Koralmbahn: Platz für Cargo könnte knapp werden
Unter dem Titel „Powerday Koralmbahn 2025 – Motor oder Mythos?“ stand ein vom Verein Netzwerk Logistik (VNL) an der Fachhochschule Joanneum in Graz organisiertes Branchentreffen mit Vorträgen und Diskussionen. Veranstaltet wurde die Expertenrunde aus Anlass der bevorstehenden offiziellen Eröffnung der Koralmbahn mit der Premierenfahrt am 12. Dezember.
Johann Pluy, bei der ÖBB Infrastruktur AG zuständiger Vorstand für Betrieb, Markt und Digitalisierung, nahm in seinem Statement zur Bedeutung des Infrastrukturprojektes für den Schienengüterverkehr Stellung. Zwar werde die Koralmbahn bestimmt ein „Gamechanger“ werden. Aber: „Zu sagen, jetzt ist die Strecke ausgebaut, damit fließt der Verkehr von selbst und das Geschäft läuft – so funktioniert das ja nicht. Die Strecke macht ein Geschäft möglich, ja, aber passiert ist damit noch gar nichts.“
Zudem müsse man damit rechnen, dass die nun größere Kapazität auf der Südbahn auch andere Interessenten anzieht. „Das schauen sich nicht nur Logistiker an, sondern auch die Fernverkehrsanbieter im Personenverkehr. Die werden an der Kapazität knabbern. Cargo-Firmen müssen sich fragen, wie sie ihre Transporte absichern können. Denn der Platz wird knapp.“
Über den Anlassfall Koralmbahn und – tunnel hinaus sei das Thema freie Kapazitäten auf den heimischen Schienen überhaupt ein zentrales. „In Österreich haben wir das am dichtesten befahrene Mischnetz – Personen- und Güterverkehr – Europas. Bei uns tummeln sich Fernzüge, Nahverkehr, Transit, Quell-Ziel-Verkehr, Einzelwagen und Terminals auf denselben Gleisen.“
Das gelte es zu optimieren. „Wir füllen das System Bahn immer stärker an. Wichtige Fragen dabei sind: Womit will man es anfüllen? Wieviel Nah-, Fern- und Güterverkehr lasse ich zu? Das muss man entscheiden, möglichst zeitnah“, machte Johann Pluy aufmerksam.
Dringenden Handlungsbedarf gebe es auch auf internationaler Ebene. „Der Schienengüterverkehr ist eigentlich ein europäisches Thema. Die Durchschnittsgeschwindigkeit eines Güterzugs liegt zwischen 30 und 40 km/h. Da hast du als Unternehmen eine Kapitalbindung ohne Ende. Das ist unzumutbar!“ Die Hürden seien Wartezeiten an den Staatsgrenzen, mangelnde Interoperabilität wegen nationaler Vorschriften, Sprachenwirrwarr und militärische Erfordernisse.
Aus Sicht des Schienengüterverkehrs sehe Europa in zehn Jahren garantiert ganz anders aus als heute, meinte der ÖBB-Vorstand: „Mit den Szenarien muss man sich jetzt beschäftigen, weil es sonst zu spät ist.“ Zumindest auf den stark befahrenen Strecken brauche es eine Idee, wie der Modal Split aussehen könnte. „Es nützt aber nichts, das nur irgendwohin zu schreiben. Der passiert ja nicht von selbst.“
www.vnl.at, https://infrastruktur.oebb.at/de
Quelle: OEVZ



