Coface-Prognose: -1,3 % Wachstum und damit erste Rezession seit 2009

Weltweiter Anstieg der Unternehmensinsolvenzen um 25 %

Die COVID-19-Epidemie hat einen doppelten Schock bei Angebot und Nachfrage ausgelöst und betrifft eine Vielzahl an Industrien in nahezu allen Ländern der Welt. Die Einzigartigkeit dieser Krise macht Vergleiche mit den vorangegangenen Krisen schwierig, da sie alle finanzielle Ursachen hatten, zum Beispiel die globale Kreditkrise 2008-09, die große Depression von 1929. „Die Frage ist nicht mehr, welche Länder und Wirtschaftszweige von diesem Schock betroffen sein werden, sondern vielmehr, welche wenigen davon verschont bleiben werden“, erklärt Declan Daly, Regional CEO der Coface für Zentral- und Osteuropa.

Coface prognostiziert, dass die Weltwirtschaft 2020 die erste Rezession seit 2009 mit einer Wachstumsrate von -1,3% (nach +2,5% im Jahr 2019) erleben wird. Coface erwartet außerdem Rezessionen in 68 Ländern (gegenüber nur 11 im letzten Jahr), einen Rückgang des Welthandels um 4,3% in diesem Jahr (nach einem Rückgang von -0,4% im Jahr 2019) und eine weltweite Zunahme der Unternehmensinsolvenzen um 25% (im Vergleich zu unserer letzten Januarprognose von +2%).

Die größte Zunahme von Unternehmensinsolvenzen seit 2009.
Das Kreditrisiko der Unternehmen wird selbst in einem „Best-Case“-Szenario, bei dem die Wirtschaftstätigkeit im dritten Quartal des Jahres allmählich wieder aufgenommen wird und es in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 keine zweite Welle der Coronavirus-Epidemie gibt, sehr hoch sein.

Diese Entwicklung der Insolvenzen würde die Vereinigten Staaten (+39%) und alle wichtigen westeuropäischen Volkswirtschaften (+18%) betreffen: Deutschland (+11%), Frankreich (+15%), Vereinigtes Königreich (+33%), Italien (+18%) und Spanien (+22%). In den Schwellenländern könnte der Schock noch heftiger ausfallen: Neben der Bewältigung der Pandemie, die für sie schwieriger sein wird, sind sie auch mit dem Rückgang der Ölpreise sowie mit Kapitalabflüssen konfrontiert, die sich gegenüber dem Stand von 2008 vervierfacht haben.

Internationales Handelsvolumen wird im zweiten Halbjahr sinken.
Die Risiken, die auf der Prognose eines Rückgangs des Welthandelsvolumens um 4,3% im Jahr 2020 lasten, könnten sich noch erhöhen, da die zahlreichen Grenzschließungsankündigungen im Prognosemodell von Coface nicht berücksichtigt werden (Modell auf der Grundlage der Ölpreise, der Transportkosten, des Vertrauens der Fertigungsunternehmen in den Vereinigten Staaten und der koreanischen Exporte als erklärende Variablen).

Längerfristig könnte die COVID-19-Krise auch Auswirkungen auf die Struktur der globalen Wertschöpfungsketten haben. Die Hauptursache für die Verwundbarkeit der Unternehmen im gegenwärtigen Kontext ist ihre starke Abhängigkeit von einer geringeren Anzahl von Lieferanten, die in wenigen oder sogar nur einem einzigen Land ansässig sind. Daher wird die Erhöhung dieser Zahlen, um mögliche Unterbrechungen in der Lieferkette zu antizipieren, für die Unternehmen jetzt eine Priorität sein.

Die meisten Branchen betroffenen, nur wenige verschont.
Für die Unternehmen hatten die plötzlichen Maßnahmen, die von den Regierungen in mehr als 40 Ländern ergriffen wurden, um die Ausbreitung des COVID-19-Virus einzudämmen, unmittelbare Folgen. Diese Maßnahmen haben zu einem Angebotsschock geführt, wie er bei früheren großen Krisen nicht beobachtet wurde. Der anfängliche Schock war nicht auf eine Finanzkrise zurückzuführen, sondern bezog sich auf die Realwirtschaft: Menschen können nicht arbeiten, und die Unternehmen erleben Unterbrechungen bei der Versorgung mit Zwischengütern.

Tourismus, Hotel- und Gaststättengewerbe, Freizeit und Verkehr sind stark betroffen, ebenso wie fast alle spezialisierten Vertriebssegmente und die meisten Sektoren des verarbeitenden Gewerbes (mit Ausnahme der Agrar- und Nahrungsmittelindustrie). Andere Dienstleistungssektoren sind weitaus weniger betroffen: Telekommunikation, Wasserversorgung und Abwasserentsorgung.

Angebots – und Nachfrageschock.
Mit diesem Angebotsschock geht ein ebenso brutaler Nachfrageschock einher. Viele Verbraucher streichen oder verschieben ihre Ausgaben für Waren und Dienstleistungen. Darüber hinaus wird das Vertrauen der Haushalte durch die Auswirkungen der Einschränkung geschwächt. Langlebige Verbrauchsgüter wie Fahrzeuge werden wahrscheinlich zu den am stärksten von diesem Schock betroffenen Waren zählen. Auch andere Ausgaben, wie für Textilien und Kleidung sowie Elektronik, werden wahrscheinlich auf fast null reduziert werden. Am anderen Ende des Spektrums könnte der Verbrauch von Agrarnahrungsmitteln und pharmazeutischen Produkten von dieser Ausnahmesituation sogar profitieren.

Die politischen Folgen der Pandemie.
Die offensichtlichste Folge der Pandemie ist kurzfristig die Verschärfung der bestehenden geopolitischen Spannungen. Die Gefahr einer neuen Welle protektionistischer Maßnahmen, die vor allem auf die Schlüsselbereiche der neuen Gesundheits- und Wirtschaftsordnung abzielen (z.B. Begrenzung der Exporte von als lebenswichtig erachteten Agrar- und/oder Pharmazeutika), kann nicht ausgeschlossen werden. Die Fortsetzung des „Handelskrieges“ zwischen den USA und China, der auf strategische Sektoren, insbesondere die Elektronik, abzielt, bleibt ebenfalls eine Möglichkeit. Dies könnte durch den Präsidentschaftswahlkampf in den Vereinigten Staaten und/oder durch den Anstieg der sozialen Proteste in einem dieser beiden Länder verstärkt werden.

Coface: for trade – Gemeinsam Geschäfte entwickeln.
Mit 70 Jahren Erfahrung und dem dichtesten internationalen Netzwerk ist Coface ein bedeutender Kreditversicherer, Partner im Risikomanagement von Unternehmen und in der globalen Wirtschaft. Mit dem Anspruch, der agilste Kreditversicherer weltweit zu werden, unterstützt Coface 50.000 Kunden dabei, Geschäfte aufzubauen und dynamisch zu entwickeln. Die Produkte und Dienstleistungen schützen Unternehmen im nationalen und internationalen Business und helfen ihnen, Kreditentscheidungen zu treffen. 2018 hatte Coface rund 4.100 Mitarbeiter in 100 Ländern und erzielte einen Umsatz von 1,4 Mrd. Euro.

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Quelle: APA/OTS Wirtschaft

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