Güterverkehr als wesentlicher Treiber der Bahnentwicklung
Seit zwei Jahrhunderten steht die Eisenbahn für Fortschritt, Mobilität und technische Innovation. Mit ihr begann ein neues Zeitalter der Geschwindigkeit, sie veränderte Wirtschaft, Gesellschaft und das Zeitgefühl selbst.
Anlässlich dieses Jubiläums widmet das Technische Museum Wien (TMW) dem Thema eine umfassende Sonderausstellung. Im Zentrum der Schau „Im Bann der Bahn“ stehen eindrucksvolle großformatige Modelle, die weit mehr sind als Miniaturen: Lokomotiven, Waggons und ganze Bahnanlagen in erstaunlicher Detailtreue.
Nicht der Personen-, sondern der Güterverkehr war in der Geschichte der Bahnentwicklung die treibende Kraft. Die erste heimische Strecke, zunächst noch mit der Pferdeeisenbahn, war jene zwischen Linz und Budweis, wo wertvolles Salz aus dem Salzkammergut ins salzarme Böhmen gebracht wurde.
Innovationstreiber war aber immer auch die Kriegswirtschaft: Das Modell eines Kanonentransportwagens demonstriert die Leistungsfähigkeit des Schienentransports um 1900. Mit einer Konstruktion mit 16 Achsen konnten selbst 100 Tonnen schwere Kanonenrohre transportiert werden.
Der Bahnpostwagen – das TWM zeigt in der Ausstellung ein Modell aus dem Jahr 1900 – war ein rollendes Postamt, wo während der Fahrt sortiert werden konnte. Mit einem „Bierwagen mit Eiskühlung“, ebenfalls 1900, wird dagegen die Geschichte der Haltbarmachung angerissen: Bis zur Erfindung von künstlichem Eis 1873 war man für die Kühlung auf gefrorene Gewässer angewiesen. Das Eis wurde in einen Behälter unterhalb des Dachs gefüllt.
Mit dem Aufkommen des internationalen Güterverkehrs gewann schließlich die Logistik, aber auch die Normierung mehr und mehr an Bedeutung: Ein großer roter Bogen, das „Lichtraumprofil“, macht in der Ausstellung anschaulich, welche Maße heute ein Zug haben darf, um europaweit Tunnel passieren zu können.
Ab den 1960er Jahren wurden Container in Normgrößen geschaffen, um leichter zwischen Schiff, Schiene und Straße wechseln zu können. Auf dem Zentralverschiebebahnhof in Kledering liegen heute ganze 48 Gleisspuren nebeneinander, auf denen via Computersteuerung Züge für unterschiedliche Destinationen zusammengestellt werden.
Quelle: OEVZ




