Die Zukunft der Automatisierung ist smart
Volatile Märkte und fragile Lieferketten setzten Unternehmen unter Druck. Klassische Automatisierungssysteme, die auf statischen Prozessen basieren, stoßen immer häufiger an ihre Grenzen, da sie nur eingeschränkt auf unerwartete Ereignisse reagieren können.
Mithilfe smarter Automatisierung können Unternehmen ihre Prozesse adaptiv und autonom steuern und eröffnen sich damit neue strategische Spielräume. Christian Reinwald, Head of Product Management and Marketing bei reichelt elektronik, erklärt, wie smarte Automatisierung funktioniert, welche Technologien dahinterstehen und welches strategische Potenzial sie anhand konkreter Praxisbeispiele für Unternehmen bietet.
Was Automatisierung „smart“ macht
Der entscheidende Unterschied zwischen klassischer und smarter Automatisierung liegt in der Anpassungsfähigkeit. Während die klassische Variante einem Wenn-Dann-Schema folgt, erkennt eine smarte Umgebung Muster, erstellt auf Basis von Daten präzise Prognosen und optimiert Prozesse eigenständig. Möglich wird dies durch das synergetische Zusammenspiel von Künstlicher Intelligenz (KI), dem Internet der Dinge (IoT) und datengetriebener Analytik. Sensoren erfassen in Echtzeit riesige Datenmengen direkt an der Maschine, während KI-Algorithmen diese Informationen interpretieren. Das Ergebnis ist eine proaktive Steuerung, die reagiert, bevor ein Problem überhaupt entsteht.
Status Quo: Zwischen Etablierung & Aufbruch
In Branchen wie der Fertigungs-, Logistik- und Automobilindustrie ist dieser Wandel bereits in vollem Gange. Während Technologien wie Cloud-Anbindungen und grundlegende IoT-Strukturen heute fast schon zum Standard gehören, befinden wir uns bei autonomen Entscheidungssystemen und „Edge-KI“, also der Datenverarbeitung direkt an der Quelle, noch im Ausbau. Besonders spannend sind die Trends: Generative KI hält Einzug in die Produktionsplanung, und digitale Zwillinge werden immer leistungsfähiger. Sie erlauben es, komplexe Szenarien virtuell durchzuspielen, bevor sie in der physischen Welt umgesetzt werden. Das reduziert Risiken und beschleunigt Innovationen massiv.
Hürden bei der Einführung: Kein Selbstläufer
Trotz der klaren Vorteile ist der Weg zur smarten Fabrik kein Spaziergang. Eine Umfrage von reichelt elektronik zu Automatisierungstechnologien verdeutlicht die Barrieren: Hohe Investitionskosten und die Herausforderung, moderne Technik in oft jahrzehntealte Bestandssysteme zu integrieren, bremsen viele Betriebe aus. Hinzu kommen Sorgen um die Datensicherheit und der Fachkräftemangel. Es fehlt schlichtweg an Experten, die diese komplexen Welten beherrschen.

Messbarer Mehrwert in der Praxis
Dass sich diese Hürden lohnen, belegen die Zahlen. Eine Studie von Deloitte zeigt, dass smarte Automatisierung die Produktionsleistung und die Mitarbeiterproduktivität um bis zu 20 Prozent steigern kann. Doch es geht um mehr als reine Ausstoßmengen:
- Resilienz durch Predictive Maintenance: Systeme erkennen Ausfälle, bevor sie passieren. Das verhindert teure Stillstände.
- Nachhaltigkeit: Durch Echtzeit-Überwachung von Energie- & Materialflüssen lassen sich Ressourcen effizienter einsetzen.
- Flexibilität: Ob Losgröße 1 oder kurzfristige Planänderungen – smarte Systeme passen Produktionsmengen & Routen an.
- Qualitätssicherung: KI-basierte Inline-Prüfungen erkennen Fehler im laufenden Prozess, nicht erst bei der Endkontrolle.
Viele Unternehmen schrecken vor dem „Kahlschlag“ zurück. Doch smarte Automatisierung erfordert nicht zwingend den kompletten Neubau einer Halle. Retrofit-Projekte bieten eine kosteneffizientere Alternative. Durch das Aufrüsten bestehender Anlagen mit Sensoren und modernen Kommunikationsschnittstellen können Unternehmen schrittweise die Vorteile der Digitalisierung nutzen, ohne ihr gesamtes Kapital in neue Hardware zu binden.
Fazit: Smarte Automatisierung ist kein Hype, sondern ein Entwicklungsschritt für die Wettbewerbsfähigkeit. Der Trend zu stärker vernetzten, transparenteren und autonomen Prozessen wird sich weiter verstärken. Die Erwartungen sind hoch: Laut einer aktuellen Umfrage von reichelt elektronik glauben fast 60 Prozent der Befragten, dass die Fertigung in fünf Jahren vollständig automatisiert sein wird. Unternehmen, die jetzt die Weichen stellen und die technologische Transformation als strategische Chance begreifen, werden nicht nur effizienter arbeiten, sondern die nötige Flexibilität besitzen, um in einem volatilen Weltmarkt zu bestehen. (RED)
LOGISTIK express Journal 3/2026 I&E – Intralogistik & E-Commerce



