Hormus-Blockade setzt den Welthandel unter Druck
Die Blockade der Straße von Hormus zählt zu den gravierendsten Risiken für die globale Wirtschaft. Wie aus einer neuen Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII), des Complexity Science Hub (CSH) und der TU Delft hervorgeht, könnten Exporte im Wert von bis zu 1,2 Billionen USD jährlich betroffen sein.
Die betroffenen Handelsströme umfassen insbesondere Energieprodukte. Rund 800 Mrd. USD entfallen auf Rohöl, Flüssiggas und raffinierte Erdölderivate. Damit steht ein zentraler Bestandteil der globalen Energieversorgung unter Druck.
„Die Straße von Hormus ist einer der kritischsten Engpässe der Weltwirtschaft. Eine längere Blockade würde nicht nur Energiemärkte treffen, sondern auch zahlreiche globale Lieferketten unter Druck setzen“, stellt Studienautor und ASCII-Direktor Peter Klimek fest.
Die Analyse basiert auf dem Schifffahrtsmodell TIDES, das mit 10.000 simulierten Tankern und 1.315 Häfen arbeitet. Die Ergebnisse zeigen eine klare Abhängigkeit der wirtschaftlichen Folgen von der Dauer der Blockade.
Kurzfristige Unterbrechungen von bis zu zwei Wochen bleiben weitgehend beherrschbar. Kritisch wird die Lage jedoch ab einer Dauer von mehr als vier Wochen. Dann verstärken sich Verzögerungen entlang der Lieferketten durch verpasste Hafenfenster, Staus und verschobene Fahrpläne.
„Je länger eine Störung dauert, desto stärker wirken sich Kettenreaktionen in globalen Lieferketten aus. Die wirtschaftlichen Folgen steigen dann überproportional an“, erklärt Stefan Thurner, Studienautor und Präsident des Complexity Science Hub (CSH).
Kurzfristig dominieren Preissteigerungen und Marktvolatilität. Erst bei längeren Störungen drohen strukturelle Effekte wie steigende Produktionskosten und sinkende Wettbewerbsfähigkeit.
Die Studie zeigt eine starke Abhängigkeit asiatischer Volkswirtschaften von Energieimporten aus der Golfregion. China, Indien und Japan zählen zu den größten Importeuren.
Neben Energie spielen auch weitere Rohstoffe eine Rolle. So stammen rund 31 Prozent der globalen Harnstoffexporte aus der Region. Auch Spezialgase für die Halbleiterproduktion wie Neon, Helium und Argon sind relevant. Diese breite Rohstoffbasis verstärkt die systemische Bedeutung der Region für industrielle Wertschöpfungsketten weltweit.
Innerhalb Europas zeigt sich ein differenziertes Bild. Die EU importiert jährlich rund 47 Mrd. USD aus den betroffenen Golfstaaten, wobei sich die Abhängigkeit auf einzelne Länder konzentriert.
Italien und Belgien weisen eine besonders hohe Exponierung auf, vor allem durch Flüssiggasimporte aus Katar. Das Vereinigte Königreich liegt mit 12,9 Mrd. USD sogar an der Spitze in Europa. Hingegen sind Deutschland und Frankreich breiter diversifiziert und damit weniger direkt abhängig.
Auch für Österreich zeigt die Analyse eine vergleichsweise geringe direkte Abhängigkeit. Die jährlichen Importe aus den fünf untersuchten Golfstaaten liegen bei rund 300 Mio. USD.
Der größte Anteil entfällt auf die Vereinigten Arabischen Emirate mit rund 200 Mio. USD, vor allem bei Industrieausrüstung und Maschinen. Hinzu kommen Aluminiumprodukte aus Bahrain (50 Mio. USD) sowie kleinere Importvolumen aus Iran, Katar und Kuwait.
Strategische Abhängigkeiten bestehen dabei nicht. Mögliche Auswirkungen einer längeren Blockade würden Österreich vor allem indirekt über steigende Energiepreise in Europa treffen.
„Sollten LNG-Lieferungen nach Ländern wie Italien, Belgien oder Großbritannien ausfallen und die europäischen Gaspreise steigen, könnten sich diese Effekte über die integrierten Energiemärkte auch in Österreich bemerkbar machen“, sagt Peter Klimek. Umso wichtiger seien schnelle politische Lösungen, Vorbereitung auf längere Krisenszenarien und eine transparente Kommunikation. Damit würden Märkte nicht durch Panikreaktionen und Hamsterkäufe zusätzlich destabilisiert.
Quelle: OEVZ




