Industriebetriebe brauchen Planungssicherheit

Die Auftragsbücher füllen sich wieder – wenn auch nur langsam. Knapp jedes zweite befragte Unternehmen rechnet in den nächsten sechs Monaten mit einer Produktionsauslastung von 75 bis 90 Prozent im Vergleich zum Normalbetrieb. 27 Prozent gehen sogar von einer Vollauslastung aus. Als größte Herausforderungen bezeichnen die Unternehmen den Nachfrageeinbruch (77%), aber auch Behördenverfahren (23%), Liquiditätsengpässe (17%), den Bereich Logistik/Transport (15%) und den Fachkräftemangel (12%).

Konjunkturpaket wichtig für Weg aus der Krise.
Laut der Umfrage planen 81 Prozent der befragten Unternehmen, die kürzlich angelaufene Investitionsprämie zu nutzen. „Wichtig ist, dass diese Gelder auch rasch und unbürokratisch bei den Unternehmen ankommen“, erklärt Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung NÖ (IV-NÖ). Das jüngst vorgestellte Konjunkturpaket des Landes Niederösterreich sei ebenfalls eine wichtige Unterstützung beim Weg aus der Krise. Das insgesamt 229 Millionen Euro schwere Konjunkturpaket umfasse auch mehrere von der Industrie geforderte Maßnahmen – etwa die Forcierung des Breitbandausbaus, den Ausbau des öffentlichen Verkehrs oder eine zusätzliche finanzielle Unterstützung für betriebliche Forschung und Entwicklung. „Auch die neuen Finanzierungshilfen können wichtige Hilfen für den Weg aus der Krise sein“, so Salzer.

Niederösterreichs Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger dankt den Betrieben für ihren Einsatz und unterstreicht die Bedeutung des NÖ Konjunkturprogramms: „Niederösterreichs Industriebetriebe legen -allen Covid19-bedingten Herausforderungen zum Trotz – einen beeindruckenden Unternehmergeist an den Tag. Mit unserem Konjunkturprogramm wollen wir den heimischen Betrieben ein verlässlicher Partner bei der Krisenbewältigung sein. Sowohl die Maßnahmen, die Größenordnung als auch Stoßrichtungen dieses Programms sind in der jüngeren Geschichte unseres Bundeslandes beispiellos. In Summe umfasst unser Programm 21 zielgerichtete Einzelmaßnahmen. Mit diesen Maßnahmen werden wir einen entscheidenden Beitrag leisten, damit unsere Wirtschaft stärker, digitaler und innovativer aus dieser Krise heraus-kommen wird.“

Unternehmen brauchen Vertrauen in den Standort.
Große Verunsicherung gibt es unter den befragten Industriebetrieben wegen der sich laufend ändernden Auflagen und Gesetze. „Die Coronakrise hat uns alle kalt erwischt. Dass seitens der Politik auch Fehler passiert sind, liegt daher in der Natur der Sache. Auf Dauer wird es aber nicht möglich sein, alles ständig neu zu regeln und die Bürokratie frei wirken zulassen. Gerade in unsicheren Zeiten brauchen die Unternehmen Planbarkeit“, so Salzer. Manche Zurufe aus der Politik gehen zudem genau in die falsche Richtung. „Allein schon die Diskussion über neue Steuern schwächt die wieder aufkeimende Konjunktur. Und die Forderung nach einer Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich ist völlig abstrus. Die Unternehmen brauchen Planungssicherheit und Vertrauen in den Standort“, so Salzer.

Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger pflichtet IV-NÖ-Präsident Salzer bei: „Unsere Wirtschaft braucht jetzt Maßnahmen, die die Investitionsbereitschaft der Betriebe weiter anfachen, wie die Investitionsprämie des Bundes oder das Konjunkturprogramm des Landes. Mit Forderungen nach neuen Steuern und einer Vier-Tage-Woche er-reicht man genau das Gegenteil, damit werden Investoren verschreckt und die Situation am Arbeitsmarkt verschärft.“

Darüber hinaus dürfe auch nicht auf die Bereiche vergessen werden, wo es schon seit langem Verbesserungspotenzial gebe. „Dringenden Handlungsbedarf gibt es beim Fachkräftemangel. Die Unternehmen suchen auch jetzt Lehrlinge und Fachkräfte für den MINT-Bereich, also für den Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Alle Stellen, die in der Krise unbesetzt bleiben, werden den Fachkräftemangel in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen“, so Salzer.

Betriebliche Sicherheitsvorkehrungen und Eigenverantwortung.
Aktuell setzen 56 Prozent der Betriebe auf Kurzarbeit, um die Nachfrageeinbrüche kompensieren zu können. Knapp ein Drittel (29%) rechnet damit, im Zeitraum von Oktober 2020 bis März 2021 Kurzarbeitsbeihilfen beantragen zu müssen. „Die Verlängerung der Kurzarbeit war eine wichtige Maßnahme, die auch auf den Forderungen der Industriellenvereinigung fußt und direkt den Beschäftigten zugutekommt“, so Salzer. Der Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Betrieben habe stets oberste Priorität, wie Salzer erklärt. „Wir müssen unseren Industriestandort weiter am Laufen halten, um die Arbeitsplätze abzusichern. Das erfordert strenge Sicherheitsvorkehrungen, aber auch ein gewisses Maß an Eigenverantwortung“.

Befragungsmethode:
An der Befragung haben 52 Mitgliedsunternehmen der IV-NÖ im Zeitraum von 7. bis 10. September teilgenommen. Das Sample setzt sich aus Unternehmen unterschiedlicher Größe zusammen: 27 % < 100 Mitarbeiter, 15 % mit 100-250 MA, 21 % 250-500 MA, 21 % 500-1.000 MA, 16 % > 1.000 MA. Ein knappes Drittel (29%) aller befragten Unternehmen stammt aus der Metalltechnischen In-dustrie, die auch die größte Branche innerhalb der NÖ Industrie ausmacht.

Quelle: APA/OTS Wirtschaft

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