KI könnte Österreichs Logistik revolutionieren – doch KMU brauchen dringend Unterstützung
Künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend zum entscheidenden Treiber für Logistik und Supply Chains. Doch das Potenzial bleibt vielerorts noch ungenutzt: Fehlende Ressourcen, begrenztes Know-How und Unsicherheiten bei konkreten Einsatzmöglichkeiten bremsen den Einsatz von KI-Systemen.
Genau hier setzte das Projekt „Möglichkeiten von KI in der Logistik“ im Auftrag des BMIMI an: Mit dem Studienbericht „Möglichkeiten von KI in der Logistik – Chancen und Risiken in der Umsetzung in Österreich“ und einem begleitenden praxisorientierten Leitfaden für Klein- und Mittelunternehmen (KMU) liegt nun eine fundierte Wissensbasis und konkrete Umsetzungshilfe für Unternehmen vor.
Projektauftraggeber Franz Schwammenhöfer, Leiter der Abteilung für Logistikkoordination im Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) hebt hierzu hervor: „Logistik ist das Rückgrat einer wettbewerbsfähigen und resilienten Wirtschaft und Künstliche Intelligenz wird in den kommenden Jahren maßgeblich dazu beitragen, Prozesse effizienter, ressourcenschonender und krisenfester zu gestalten.“
Praxisleitfaden: Leitfragen statt Patentrezepte aufgeteilt auf drei Phasen
Der begleitende Leitfaden übersetzt die Studienergebnisse in eine niedrigschwellige Orientierungshilfe und ist bewusst kein starres „Schritt-für-Schritt“-Rezept, sondern bietet Leitfragen für die eigene Standortbestimmung und die Planung nächster Schritte. Er ist in drei Phasen gegliedert:
- Was sollte vor dem KI-Einsatz beachtet werden?
- Wie sollte beim ersten KI-Projekt vorgegangen werden?
- Was kann getan werden, um die KI-Nutzung zu skalieren?
Zentrale Ergebnisse der Studie
- KI breit im Einsatz: Über 90 % der Unternehmen nutzen KI, v. a. für Sprachverarbeitung und Generative KI
- Großes Potenzial: Fokus auf Effizienz, Kostenreduktion und Produktivitätssteigerung
- Hürden bremsen Umsetzung: Ressourcenmangel, fehlende Daten und Know-how als zentrale Barrieren
- Recht gewinnt an Bedeutung: EU AI Act, Datenschutz und Haftung als zentrale Themen
- Orientierung für KMU: Leitfaden unterstützt beim Einstieg, ersten Projekten und Skalierung
- Governance entscheidend: Integration in bestehende Strukturen als Schlüssel für nachhaltigen KI-Einsatz
Sämtliche Ergebnisse der Studie können kostenfrei auf der Website des Bundesministeriums abgerufen werden.
Das Projekt wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) von einem Projektkonsortium bestehend aus Mitarbeiter:innen des Logistikums der FH Oberösterreich, der BearingPoint GmbH und des VNL (Verein Netzwerk Logistik) durchgeführt.
Fundierte Datengrundlage: Literatur, Befragung, Interviews
Die Ergebnisse stützen sich auf drei Säulen: eine systematische Literaturauswertung, eine österreichweite Unternehmensbefragung mit 80 Unternehmensvertreter:innen sowie vertiefende Interviews. Dadurch entsteht ein realistisches Bild davon, welche KI-Anwendungen bereits eingesetzt werden, welche Potenziale Unternehmen priorisieren und welche Hürden in der Umsetzung tatsächlich zählen.

(c) FH Steyr
KI ist angekommen, aber oft noch nicht in den Kernprozessen verankert
Die Befragung zeigt: KI ist in vielen Betrieben bereits präsent. Über 90 % der Befragten geben an, mindestens einen KI-Anwendungstyp zu nutzen. Besonders häufig sind Natural Language Processing (63 %) sowie Generative KI (58 %) im Einsatz; auch Chatbots/virtuelle Assistenten (55 %) und Automatisierung (53 %) werden häufig genannt. Gleichzeitig bleibt der produktive Einsatz in logistischen Kernprozessen oft punktuell und ist vielerorts noch experimentell bzw. nicht systematisch skaliert.
Studienleiter FH-Prof. Patrick Brandtner, Professor für Data Driven Management am Logistikum der FH Oberösterreich, erläutert: „KI ist in der Praxis angekommen, besonders in Sprachverarbeitung und generativer KI. In der Logistik wird daraus aber erst dann echter Nutzen, wenn man KI sauber in Kernprozesse wie Planung, Bestandsmanagement oder Transport einbettet. Für die Öffentlichkeit klingt Logistik oft abstrakt. Man spürt sie aber sofort, wenn Pakete zu spät kommen oder Regale leer bleiben. Genau hier kann KI helfen, Engpässe früher zu erkennen und Abläufe stabiler und effizienter zu machen. Gleichzeitig zeigen unsere Interviews: Unternehmen wünschen sich Orientierung, weil Datenqualität, klare Verantwortlichkeiten und rechtliche Einordnung genauso entscheidend sind wie die Technik, und weil fehlerhafte oder schlecht eingebettete Systeme den laufenden Betrieb stören können. Der Praxisleitfaden liefert dafür einen pragmatischen roten Faden in drei Phasen: vom Vorbereiten über das erste Projekt bis zur Skalierung und Governance.“
Franz Staberhofer, Obmann des VNL, ergänzt: „Wir sehen aktuell eine deutliche Lücke zwischen dem, was KI in der Logistik leisten könnte, und dem, was tatsächlich umgesetzt wird – vor allem bei KMU. Vielen fehlt es nicht am Interesse, sondern an Ressourcen, Klarheit und verlässlicher Orientierung. Wenn wir hier nicht gezielt gegensteuern, droht ein Wettbewerbsnachteil für den Standort. Genau deshalb braucht es praxisnahe Unterstützung statt abstrakter Diskussionen – und genau hier setzen Studie und Leitfaden an.“
Was Unternehmen von KI erwarten und was sie dafür brauchen
Bei den erwarteten Nutzenwirkungen liegen Prozessverbesserungen und Effizienzsteigerung an der Spitze, gefolgt von Kostenreduktion und Produktivitätssteigerung. Den Chancen stehen jedoch Herausforderungen gegenüber, die nicht nur technologisch sind: Neben IT-Infrastruktur und Datenverfügbarkeit spielen u. a. fehlende Ressourcen, Kompetenzaufbau, unklare Verantwortlichkeiten, Change Management sowie rechtliche Orientierung (z. B. im Kontext EU AI Act und weiterer Vorgaben) eine zentrale Rolle.
Studienbegleiterin Chiara Werner-Tutschku, Managerin für KI Strategie und Transformation bei BearingPoint GmbH, erklärt: „Für KMU in der Logistik kann ein Einstieg in KI dort sinnvoll sein, wo erste Mehrwerte erkennbar werden, Risiken überschaubar bleiben und der Governance‑Aufwand begrenzt ist. In der Praxis können dafür datenanalytische Anwendungsfälle wie die automatisierte Dokumenten‑ und Auftragsverarbeitung, Bedarfsprognosen oder Bestands‑ und Engpass‑Frühwarnungen in Betracht kommen. Entscheidend ist dabei ein pragmatischer Standard: ein KI‑Inventar aufbauen, Use Cases risikobasiert klassifizieren, klare Verantwortlichkeiten festlegen, den Betriebsrat möglichst frühzeitig einbinden, die KI‑Kompetenz der Mitarbeitenden nachweisen und ein laufendes Monitoring etablieren – so kann Trustworthy AI schrittweise entstehen und sich im Alltag als Wettbewerbsvorteil bewähren.“
Logistikum der FH Oberösterreich
Die FH Oberösterreich zählt zu den führenden Fachhochschulen Österreichs und bietet an vier Standorten (Hagenberg, Linz, Steyr, Wels) ein breites Spektrum praxisorientierter Studienangebote in den Bereichen Informatik, Technik, Wirtschaft und Soziales. Mit über 70 Studiengängen und rund 5.500 Studierenden verbindet die FH OÖ akademische Ausbildung mit starker Unternehmens- und Praxisnähe sowie anwendungsorientierter Forschung und Entwicklung. Das Logistikum ist das Logistik-Kompetenzzentrum am FH Oberösterreich und bündelt Studien-, Weiterbildungs- sowie Forschungsaktivitäten rund um Logistik- und Supply Chain Management. In den Kompetenzbereichen Supply Chain Management, Transport- und Logistikmanagement sowie Data Analytics & Foresight werden Grundlagen- und anwendungsorientierte Industrieforschung eng verknüpft, u. a. zur Reduktion von Entscheidungsunsicherheit im SCM durch datengetriebene Methoden.
BearingPoint GmbH
BearingPoint ist eine unabhängige Management- und Technologieberatung mit europäischen Wurzeln und globaler Reichweite, die Unternehmen mithilfe moderner Technologien transformiert. Wir unterstützen Unternehmen bei der Transformation, indem wir fundiertes Branchenwissen mit starken Kompetenzen in Strategie, Geschäftsprozessen, Technologie und KI kombinieren. Unsere Beraterteams arbeiten dabei in unterschiedlichsten Industrien – immer nah am Kunden. Spezialisierte SAP- und Microsoft-Einheiten, ein starker Fokus auf KI sowie ergebnisorientierte Softwarelösungen ermöglichen maßgeschneiderte, innovative Lösungen für die Herausforderungen unserer Kunden. Zu BearingPoints Kunden gehören viele der weltweit führenden Unternehmen und Organisationen. Das globale Netzwerk von BearingPoint mit mehr als 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt Kunden in über 70 Ländern und engagiert sich gemeinsam mit ihnen für einen messbaren und langfristigen Geschäftserfolg. BearingPoint gehört zu den TIME World’s Best Companies und den Forbes World’s Best Employers. Das Unternehmen ist zudem eine zertifizierte B Corporation, die hohe soziale und ökologische Standards erfüllt.
Weitere Informationen:
VNL: Das Wirtschaftsnetzwerk für Logistik
Der VNL (Verein Netzwerk Logistik) ist mit über 6.200 Mitgliedern das größte Wirtschaftsnetzwerk im Bereich Logistik in Österreich. Im Zentrum steht, die aktuellen und zukünftigen Anforderungen an die Logistik mit den korrespondierenden Lösungen aus Forschungs- und Bildungseinrichtungen, Unternehmen, Technologietransferstellen, Technologiezentren und privaten Logistikgesellschaften zusammenzubringen. Diese aktive Vernetzung stärkt die Logistikkompetenz der Unternehmen als auch ihrer Mitarbeiter:innen und trägt wesentlich zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft sowie Versorgungssicherheit bei. Der VNL organisiert jährlich über 60 Logistik-Veranstaltungen und über 50 Seminare, nimmt laufend an nationalen und internationalen Forschungsprojekten teil, tritt regelmäßig beratend im institutionellen Bereich auf und ist Gründungsmitglied des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII). Darüber hinaus unterstützt der VNL als Gründungsmitglied die Dachmarke „AUSTRIAN LOGISTICS“, eine Initiative des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI), welche die exzellenten weltweit erbrachten Leistungen österreichischer Logistik hervorhebt. Der VNL vertritt außerdem die Interessen der heimischen Logistik in der European Logistics Association (ELA).
Rückfragen an:
Ing. Bernd Winter, MSc
Pressesprecher VNL
bernd.winter@vnl.at
www.vnl.at



