuraten. Zwar bleibt ein Unternehmen so vorerst vor höheren Kosten verschont, allerdings werden die Einsparungen vermutlich durch Bußgelder wieder wettgemacht, die in diesem Fall drohen. Sogar strafrechtliche Konsequenzen sind möglich – und angesichts der Erfahrungen von Zollbehörden im Erkennen von verdächtigen Aktivitäten auch sehr wahrscheinlich.
Eine genaue Analyse
Stattdessen sollte die 90-tägige Schonfrist, die Donald Trump unverhofft einigen Ländern eingeräumt hat, genutzt werden, um sich auf zukünftige Veränderungen in der US-Zollpolitik vorzubereiten. Dazu gehört in einem ersten Schritt die genaue Analyse, inwiefern das eigene Unternehmen von den neuen Bestimmungen betroffen ist. Wie in jeder zollrechtlichen Verordnung sieht nämlich auch Trumps Gesetz einige Ausnahmeregelungen und Sonderbestimmungen vor. Darunter fallen beispielsweise Fahrzeuge und Fahrzeugteile aus der EU, die von reziproken Zöllen ausgenommen sind, humanitäre Güter oder pharmazeutische Produkte. So manches Unternehmen wird feststellen, dass es selbst nicht so massiv betroffen ist wie zunächst befürchtet.

Legale Ausgestaltung der Vorgaben nutzen
Diejenigen Betriebe, die keine Sonderbestimmung in Anspruch nehmen können, sollten stattdessen nach legalen Wegen suchen, um die höheren Zölle zu umgehen. Eine Möglichkeit hierfür ist die Verlagerung des Produktionsstandorts. Sobald sich dieser beispielsweise in Kanada oder Mexiko befindet, greift das Freihandelsabkommen USMCA und hohe Zölle bleiben aus. Besonders interessant: Als Ursprungsland gilt im Handelsrecht immer dasjenige Land, in dem die letzte maßgebliche Bearbeitung erfolgte. Es ist also nicht notwendig, dass Produkte vollumfänglich woanders hergestellt werden.
Eine andere Strategie, um hohe Zölle zu vermeiden, ist die aktive Veredelung. Dabei werden Waren importiert, weiterverarbeitet und im Anschluss wieder zurückgeführt. Bei der passiven Veredelung hingegen werden eigene Produkte im Ausland modifiziert. Für beide Verfahren gelten Zollbegünstigungen. Durch das geschickte Eingehen entsprechender Kooperationen können Unternehmen also auf legale Weise dafür sorgen, dass sie von Veränderungen in Trumps Zollpolitik nur geringfügig betroffen sind. Sollte ein Betrieb keine Möglichkeit nutzen können, um Zollbestimmungen legal zu umgehen, kann er schon jetzt Ansätze ermitteln, inwiefern sich die höheren Kosten ganz oder in Teilen auf die Kunden umlegen lassen.
Internationale Beziehungen analysieren und gegebenenfalls überdenken
Im Moment gilt für Unternehmen in Deutschland und der EU also eine Schonfrist bezüglich der US-Zölle. Doch niemand kann prophezeien, wie lange diese tatsächlich anhält und was danach passiert. Deshalb sollten Betriebe die buchstäbliche Ruhe vor dem Sturm nutzen, um sich bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten. Dazu gehört eine genaue Analyse der derzeit bestehenden Handelsströme. Konkret geht es darum, aufzuschreiben, in welche Länder Waren exportiert werden, aus welchen Ländern Importe erfolgen und welche Ursprungsländer für genutzte Rohstoffe oder Materialien gelten. Diese Informationen sollten anschließend in eine Risikomatrix überführt werden, sodass Auswirkungen von veränderten US-Zöllen für das eigene Unternehmen unmittelbar berechnet werden können. Eine weitere sinnvolle Strategie ist die Erschließung neuer Märkte. Dadurch können Unternehmen langfristig Abhängigkeiten vermeiden und bleiben auch bei ungünstigen Veränderungen handlungs- und wettbewerbsfähig. (RED)



