Logistik ist unverzichtbares Rückgrat für den Wirtschaftsstandort
Mobilitätswende, Kapitalkosten und steigende regulatorische Anforderungen stellen die Logistikbranche in Österreich vor große Herausforderungen. Wie Politik, Wirtschaft und Infrastrukturbetreiber diese gemeinsam bewältigen und eine leistungsfähige, nachhaltig resiliente Logistik sichern können, war Thema einer hochrangig besetzten Panel-Diskussion.
Diese wurde unter dem Arbeitstitel „Zukunft Standort = Zukunft Infrastruktur, Logistik & Güterverkehr“ im Haus der Industrie in Wien abgehalten. Die Veranstaltung fand auf Einladung der Industriellenvereinigung und des Zentralverbands Spedition & Logistik statt.
Univ. Prof. Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung, betonte in seinem Eingangsvortrag die große Bedeutung des Logistiksektors für den Wirtschaftsstandort Österreich. Mit 191.000 direkt und 250.000 indirekt Beschäftigten, 7,5 Mrd. EUR Steueraufkommen und 21 Mrd. EUR Wertschöpfung (sechs Prozent des BIP) übertreffe der in der offiziellen Wirtschaftsstatistik nicht eigens ausgewiesene Sektor den Beitrag des Finanzsektors um das 1,5-fache, rechnete Christian Helmenstein vor.
Zugleich würden aber die Anforderungen der Mobilitätswende, massive Kostensteigerungen und der mittelfristig durchschlagende Fachkräftemangel den Logistikstandort und damit die komplex arbeitsteilig organisierte österreichische Wirtschaft in ihrer Entwicklung belasten, merkte der IV-Chefökonom kritisch an.
Welche konkreten Umsetzungen daraus bis wann folgen werden, war demnach zentrales Thema der anschließend von Manuela Raidl moderierten Diskussion mit Bundesminister Peter Hanke, Gebrüder Weiss-Vorsitzendem Wolfram Senger-Weiss, Peter Umundum, Generaldirektor-Stellvertreter der Österreichischen Post, Oliver Wagner, Geschäftsführer Zentralverband Spedition & Logistik, Rail Cargo Group CEO Clemens Först und ASFiNAG Vorstandsdirektor Hartwig Hufnagl.
Dass sich die Regierung in ihrem Programm ausdrücklich zu einem resilienten und wettbewerbsfähigen Logistikstandort bekennt, wurde von den Branchenvertretern mehrfach begrüßt. Es wurde aber auch schnell klar, dass Wirtschaft und Politik umgehend eine konkrete Roadmap zur nachhaltigen Sicherung eines wettbewerbsfähigen Logistikstandorts vereinbaren müssten. Diese müsste klare Lösungswege für unter anderem folgende Themen festlegen:
- Vereinbarung einer integrierten nationalen Strategie zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der Logistikbranche unter Einbeziehung von Stakeholder, wie den Interessenverbänden, den Verkehrsträgern, den Sozialpartnern, aber auch dem Energiesektor.
- Effektive Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs durch die Erleichterung von Investitionen in alternative Antriebe und Errichtung einer tragfähigen Ladeinfrastruktur.
- Verbesserung der Standortqualität durch eine funktionierende nationale und internationale Koordination der Baustellenplanungen, die Schaffung intermodaler Terminals und die verbindliche Sicherung logistisch notwendiger Flächen.
- Gewährleistung effizienter Genehmigungsverfahren und rechtlicher Planungssicherheit.
- Vermeidung der Absiedelung von Logistik-Hubs mit hoher Wertschöpfung in Österreichs Nachbarländer.
Peter Hanke betonte, dass der Wirtschaftsstandort Österreich ohne funktionierenden Logistiksektor ein essenzielles Problem haben würde. Für Anfang 2026 kündigte er deshalb den Start eines gemeinsamen Stakeholder-Prozesses von Wirtschaft und Politik an.
Dieser solle bis Jahresmitte zu einer akkordierten Strategie zur nachhaltigen Sicherung des Logistik-Standorts führen. Der Ausbau der Infrastruktur, ein Fokus auf Innovation, die Förderung von E-Mobilität im industriellen Bereich zählten dabei zu wesentlichen Aspekten, um die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts strukturiert zu fördern.
www.spediteure-logistik.at, www.iv.at
Quelle: OEVZ



