„Logistik ist ein extrem unterschätzter Wirtschaftsfaktor“

Bei einem Roundtable-Event des Zentralverbandes Spedition und Logistik und der Industriellenvereinigung Logistik am 21. März in Wien gaben Experten einen spannenden Einblick in die Zukunft der Logistik. Aktuell liegt die österreichische Logistikbranche im internationalen Vergleich laut Logistics Performance Index (LPI) der Weltbank auf dem 4. Platz.

Aber trotz der erstklassigen geopolitischen Lage und der stark exportorientierter Wirtschaft wird das Logistik-Potenzial für Standort und Beschäftigung nur selten gesehen. Eine riskante Haltung in einer Zeit, in der die weltweite Mobilität und der Güterverkehr einen multiplen Wandel erleben.

Hier einige Kernaussagen von der Veranstaltung:

Alexander Friesz, Präsident Zentralverband Spedition und Logistik: „Österreich liegt in der Mitte Europas. Wir sind gut, haben aber ein Problem: Die Wertschöpfung zieht an uns vorüber. Wir sollten schauen, dass wir diese wieder zu uns bringen.“

Peter Koren, Vize-Generalsekretär der Industriellenvereinigung: „Ist die gesamte Branche wirklich ein bedeutender Wirtschaftsfaktor? Wir sagen ja. Die österreichische Industrie ist sehr exportorientiert. Zwei Drittel der Ware geht in den Export, der EU-Beitritt hat uns eine Verdreifachung der Ausfuhren gebracht und das funktioniert nur mit perfekt organisierten Logistikstrukturen.“

Wolfram Senger-Weiss, CEO der Gebrüder Weiss GmbH zum Fachkräftemangel im Logistiksektor: „Es geht vielen Branchen so – umso mehr arbeiten wir an der Imageverbesserung in der Logistik. Home-delivery und e-commerce hilft uns dabei, weil das Dinge sind, die Menschen gut verstehen. Wir werden uns aber an die neuen Menschen von heute anpassen müssen, die andere work-pleasure-Standards für sich entdecken. Ich denke, dass wir in Österreich durchaus auch Leute dafür finden.“

Andreas Matthä, CEO der ÖBB AG: „Logistik ist ein extrem unterschätzter Faktor für den Wirtschaftsstandort. Wenn man nicht entlang der Warenströme liegt, hat man keinen Wohlstand. Am Ende des Tages ist es eine Frage unserer Wirtschaft. Wir müssen schauen, dass Österreich an die Lieferketten integriert ist und diese nicht links und rechts an uns vorbeigehen.“

Sven Gábor Jánszky, Zukunftsforscher und Chairman bei 2b ahead: „Dass die Logistik eine Boom-Branche ist, kann ich sofort unterschreiben. Wenn das aber so ist, wird es einen Machtkampf geben. Wenn der Händler mit einer intelligenten Software arbeitet, können die Prozesse durch verschiedene Daten verändert werden. Es wird geliefert, bevor die Bestellung da ist. Doch wer bekommt den Auftrag, wenn es keine Bestellung gegeben hat? Und das wird eine Herausforderung.“

www.iv-net.at; www.spediteure-logistik.at

 

Quelle: oevz.com

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