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China-Westeuropa: Die neue (stählerne) Seidenstraße

27. Januar 2014 14:52
China-Westeuropa: Die neue (stählerne) Seidenstraße

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Schienenfrachtverbindungen von China nach Westeuropa/Deutschland werden immer beliebter. Der boomende Ausbau der Industrieregionen in Westchina, die relativ weit von den Seehäfen des Landes der Mitte entfernt sind, macht Frachtverbindungen via Güterzugverband nach Europa attraktiv und konkurrenzfähig. Redaktion: Dirk Ruppik

Die „Go-West-Strategie“ der chinesischen Regierung zahlt sich aus. Die Inlandsprovinzen weisen nunmehr größere Wachstumszahlen auf als die Küstenprovinzen. In den größeren Städten wie Chongqing und Chengdu, Hauptstadt der Provinz Sichuan, hat sich vor allem die Fahrzeugbranche nach Elektronik und Informationstechnologie zu einer neuen Schlüsselindustrie entwickelt. Unter den Elektronikherstellern finden sich Unternehmen wie Foxconn, das für Apple in Chengdu vor allem das iPad Mini fertigt. In Chongqing arbeitet der Auftragsfertiger mit Hewlett Packard (HP) am weltweit größten Laptop-Produktionsstandort zusammen.

Großen Neuinvestitionen sind in den vergangen Jahren zahlreiche Kfz-Zulieferer gefolgt. Laut Germany Trade & Invest (Gtai) haben sich nach Schätzung von Astrid Schröter, Liason Manager Sichuan-Chongqing der Deutschen Handelskammer Süd- und Südwestchina, bis Ende 2012 in Chengdu rund 120 und in Chongqing etwa 40 deutsche Firmen angesiedelt. Die wichtigsten Gründe dafür sind die Nähe zum Kunden, Lieferungen für den Infrastrukturausbau und die Bedienung des lokalen Absatzmarktes.

Schienenfrachttransport zwischen China und Westeuropa schnell und günstig
Im Rahmen der Zuwanderung von Fertigungsindustrie nach Inlands- und Westchina wird erwartet, dass der Schienenfrachttransport eine zunehmend attraktive Alternative zu anderen Transportmodi wird. Bernd Weiler, Pressesprecher und Leiter des Pressebereichs DB Schenker Rail, erklärt: „Als Daumenregel gilt: Der Schienenfrachttransport ist halb so teuer wie Luftfracht – und doppelt so schnell wie Seefrachttransport. Dies ist für kapitalintensive Güter interessant, wie z.B. Computer, Laptops, Autoteile, Mobiltelefone, Computerchips, etc.“ Er fügt an: „Verbesserungen in der Transportzeit würden die Attraktivität freilich noch erhöhen, z.B. durch kürzere Standzeiten bei der Zollabfertigung und durch elektronische Frachtbriefe.“

DB Schenker übernimmt die Vorreiterrolle
Derzeit bietet DB Schenker die Verbindungen Leipzig-Shenyang, Chongqing-Duisburg, Zhengzhou-Hamburg (bzw. auch andere Anlaufstellen in Deutschland und Zentraleuropa) an. „Wir fahren für internationale Konzerne, für deren deutsche und chinesische Dependancen und auch für chinesische Gesellschaften. Für einen deutschen Automobilbauer transportieren wir Teile von Leipzig nach Shenyang und für einen internationalen Elektronikkonzern mit Sitz in den USA befördern wir Komponenten von Chongqing nach Duisburg. Im Auftrag der kommunalen Wirtschaftsorganisation von Zhengzhou fahren wir für mehrere chinesische Firmen“, erklärt Weiler.

Im Mai 2012 gab DB Schenker bekannt, dass „DB Schenker Rail Automotive, der Automobilspezialist im Schienengüterverkehr der Deutschen Bahn, für BMW bereits rund 200 Containerzüge mit Autoteilen aus Leipzig und Wackersdorf nach Shenyang im Nordosten Chinas betreut hat. Über 4.000 Container auf 112 Zügen rollten seit Vertragsbeginn im September 2011 aus Leipzig zum BMW Werk in Shenyang. Bereits seit November 2010 fährt einmal pro Woche ein Zug aus Wackersdorf zum Standort in China. Bis Ende April 2012 rollten 70 Züge, beladen mit 2.500 Containern, aus Bayern nach Shenyang in der Provinz Liaoning. Die Züge benötigen für die knapp 11.000 Kilometer lange Strecke jeweils 23 Tage. DB Schenker Rail betreut die Züge in Kooperation mit TransContainer, der Frachttochter der Russischen Eisenbahnen (RZD) und dem Unternehmen Far East Landbridge (FELB).“

Laut Wirtschaftswoche fährt DB Schenker zudem für den Druckerhersteller Hewlett-Packard einmal pro Woche mit einem sogenannten Company Train Elektronikgeräte auf der rund 11.000 km langen Strecke von Chongqing nach Leipzig. Die Trans Eurasia Railway verläuft auf der sogenannten Südroute von Chongqing, durch Kasachstan, Russland und Weißrussland und endet in Duisburg bzw. Westeuropa. Der Zug benötigt dazu 20 Tage. Gemäß HP sind das 12 Tage weniger als auf dem Seeweg. Der amerikanische Computerhersteller übernahm laut eigener Aussage die Führung bei der Entwicklung der Güterzugverbindung. „Nachdem wir 2010 massiv Fabriken und Infrastruktur im Inland und in Westchina entwickelt haben, wurde der erste Pilotversuch im März 2011 durchgeführt. Das jetzige Betriebsmodell steht seit März 2012. Jeder Zug transportiert zwischen 41 und 50 „Sea40“-Highcube-Container, die komplett mit HP Notebooks, Bildschirmen und Zubehörteilen gefüllt sind. Seit 2011 haben über 60 Züge, 2.566 Container und über fünf Millionen HP-Produkte die Strecke erfolgreich absolviert.“ Das Unternehmen entwickelte eine spezielle Verpackung, die ohne zusätzliche Energiezufuhr die empfindliche Ware gegen Temperaturen unter -20 Grad schützt. Bisher können Transporte neun Monate im Jahr durchgeführt werden. Schon bald sollen die Züge ganzjährig fahren.

Der IT-Riese möchte aktiv andere Industriezweige am Chinazug teilhaben lassen. „In den nächsten Wochen sollen Workshops mit großen europäischen Nicht-IT-Unternehmen, die Zweigstellen in Westchina besitzen, durchgeführt werden. Durch die Erhöhung der Frequenz und Sicherstellung, dass die Züge in beiden Richtungen gefüllt sind, können wir die Transportkosten für alle Beteiligten senken“, sagte Kelli Schlegel, Pressesprecher bei HP.

Auf bestimmten Teilstrecken wird der Güterzug mit Millionenladung von trainierten bewaffneten Wachleuten begleitet. Jeder Container besitzt zur Sicherheit zusätzlich GPS. Für die Chongqing-Duisburg-Verbindung arbeiten laut OWC Verlag für Außenwirtschaft die Transportholding Chunzin, die Gesellschaft für Containerbeförderungen der Chinesischen Bahnen CRIMT, die Containergesellschaft der KTZ Kaztransservice, die RZD Logistika AG und DB Schenker im Joint Venture YuXinOu (Chongqing) Logistics Co. Ltd. zusammen.

Der für jedermann buchbare Trans Eurasia Express der Trans Eurasia Logistics (TEL) fährt wöchentlich von Schanghai, Peking via Novosibirsk, Jekaterinburg und Moskau bis Hamburg, Duisburg und Nürnberg. Die Transitzeit bis Hamburg beträgt 18 Tage (Seefracht 30 Tage). TEL und die Schweizer InterRail Services GmbH betreiben seit Januar 2011 auch den Güterblockzug-Dienst „Ostwind“, der zuvor nur von InterRail Services betrieben wurde. Von zwölf Containerterminals in Deutschland bzw. von Antwerpen und Rotterdam kann Fracht gesendet werden, die in Berlin-Großbeeren zusammengeführt wird. Der „Ostwind“ fährt mindestens zweimal pro Woche von Berlin-Großbeeren in die GU-Staaten (Moskau, Baku, Aserbaidschan, Wladiwostok) sowie in die Mongolei.

Weiterer Ausbau
Die New York Times berichtete im Juli, dass andere Firmen dem Beispiel von HP folgen wollen. Die chinesischen Behörden haben am 17. Juli 2013 den Start des ersten von sechs Güterblockzügen vom Hafen Zhengzhou über Kasachstan und Polen bis nach Hamburg bekannt gegeben. Die 10.214 km lange Route folgte somit annähernd der HP-Route. Der erste Zug erreichte die Hansestadt am 1. August mit 51 Containern nach 15 Tagen Transitzeit. Der Service soll künftig zweimal pro Woche durchgeführt werden und ist auf 18 Tage Transitzeit projektiert. Laut Deutsche Welle enthielten die Container Autoteile bis hin zu Artikeln der Unterhaltungselektronik.

„Die internationale Verbindung spart sehr viel Zeit und Geld beim Import deutscher Elektronikprodukte, Baumaschinen, Fahrzeuge und -teile, medizinischer Geräte und anderer Produkte mit hoher Wertschöpfung“, sagte Karl-Heinz Emberger, Managing Director North and Central China, Schenker China Ltd, zur China Daily. „Der Grad der gegenseitigen Abhängigkeit zwischen China und Deutschland vertieft sich kontinuierlich mit zunehmendem branchenübergreifendem Handel. China exportiert Konsumgüter im Austausch für deutsche Hightech Produkte“, fügte er an. „Folglich ergänzen sich die meisten Produkte.“

„Es handelt sich nicht um direkten Wettbewerb“, sagte Luo Renjian, Rechercheur beim Institute of Transportation Research der National Development and Reform Commission. Dennoch wird China den Wettbewerb mit deutschen Herstellern in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren erhöhen. Kürzlich haben das bereits die Solarindustrie und der Hersteller von Telekommunikationseinrichtungen Nokia Siemens Networks erfahren, kommentierte die Informationsplattform germany-north.com. Im nächsten Jahr sind gemäß New York Times 50 Züge geplant, die Güter im Wert von rund 750 Millionen Euro transportieren werden. Der Güterzug wird durch DB Schenker außerhalb Chinas für die Zhengzhou Land Port Development & Construction Co betrieben.

DHL bietet seit Juni bzw. August 2013 einen multimodalen Überland-Expressfrachtservice jeden Freitag von Chengdu nach Westeuropa (Westkorridor) bzw. täglich von Schanghai nach Polen (Transsib-Korridor) an. Von Chengdu bis nach Polen liegt die Transitzeit bei ca. 14 Tagen. „Die Pünktlichkeit des Westkorridors liegt bei plus sechs bzw. minus vier Stunden, während sie beim Transsib-Korridor bei ein paar Tagen liegen kann“, sagte Bruno Selmoni, Leiter Straßen- und multimodale Fracht Asien-Pazifik bei DHL Global Forwarding. „Wir sehen viele Möglichkeiten für die Chengdu-Route – Erweiterungen nicht nur bis Polen und Moskau, sondern bis in Städte innerhalb ganz Europas.“ Laut New York Times stehen einige Rivalen von HP in den Startlöchern, um die neue Chengdu-Route für Exporte aus China zu nutzen.

Kasachstan von enormer Bedeutung
Der Westkorridor durch Kasachstan wird für den Schienentransport nach Europa zunehmend wichtiger. Das Land besitzt schon rund 14.000 km an Schienenverbin-dungen und will nun schnell weitere Anbindungen an die Grenzen Chinas im Osten und im Süden nach Turkmenistan entwickeln. Ein Ziel ist z.B., China mit dem Iran zu verbinden, erklärte Kanat K. Alpysbayev, Vizepräsident für Logistik bei Kazakh National Railways. „Bis 2020 soll die Schienenfracht von Westchina nach Europa von bisher 2.500 FEU im Jahr 2012 auf 7,5 Millionen FEU im Jahr 2020 anwachsen“, sagte er. (DR)

Quelle: LOGISTIK express Fachzeitschrift 3/2013

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