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Amazon: Markenhersteller suchen nach dem richtigen Umgang

5. März 2018 14:40

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Große wie kleine Markenhersteller suchen immer noch nach dem richtigen Umgang mit dem Retail-Riesen Amazon. Der feilt währenddessen an seiner Eigenmarken-Strategie.

Als der Sandalenhersteller Birkenstock Ende letzten Jahres mit großem ­Getöse seinen Rückzug von Amazon.de bekannt gab, hallte Applaus durch den Blätterwald der klassischen Wirtschaftsmedien. Endlich zeigt Amazon mal einer, wo der Hammer hängt, so der allgemeine Tenor. Die Gründe für den Abgang waren seit langem bekannt: Schon seit Jahren hatte Birkenstock-Chef ­Oliver Reichert die große Zahl ­gefälschter Sandalen angeprangert, die Amazon-Kunden seinem Kundendienst vorlegten – und die mangelnde Unterstützung in ­Sachen Markenschutz vonseiten des Marktplatzes. Ende 2017 ­platzte ihm dann der Kragen. „Wer auf seinem Markt­platz heiße Ware verkauft, der muss dafür geradestehen“, so Reichert. „Die Wahr­heit ist, dass Amazon an den Fälschungen mitverdient. (…) Für uns ist Amazon ein Mittäter.“

Der beschuldigte Marktplatz wiederum antwortete mit einer Standarderklärung – Amazon nahm es gelassen und antwortete mit ­einem geschliffenen Statement auf die Vorwürfe: „Der Verkauf von gefälschten Produkten auf Amazon ist untersagt. Wir entfernen Produkte, die gegen unsere Teilnahmebedingung verstoßen, sobald wir Kenntnis davon ­erlangen und ergreifen entsprechende Maßnahmen gegenüber dem Verkäufer. Bei Bedenken bezüglich der Echtheit von Produkten bitten wir Rechteinhaber, uns über das eigens dafür auf unserer Website bereitgestellte Mitteilungsformular zu ­informieren.“

Einstellung der Belieferung von Amazon
Eine Website mit einem Meldeformular für Markenrechtsverstöße war offenbar nicht das, was Oliver Reichert in Sachen Unterstützung im Sinn hatte, deshalb folgten den wütenden Worten bald Taten: Zum 1. Januar 2018 stellte Birkenstock die Belieferung von Amazon Deutschland komplett ein. Heute, knapp zwei Monate später, bekommen Amazon-Kunden trotzdem, wenn sie „Birkenstock“ ins Suchfeld eingeben, über 3.000 Treffer. Ob das Restbestände aus dem Amazon-Lager, von Dritthändlern oder Fälschungen aus Asien sind, ist für sie nicht zu unterscheiden. Davon, dass Birkenstock auf Amazon nicht mehr präsent ist, merken sie jedenfalls nichts.

Ähnlich geht es einem anderen Hersteller, der sich in den letzten Jahren an Amazon abgearbeitet hat: Deuter hat vor Gericht Vertriebsbeschränkungen für Online-Marktplätze für seine Produkte durchgesetzt und ist dafür durch mehrere Instanzen gegangen. Das erklärte Ziel: Kein Deuter-Rucksack soll ohne Beratung über ­einen Online-Marktplatz für schnelles Geld verkauft werden, weder von Deuter selbst noch von einem Handelspartner. „Wenn es irgendwann einmal so weit ist, dass wir unsere Produkte auf Marktplätze guter Händler stellen, habe ich damit kein Problem“, stellte Deuter-Chef Martin Riebel kürzlich im Vorfeld der Sportmesse Ispo klar. „Es geht darum, dem Kunden ein größeres Angebot bieten zu können, mehr in die Tiefe zu gehen. Wir wollen bloß keinen Basar wie zum Beispiel Amazon.“

Wie groß die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist, zeigt auch in diesem Fall wieder eine schnelle Suche bei Amazon: Der Suchbegriff „Deuter“ erzeugt über 2.000 Treffer.  „Wir wissen nicht, wo diese Rucksäcke herkommen“, sagte eine Unternehmenssprecherin auf Rückfrage, „von uns jedenfalls nicht.“

Quelle: Internet-World

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