Digitalisierung und Logistik – bald ist der Zug abgefahren
Im internationalen Vergleich hinken Österreichs Unternehmen – insbesondere KMU – bei der Digitalisierung stark hinterher.
Während Asien sowie die USA schon lange Vorsprung haben, überholen uns nun auch osteuropäische Länder mit Leichtigkeit. Das ist fatal für unsere Wirtschaft! Warum wir schleunigst handeln müssen, erklärt Thomas Mayr, CEO der LNConsult GmbH, im Gespräch mit Logistik express.
Welche Vorteile bringt Digitalisierung mit sich, generell und insbesondere im Bereich der Logistik?
Digitalisierung steigert Effizienz, senkt Kosten und schafft eine solide Datenbasis für strategische Entscheidungen. Sie ermöglicht neue Geschäftsmodelle und verbessert die Kundenerfahrung. Im Bereich Logistik sind die Vorteile besonders deutlich: Echtzeit-Tracking, automatisierte Lagerprozesse, geringere Fehlerquote, höhere Transparenz vor allem hinsichtlich Prozesskosten. Nur so können Maßnahmen zielgerichtet eingeleitet werden. All das führt in weiterer Folge zu schnelleren Lieferketten und mehr Nachhaltigkeit. Man bleibt wettbewerbsfähig und nur darum geht es.
Was passiert, wenn man den Zug verpasst?
Unternehmen riskieren gravierende Wettbewerbsnachteile. Studien zeigen, dass digitalisierte Betriebe bis zu einem Drittel höheres Umsatzwachstum erzielen. Wer nicht investiert, verliert Marktanteile, arbeitet ineffizient und wird langfristig weniger resilient gegenüber Krisen. Leider ist dieses Bewusstsein bei KMUs nicht ausreichend vorhanden.
Haben „altmodische“ Betriebe eine Chance?
Ja, wenn sie gezielt digitalisieren. Traditionelle Stärken wie Qualität und Individualität können durch digitale Tools ergänzt werden – etwa Online-Vertrieb, CAD-gestützte Fertigung oder IoT für Maschinenüberwachung. Digitalisierung muss nicht alles verändern, sondern kann punktuell Mehrwert schaffen.
Welche Maßnahmen empfehlen Sie für 2026?
Unternehmen sollen und darüber hinaus eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie verfolgen. Dazu zählt zuallererst die strategische Ausrichtung: Digitalisierung muss Teil der Unternehmensstrategie sein, nicht nur ein IT-Projekt.

Die technologischen Schwerpunkte hierbei sollen Hyperautomatisierung (KI + Robotik + Prozessautomatisierung), Datenmanagement und KI für intelligente Entscheidungen sein, wobei Cybersecurity ein Muss darstellt. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Mitarbeiterentwicklung mit Fokus auf Investition in digitale Kompetenzen und Change-Management. Natürlich sollte man Digitalisierung stets gemeinsam mit Nachhaltigkeit denken (Stichwort Twin Transition). In puncto Flexibilität sorgen Cloud-Lösungen und agile Prozesse für Resilienz. Kurz gesagt: Digitalisierung ist Wachstums- und Innovationsmotor – nicht Kostenfaktor!
Wie gehen Sie vor, wenn ein Unternehmen Sie im Bereich Digitalisierung um Hilfe bittet?
Die Vorgehensweise umfasst drei Schritte: eine Status- und Potenzialanalyse (Prozess- & Daten Checks, Workshops auf operativer und strategischer Ebene), gefolgt von einer Strategieentwicklung (Roadmap, Prioritäten) und zum Schluss die Umsetzung (Technologieauswahl, Schulung, Integration). Nehmen wir als Beispiel im Bereich Digitalisierung ein KMU mit weniger als 20 Mitarbeitern – mit welchen Kosten ist hier zu rechnen: Analyse & Strategie: ca. 2.000–3.000 €, Umsetzung (Software, Hardware, Schulung): 15.000–30.000 €. Förderungen können bis zu 30 % der Kosten decken (best practise).
Haben Insolvenzen mit mangelnder Digitalisierung zu tun?
Direkte Zahlen fehlen, aber Studien zeigen: Unternehmen mit niedriger Digitalisierungsintensität sind deutlich krisenanfälliger. Digitalisierung erhöht Produktivität und Resilienz – fehlende Investitionen steigern das Risiko, gerade in volatilen Märkten. Auch auffällig: die Marktanteile werden in der Regel von anderen, innovativeren Unternehmen – oft aus dem Ausland kommend – übernommen. Das ist ein klares Indiz, dass wir in Österreich dringenden Handlungsbedarf haben. Und es sind nicht Märkte wie USA, China oder Indien, mit denen wir uns vergleichen sollten, auch ein Großteil der Länder in Osteuropa hat uns hinsichtlich Digitalisierung bereits überholt – siehe das Baltikum, Polen aber auch Tschechien als unmittelbarer Nachbar.
Wo sehen Sie Handlungsbedarf? Wer hat den größten Nachholbedarf und warum?
Noch liegt Österreich im internationalen Vergleich im Mittelfeld – Tendenz jedoch leider fallend Viele österreichische Betriebe haben Nachholbedarf: begrenzte Budgets, fehlende Fachkräfte und mangelnde strategische Ansätze sind die Hauptgründe.
Was, wenn Mitarbeiter mit der Technik nicht umgehen können, beispielsweise ältere Arbeitnehmer? Muss man die Belegschaft ändern?
Ein Austausch der Belegschaft ist weder praktikabel noch sinnvoll. Erfolgsfaktor ist gezielte Weiterbildung und eine schrittweise Einführung digitaler Prozesse. Altersgerechte Schulungen und Mentoring-Programme sind entscheidend.
Ganz generell sehe ich, dass ein ausgewogener Mix aus erfahrenen und jungen Kolleginnen und Kollegen für den Erfolg eines Unternehmens entscheidend ist. Erfahrung bringt Gelassenheit, Kommunikationsstärke und strategische Weitsicht, während junge Talente Dynamik, Kreativität und frische Impulse einbringen. Gemeinsam entsteht ein Team, das Stabilität und Innovation vereint.
Was wäre seitens der Politik nötig, um Unternehmen besser zu unterstützen?
Hierzu fallen mir gleich mehrere Punkte ein: allen voran die Weiterentwicklung/Vereinfachung von Förderprogrammen (Förderung Digitalisierung KMU) und eine digitale Kompetenzoffensive für Fachkräfte. Selbstverständlich dürfen steuerliche Anreize für Investitionen in Automatisierung und Digitalisierung nicht fehlen. Wichtig ist Rechtssicherheit für KI und Datenmanagement. Die Politik soll sich darauf konzentrieren, stabile Rahmenbedingungen zu schaffen, statt Mikromanagement zu betreiben. Überregulierung, kurzfristiger Aktionismus oder das Vorschreiben bestimmter Technologien hemmen Innovation. Als Unternehmer braucht man Planungssicherheit, Infrastruktur und Anreize – nicht zusätzliche Bürokratie.
Danke für das Gespräch.



