Tip: Start typing in the input box for immediate search results.
Warenzustellung: Verlust der Deutungshoheit Europas
Verglichen mit China, lebt Europa im post-analogen Einzelhandelszeitalter. Während Europa Daten ex- post erhebt – im Nachhinein – verfügen die chinesischen Aufsichtsbehörden über Echtdaten, die zudem von hoch intelligenten Datensystemen (künstliche Intelligenz lässt grüßen) aufbereitet und laufend analysiert werden.
Die statischen Daten sprechen eine klare Sprache: 2024 wurden in China pro Kopf 125 Warensendungen zugestellt, somit insgesamt 175 Mrd. Warensendungen in einem Jahr. Für 2025 werden es nach den letzten Daten wohl 200 Mrd. werden.
Wovon unsere Finanzbehörden nur träumen, ist im Reich der Mitte umgesetzt:
- alle Waren die über elektronische Schnittstellen verkauft werden, müssen vor einer Präsentation über digitale Medien, einer genauen, für alle einheitlichen, auf intelligente Datensysteme gestützten Prüfung unterworfen werden (s.g. „Platform Governance“);
- jede Warensendung, die im In- oder auch Ausland von KEP-Diensten zur Zustellung an den Endkonsumenten angenommen wird (s.g. „first logistic operator“) muss über Vorabdaten zu Versender, Empfänger, Gewicht, Inhalt, eindeutiger Transportkennung; bei Nahrungsmitteln und bestimmten Produktkategorien auch über Konformitätserklärungen, etc. verfügen;
- bei der Übergabe der Waren an KEP-Dienste, werden 100% (!) der Warensendungen durchleuchtet, und mit den verpflichtend vorliegenden Vorabdaten zu Sendungen verglichen (stimmen diese Daten nicht zu 100% überein, werden die Sendungen auf Kosten des identifizierten Versenders von der Zustellung ausgeschlossen);
- die Aufsichtsbehörde (zentralisiert das „State Post Bureau“) hat Echtzeitzugriff auf alle KEP- Daten, daher ist auch bekannt WER, WAS, WOHIN an WEN sendet und was der Inhalt in den Sendungen ist;
- die Regierung des V. R. China hat auf dem letzten Volkskongress ein deutliches Wachstum des grenzüberschreitenden digitalen Handels für die kommenden 5 Jahre beschlossen, diese Vorgaben sind für alle Wirtschaftsbeteiligten bindend.
Die Europäischen Warenzustellsysteme stellen auf analoge Prozesse ab. Die notwendige Digitalisierung hat bis heute nicht die Voraussetzung geschaffen hoch intelligente, auch selbstlernende Datensysteme zur Prozessoptimierung (Effektivität) oder zur Reduktion der Kosten (Effizienz) einzusetzen. Gerät Europa rasch, deutlich in Rückstand, und verliert zunehmend an Konkurrenzfähigkeit.
Die V. R. China sieht ihr Wachstum im internationalen Handel, der digitale Einzelhandel nimmt darin eine führende Rolle ein. Dabei geht es der V. R. nicht darum andere Länder zu okkupieren oder deren Wirtschaft zu kolonialisieren, es sollen mehr Waren, besser an die Bedürfnisse der Konsumenten auf allen Kontinenten und Staaten, in der V. R. produziert und weltweit zugestellt werden. Das die V. R. deutliche effizienter und effektiver Waren produziert ist u.a. das Resultat der langfristigen Technologisierungs- und Digitalisierungspolitik der V. R. des letzten Jahrzehnts. Zudem herrscht in China selbst harte Konkurrenz zwischen den Unternehmen, die zu weiteren Effizienzsteigerungen führt.
China hat weltweite Zustellstrukturen geschaffen, die eine zeitnahe Zustellung an Endkonsumenten, insbesondere in N-Amerika und Europa unterstützen. Die größten innerchinesischen Zustelldienste sind auch führend in der weltweiten Expansion der intelligent gestützten Zustellung von Handelswaren.
Da alle anderen Handelspartner der V. R. (die USA und insb. Europa eingeschlossen) den Wechsel von analoger zu digitaler, und dann intelligent datengestützter Wirtschaft (künstlicher Intelligenz und Automatisierung der Produktionsprozesse) nur zu einem geringen Teil, oder nicht mitvollzogen haben, kommt es zunehmend dazu, dass die hocheffizienten (kostoptimierten) und hocheffektiven (prozessoptimierten) Lösungen auf eine „nichtkompatible“ (weil, verglichen mit der V. R. deutlich rückständige) Infrastruktur treffen. Es fehlt zunehmend außerhalb der V. R. die notwendige Infrastruktur um die Nachfrage, aber auch langfristig gesetzten Wachstumsvorgen zu erfüllen.
Die führende Rolle Chinas trifft auf rückständige Infrastruktur, die Chinas Wachstum bremst
Nachfrage nach Waren der V. R., aber auch deren Vertrieb an Endkonsumenten besteht weltweit. Effizienz und Effektivität führt zu konkurrenzlosen Preisen und Lieferzeiten. Um die Nachfrage zu bedienen, hat die V. R. die Wahl:
- entweder selbst die notwendigen Strukturen zu schaffen -> was in etwa 200 Staaten weltweit nicht, oder nur zu enormen Kosten möglich sein wird, oder
- den Handelspartnern weltweit, sowohl die notwendigen technischen- und Datengrundlagen zugänglich zu machen -> was zu den Mechanismen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit über mittelfristige Lösungen in der Normung führt.
Um den Einzelstaaten die notwendige Vorgabenhoheit zu gewährleisten, wird zudem auch das Model der EU zur Schaffung eines gemeinsamen Marktes in der Union unterstützt, dass eine langfristige legistische und regulatorischen Vorgabenhoheit an die marktgestaltenden Experten in der Normung vorsieht.
Freilich, die oben beschriebenen Errungenschaften waren auf Grund der ordnungspolitischen Rahmenbedingungen in der V. R. möglich. Der Wechsel von einer analogen, zu eine datengetrieben und nun zu einer digital intelligenten Wirtschaft, führt auch zu einer in Echtzeit gespiegelten Realität, die es erlaubt, zunehmend auch ex-ante Steuerungsentscheidungen zu treffen.
Food Zustellung lässt sich besser vorhersagen als non-food
Das zeigt sich auch zunehmend in der Zustellung von verpackten und semi-haltbaren Nahrungsmitteln, die zwischenzeitlich etwa 50% der Warensendungen ausmachen und zum KEP-Markt zählen. Die digital intelligent gestützten Einzelhandelswarensysteme ermöglichen eine +/- 5% genaue Vorhersage der Konsumentenverhaltens und damit eine enorme Kostenoptierung in der Produktion, der automatisierten Vereinzelung an Endkonsumenten und in der Zustellung. Bei der Disposition von non-food Handelswaren ist die auf intelligente Daten gestützte Vorhersage schwieriger und lässt sich nach Angaben der Datenanalysten nur +/- 10 -13% vorhersagen.
Jene die in diesem Wirtschaftsumfeld agieren wissen, dass die notwendige digital intelligente Vernetzung aller Systeme, Fehler frühzeitig erkennt, oder auch zunehmend im Voraus erkennen lässt. Die flächendeckende Verbreitung von „Personal Digital Devices“, wie Mobiltelefonen ermöglicht eine digital intelligente Nutzung von Daten der etwa 1 Mrd. Nutzer, die zur Verbesserung der Datenanalyse und Verbesserung intelligenter Datensysteme verwendet wird.
Intelligente Datensysteme erkennen kreativ gestaltbare Marktbedingungen
Wenn Räume entstehen, die einer intelligenten datengestützten Aufsicht nicht unterstellt sind, entstehen „Freiräume“, die von allen erkannt werden und auch entsprechend genützt werden. Wenn nun diese gelernte Sicht auf Handelsinfrastrukturen außerhalb der V. R. treffen, die über die oben genannten Steuerungsmechanismen nicht verfügen, werden diese Bereiche von den handelnden Systemen (zunehmend digital intelligente Systeme) als „kreativ gestaltbare Marktbedingungen“ wahrgenommen. Konsequenz ist: Dort wo keine Kontrolle erkennbar vorhanden ist, wird „kreativ optimiert“, was sowohl die Daten an sich als auch die Waren selbst (die, weil nicht [oder nicht ausreichen, weil < 100% Kontrolle] überwacht sind) betrifft.
Internationale Normung wird genutzt, um internationalen Systemharmonisierung zu betreiben
Die V. R. hat ein Interesse seine globalen Partner auf einen vergleichbaren technischen- und datengrundlagen basierten Stand zu bringen. Im Technischen Komitee der Internationalen Standardisierungsorganisation (ISO) zu innovativen Logistiklösungen lässt sich das gut darstellen. Während die westlichen Expressdienste, etwa DHL, FedEx oder auch UPS, proprietäre Systeme betreiben, die auf hohe Wechselkosten setzen, um Kunden an sich zu binden, sind die technisch weiterentwickelten chinesischen Kurierzustelldienste an einer möglichst hohen Standardisierung der Systeme interessiert, um weltweite Infrastrukturen möglichst effizient nutzen zu können.
Wiederum zeigt sich, dass vergleichbare Systeme dazu in China selbst entstanden sind, wobei alle Zustelldienste in der Zustellung innerhalb Chinas reibungslos zusammenarbeiten, um die enormen Zustellmengen zum Nutzen der Konsumenten zustellen zu können. DHL, FedEx und UPS schwenken allerdings bereits auf eine international gestützte Harmonisierung der Zustellnormen ein. Die bereits jetzt absehbare höhere Effizienz der technisch führenden asiatischen Kurierdienste lässt sich auch von den deutschen und amerikanischen Expressdiensten nur schwer aufholen, geschweige dann übertreffen.
Wer sich wissentlich betrügen lässt, ist selbst schuld
2024 wurden mehr als 4 ½ Mrd. Warensendungen in die EU aus China importiert. Heute wissen wir, dass alle diese Warensendungen bei deren Annahme bereits einer 100% Prüfung unterzogen worden sind. Diese Sendungen wurden durchleuchtet. Das Röntgenbild des Inhalts wurde mit den verpflichtenden Vorabdaten durch. intelligente Datensysteme abgeglichen, es wurde überprüft ob diese Waren den Produktschriften entsprochen haben.
Was nicht passiert ist: Diese Daten wurden nicht an die europäischen Behörden weitergeleitet. Denn solche Systeme gibt es nicht.
Das wundert, denn die weltweit fortschrittlichste Importgesetzgebung, das EU MwSt. Ecommerce Paket, hatte dazu bereits 2021 die notwendigen Grundlagen geschaffen. Die Mitgliedsstaaten der EU haben allerdings verabsäumt die technischen Systeme zu schaffen.
Es stimmt schon, den Daten Dritter, oder auch deren Datenführenden Systeme zu trauen, ist eine Herausforderung. Es bestehen allerdings vermittelnde Datenführende Strukturen, die alle Staaten weltweit aufgebaut haben, um genau solche Herausforderungen zu lösen.
Mit Erarbeitung des EU Zolldatensystems, und den kommenden Entscheidungen hochintelligente Datensysteme für das notwendige Risikomanagement im grenzüberschreitenden Einzelhandel in der gesamten EU aufzubauen, werden sicherlich Mittel und Wege gefunden, auf die bestehenden Echtzeitdaten im Ausland zuzugreifen.
Für Hintergründe und für Detailinformationen zu diesem Themenkomplex oder bei allgemeinem Interesse an einer Zusammenarbeit im Kreis des internationalen Netzwerkes des logistic-natives e.V. melden Sie sich gerne direkt bei Florian Seikel (florian.seikel@logistic-natives.com).



