Digitalisierung in der Logistik richtig einsetzen
Digitalisierung strategisch richtig einzusetzen ist eine der großen Herausforderungen in der Logistik Branche in den nächsten 10 Jahren.
Genau deshalb waren die Impulse des Logistic Days auch so wertvoll für mich. Exemplarisch ist dafür sicher die Harmonisierung und Standardisierung der logistischen Datenströme, die gerade in unserer Arbeit im logistic-natives e.V. ein zentrales Anliegen ist.
Produktivität im manuellen Lager: Unterschätzte Potenziale im E-Commerce
„Was man nicht misst, will man nicht lenken“ – frei nach Peter F. Drucker. Dieses Zitat stand sinnbildlich für den Vortrag von Risto Pfalz Geschäftsführer der IDIH GmbH auf der diesjährigen Logistiktagung. Sein Thema: Wie sich die Produktivität im manuellen Lager – gerade im E-Commerce – gezielt messen, verstehen und deutlich steigern lässt.
Effizienz entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit
Im E-Commerce sind die Margen knapp, die Warenkörbe klein und die Fulfillment-Kosten entsprechend hoch. In dieser Situation entscheidet die Produktivität im Lager maßgeblich über die Rentabilität des Geschäftsmodells. Insbesondere im manuellen Fachbodenlager schlummern häufig ungenutzte Effizienzpotenziale – nicht selten, weil Prozesse gewachsen statt geplant sind. „Die Kommissionierung ist in vielen Betrieben der größte Kostenblock in der operativen Logistik“, betonte Risto Pfalz. Rund 30 bis 40 Prozent der Mitarbeitenden seien dort beschäftigt. Der entscheidende Hebel für Effizienz und Kosten sei daher die Pickleistung – also die Anzahl der Artikelzugriffe oder Rechnungszeilen pro Mitarbeiterstunde.

60 bis 120 Picks? Weit unter dem Möglichen
In der Praxis gelten Leistungswerte zwischen 60 und 120 Picks pro Stunde oft als Benchmark. Tatsächlich zeigen zahlreiche Optimierungsprojekte: Mit durchdachter Prozessgestaltung, geschickter Wegeoptimierung, paralleler Kommissionierung und ergonomisch gestalteten Arbeitsplätzen sind über 200 Picks pro Stunde möglich. Spitzenwerte von 250 Picks und mehr wurden bereits in Branchen wie Textil, Elektronik, Fahrradzubehör und Bürobedarf erzielt – ganz ohne Vollautomatisierung. Unternehmen, die sich mit den niedrigeren Werten zufriedengeben, zahlen laut Pfalz häufig das Zwei- bis Dreifache der notwendigen Kommissionierungskosten – sei es über direkte Personalkosten oder über entsprechende Logistikdienstleister.
Wo liegen die Bremsen?
Warum werden diese Potenziale in der Praxis so selten ausgeschöpft? Die Ursachen sind bekannt: Fehlende Prozesskonzeption: Lagerprozesse entwickeln sich oft „aus dem Bauch heraus“, ohne klare Methodik oder Leistungsziel. Unzureichende IT-Unterstützung: Logistiksysteme bilden Prozesse ungenau oder ineffizient ab; Rangreihen werden fälschlich als Wegeoptimierung interpretiert. Ungeeignete Fördertechnik: Manche Systeme begrenzen die Kommissionierleistung systemisch und verhindern höhere Durchsätze. Über- oder Unterautomatisierung: Technik wird außerhalb ihres wirtschaftlichen Sweet Spots eingesetzt – zu viel oder zu wenig Automatisierung mindert gleichermaßen die Produktivität.
Fazit: Messen, verstehen, lenken.
Die Produktivitätssteigerung im manuellen Lager ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis klarer Analyse und gezielter Prozessgestaltung. Wer Kennzahlen wie die Pickleistung systematisch erfasst, regelmäßig hinterfragt und aktiv steuert, kann seine Logistikkosten erheblich senken – ganz ohne zwingend in aufwendige Automatisierung investieren zu müssen. „Produktivität entsteht nicht durch Technik, sondern durch das Verständnis des Prozesses“, fasste Risto Pfalz zusammen. Oder, um mit Drucker zu sprechen: Nur wer misst, kann auch lenken. (Bei Interesse an einer Checkliste zur Selbsteinschätzung der Lagerproduktivität kann diese gerne angefordert werden. (RED)



