Ein Wendepunkt für die Automatisierung der Verladung?
Unternehmen suchen ständig nach Möglichkeiten, ihre Lager und Produktionsstätten zu optimieren und zu automatisieren: „Optimierung” ist seit einiger Zeit das Schlagwort unserer Branche. Ein wichtiger Bereich wird dabei jedoch häufig übersehen.
Beim Be- und Entladen wird weltweit immer noch viel manuell gearbeitet – und das in einer Zeit, in der Gabelstaplerfahrer schwer zu finden sind. Selbst Anlagen mit hochmodernen End-of-Line-Prozessen verzichten oft auf die Automatisierung der Verladeabteilung.
Angesichts des zunehmenden Arbeitskräftemangels und des steigenden Drucks in Bezug auf Sicherheit und Durchsatz werden immer mehr Unternehmen eine 100-prozentige End-of-Line-Automatisierung anstreben, einschließlich der Wareneingänge im Lager und der Warenausgänge. Aber warum erst 2026? Nicht zuletzt, weil die Vorteile der Ladeautomatisierung nun für Lager aller Größen und Automatisierungsstufen zugänglich sind.
Automatisiertes Verladen ist immer noch ein gut gehütetes Geheimnis
Die Abhängigkeit vom manuellen Verladen ist nach wie vor hoch, obwohl die Vorteile der Automatisierung allgemein anerkannt sind, darunter:
Sicherheit: Einer der wichtigsten Gründe für die Automatisierung des Be- und Entladevorgangs ist die Verbesserung der Sicherheit. Trotz vieler großer Fortschritte bei der Sicherheit von Gabelstaplern und unzähliger Innovationen rund um die Laderampe bleibt diese ein Gefahrenbereich, solange die Prozesse manuell ablaufen. Gabelstaplerfahrer stehen unter dem Druck, schnell zu be- und entladen, und es besteht der betriebliche Druck, Sattelauflieger schnell umzuschlagen. Statistiken zeigen, dass es pro gefahrenem Kilometer mit einem Gabelstapler zu einer entsprechenden Anzahl von Beinaheunfällen und schließlich zu einem Unfall kommt. Durch automatisiertes Laden wird die Fahrleistung von Gabelstaplern drastisch reduziert, was zu weniger Beinaheunfällen und weniger Unfällen pro Jahr führt.
Geschwindigkeit: Über die Sicherheit hinaus kann ein vollautomatisches System einen kompletten Sattelauflieger in nur zwei Minuten beladen. Im Vergleich dazu kann das manuelle Beladen mit Gabelstaplern 30 bis 45 Minuten dauern. Dieser Unterschied hat massive Auswirkungen auf den Shuttle-Betrieb, da durch das schnellere Beladen derselbe Sattelauflieger mehrmals pro Tag eingesetzt werden kann. Dadurch können Unternehmen die Anzahl der benötigten Sattelauflieger erheblich reduzieren, was zu Kosteneinsparungen führt und auch die Leerlaufzeiten und Staus der LKW’s verringert.

Platzbedarf: Der Platzbedarf ist eine weitere Herausforderung, die Logistikunternehmen dazu zwingt, ihre Verladeprozesse zu überdenken. Manuelles Verladen erfordert breite Gänge, große Bereitstellungsflächen, Platz für Gabelstaplermanöver und mehrere Ladetore, um den Durchsatz aufrechtzuerhalten. Automatische Verladesysteme machen viele dieser Anforderungen überflüssig und rationalisieren den Prozess. Die Möglichkeit, einen vollen Sattelauflieger in nur zwei Minuten zu beladen, bedeutet, dass Betreiber die Palettenbereitstellung eliminieren und die Anzahl der erforderlichen Ladetore reduzieren können: Neuere Lagerkonzepte, die auf vollständiger Automatisierung basiert sing, haben die Anzahl der Ladetore um bis zu 80 % reduziert und sorgen so für eine möglichst kompakte Lagerfläche, was wiederum die Baukosten, den Energieverbrauch und die Umweltbelastung senkt.
Maßgeschneiderte Automatisierung für den realen Betrieb
Ein automatisierter Be- und Entladevorgang bietet unzählige Vorteile, aber es gibt keine Einheitslösung. Jeder Betrieb ist anders, und der richtige Ansatz hängt stark von Faktoren wie der Art der Ladung, der Art der Beförderung, den verwendeten Sattelauflern und dem erforderlichen Durchsatz ab. Für bestimmte Anwendungsfälle gibt es beeindruckende, hochmoderne „Lights-out”-ASRS-Anlagen, während für andere Anwendungsfälle weltweit viele Lagerhäuser nur einen geringen bis mittleren Automatisierungsgrad erfordern. Ihre Ziele sind jedoch dieselben: Sie wollen manuelle Tätigkeiten reduzieren, Arbeitsabläufe beschleunigen und die Sicherheit verbessern.
Was diese Unternehmen in der Vergangenheit daran gehindert hat, war die Notwendigkeit, Sattelaufliegern umzubauen oder Gebäude umfassend umzustrukturieren, um den ROI zu rechtfertigen. Heute gibt es Lösungen, die sich in die bestehende Infrastruktur von Brownfield-Standorten einfügen und mit jedem nicht umgebauten Sattelauflieger kompatibel sind.
Fazit: Vor dem Hintergrund bekannter Herausforderungen wird es für Unternehmen immer wichtiger, die Vorteile der Automatisierung in jeder Phase des End-of-Line-Prozesses zu berücksichtigen, einschließlich des Be- und Entladens. Was das Jahr 2026 von anderen Jahren unterscheidet, ist die praktische Umsetzbarkeit: Die Automatisierung ist nun für eine viel größere Bandbreite von Lagerhäusern realisierbar – einschließlich Brownfield-Standorten, die mit Standard-Sattelaufliegern und bestehender Infrastruktur betrieben werden –, um die Vorteile auf kosteneffiziente Weise zu nutzen.


