Hannover Messe: Industrie 4.0 Barometer zeigt Lagebericht zum Digitalisierungsgrad
DACH-Region steckt im KI-Hype-Gap fest
Im Vorfeld der Hannover Messe zeigt eine aktuelle Studie der Management- und IT-Beratung MHP in Kooperation mit Prof. Dr. Johann Kranz von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) deutliche Unterschiede beim Stand der industriellen Digitalisierung und beim Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) im Produktionsumfeld.
Demnach steigt der globale Digitalisierungsgrad weiter an (68 %), bleibt jedoch regional ungleich verteilt: Während China (72 %) und die USA (69 %) ihre industrielle Transformation konsequent vorantreiben, konzentriert sich die DACH-Region (57 %) stärker auf Effizienz- und Kostenziele und verliert dadurch an Dynamik.
Besonders deutlich wird der Rückstand beim Einsatz von KI in der Produktion. China liegt hier mit 71 Prozent der befragten 1.200 Personen aus Industrieunternehmen mit partiellem oder vollständigem KI-Einsatz an der Spitze, gefolgt von Indien (61 %) und den USA (57 %). Mexiko (51 %) und das Vereinigte Königreich (48 %) bilden das Mittelfeld. Die DACH-Region liegt mit 37 Prozent deutlich zurück.
Viele europäische Unternehmen agieren laut Studie vorsichtig und setzen KI bislang vor allem in Pilotprojekten ein. Die tiefgreifende Integration in Produktionsprozesse fehlt häufig. Gleichzeitig wird das Potenzial hoch eingeschätzt: 51 Prozent der befragten Personen in der DACH-Region erwarten in den kommenden fünf Jahren erhebliche oder sogar bahnbrechende Auswirkungen durch KI.

Die Ergebnisse der weltweit einzigen empirischen Vergleichsstudie zum Digitalisierungsstand der Industrie verdeutlichen damit eine wachsende Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung. Ohne leistungsfähige Dateninfrastrukturen, Sensorik und digitale Zwillinge könne KI ihr Potenzial in der industriellen Praxis nicht entfalten.
Vor dem Hintergrund der Hannover Messe, auf der KI-Anwendungen in der Industrie eine zentrale Rolle spielen, unterstreichen die Studienergebnisse den Handlungsdruck für europäische Unternehmen, ihre digitale Transformation zu beschleunigen. Dabei liegt der zentrale Hebel für internationale Wettbewerbsfähigkeit im Abbau technischer Schulden (heterogene Altsysteme und fragmentierte Datenlandschaften), in der Vereinheitlichung von IT-/OT-Strukturen und in der konsequenten Ausrichtung der Produktion auf softwarebasierte, skalierbare Architekturen (Software-Defined Manufacturing).
Über das Industrie 4.0 Barometer 2026
Das Industrie 4.0 Barometer wird seit 2018 von der Management- und IT-Beratung MHP in Kooperation mit Prof. Dr. Johann Kranz von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) herausgegeben. Die Ausgabe 2026 analysiert die Aussagen von 1.206 Personen aus Industrieunternehmen in der DACH-Region (200), im Vereinigten Königreich (202), in den USA (200), in China (200) sowie erstmals in Indien (200) und Mexiko (204).



