E-Commerce bringt Mehrwert und Wohlstand
Die bevorstehende Einführung der Paketsteuer von 2 EUR je Sendung in Österreich hält Post-Generaldirektor Walter Oblin für „keine gute Idee und wenig fortschrittsfördernd“.
Sie gelte zwar nur für Plattformbetreiber ab 100 Mio. EUR Jahresumsatz. Doch auch Kleinbetriebe nutzten deren Netzwerke für den digitalen Vertrieb ihrer Produkte, erläuterte der Top-Manager am Dienstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Folglich seien auch sie von der voraussichtlich ab September zu leistenden Agabe betroffen. Das dürfte vorübergehend zu einem Dämpfer im höheren einstelligen Prozentbereich führen.
Walter Oblin machte auch deutlich, wie die Uhren im E-Commerce ticken. Demnach befinden sich unter den Top-30-Kunden der Österreichischen Post in der B2C-Paketlogistik nur zwei Unternehmen mit Sitz in der Alpenrepublik. Bei allen anderen „Key Accounts“ handelt es sich um Plattformbetreiber mit Bedarf an Paketlogistiklösungen für die Bedienung von Regionen.
Dafür hat die Österreichische Post in den letzten Jahren massiv in den Aufbau eines grenzüberschreitenden Netzwerks investiert. Es umfasst momentan 15 Länder in Zentral-, Ost-/Südosteuropa bis in die Türkei, Georgien und Aserbeidschan mit zusammen rund 150 Mio. Einwohnern. Walter Oblin bekundet Interesse an alffäligen Verstärkungen in den Ländern. Auch ein Engagement in Usbekistan kann er sich vorstellen.
Produktspezifisch stößt die B2C-Paketlogistik der Post in ein neues Zeitschema vor. Walter Oblin beobachtet ein Trend in Richtung der Abwicklung von Sendungen in 9 Stunden von der Bestellung bis zum Zusteller. Wer einen bestimmten Artikel zum Beispiel bis um 21:00 Uhr am Abend bestellt, bekommt diesen am Folgetag zugestellt. Damit einher geht die deutliche Zunahme von Sendungen „Direct to Locker“ – sprich zu einer Paketstation. Dadurch müssen die Paketlogistikzentren in immer kürzerer Zeit immer mehr Sendungen sortieren.
Mit Strategien wie „Local to Local“ werden die Betreiber der großen E-Commerce-Plattformen auf lange Sicht weiter wachsen, ist Walter Oblin überzeugt. Dafür leiteten speziell die chinesischen Anbieter bereits Maßnahmen zur Abfederung des Pauchalzolls von 3 EUR je Nicht-EU-Paket ab 1. Juli 2026 ein. Indem sie ihre Vorholungen aus Asien bündeln und große Logistikzentren in Europa etablieren, wird der zu erwartende fiskalische Zusatzaufwand reduziert. Es entstehen vermehrt Strategien „Local to Local“.
Dafür investiert die Österreichische Post konsequent in die Netzwerk-Optimierung und in Dienstleistungen für die Erfüllung der Kundenbedarfe. In Salzburg, Budapest und Istanbul enstehen neue oder von Grund auf modernisierte Paketlogistikzentren. Parallel dazu schreitet die Ausrollung der Sonntag-Zustellung von Paketen in Wien und in den Landeshauptstädten voran. Die CO2-freie Distribution auf der letzten Meile wird bis 2030 in ganz Österreich umgesetzt. In Wien ist das jetzt schon der Fall, wovon sich am Montag sogar Arnold Schwarzenegger beeindruckt zeigte.
Quelle: OEVZ



