Metalltechnische Industrie: historischer Einbruch durch Covid-19-Pandemie und Wirtschaftskrise

Produktion sinkt 2020 voraussichtlich um ein Fünftel, Erholung wird Jahre brauchen.

  • Produktionswert in den ersten 5 Monaten preisbereinigt um 19,6 % gesunken, Auftragseingänge um 26,5 %.
  • Beschäftigung sank bis Mai bereits um 4,1 %, jedes vierte Unternehmen erwartet in den nächsten Monaten weiteren Rückgang bei Beschäftigten.
  • Obmann Christian Knill: aus wirtschaftlicher Sicht wäre eine Verschiebung der Lohnrunde angebracht.

Der aktuelle Lagebericht für die Metalltechnische Industrie zeichnet ein durch die Covid-19-Pandemie und die folgende Wirtschaftskrise geprägtes Bild: ein historischer Produktionseinbruch wirft die Branche um Jahre zurück. Eine deutliche Erholung ist im Moment nicht in Sicht. Die aktuellen Daten für die ersten fünf Monate des Jahres zeigen einen Rückgang der Produktion um 19,6 %, die Auftragseingänge sanken um 26,5 %, die Exporte um 15,8 % und die Beschäftigung um 4,1 %.

Christian Knill, Obmann des Fachverbands Metalltechnische Industrie: „Wir sahen bereits in den ersten Monaten des Jahres 2020 deutliche Einschläge der Pandemie. Die daraus folgende globale Wirtschaftskrise richtet aber Schäden von historischem Ausmaß an, das zeigen die aktuellen Prognosen für den Herbst und das nächste Jahr.“ Aktuelle Blitzumfragen unter den Betrieben sowie der WIFO-Konjunkturtest für die Branche ergeben trübe Aussichten. Die Produktion fällt laut Blitzumfrage im 3. Quartal um 21%, im 4. Quartal um rund 19 %. Für das gesamte Jahr 2020 rechnen die Unternehmen im Schnitt mit einem Rückgang der Produktionswerte um 19,5 %. Die nun beginnende langsame Erholung lässt die Betriebe für 2021 derzeit im Schnitt ein Wachstum von rund 11 % erwarten, damit wäre aber nur die Hälfte des Einbruchs aufgeholt.

„Die Corona-Krise wirft unsere Branche um mehr als 10 Jahre zurück. Derzeit erwarten wir für 2021 ein Produktionsniveau, das wir im Jahr 2010 hatten. Auch wenn Maßnahmen, wie die Corona-Kurzarbeit, jetzt unmittelbar helfen die Beschäftigung zu halten, so müssen wir für die nächsten Monate und Jahre mit großen Problemen für die Betriebe und in Folge auch für die Arbeitsplätze rechnen“, so Knill.

Derzeit nutzen an die 50 % der Unternehmen die Corona-Kurzarbeit, rund 42.000 Beschäftigte sind davon betroffen. Ab Oktober werden nur mehr rund 25 % der Betriebe die Kurzarbeit in Anspruch nehmen, so die Daten der Blitzumfrage. Und rund 27 % der Unternehmen rechnen mit einem Beschäftigtenabbau in den nächsten drei Monaten.

„Es gibt heuer nichts zu verteilen, nur Sorgen“.
Zu den bevorstehenden Kollektivvertragsverhandlungen meint Knill: „Eines ist klar: es gibt heuer nichts zu verteilen, nur Sorgen. Aus wirtschaftlicher Sicht wäre es am sinnvollsten, die Lohnverhandlungen in das nächste Jahre zu verschieben. Wir sind in einer absoluten Ausnahmesituation und müssen gemeinsam aus dieser Krise finden.“ Weitere Informationen: www.metalltechnischeindustrie.at

Über die Metalltechnische Industrie.
Die Metalltechnische Industrie ist Österreichs stärkste Branche. Über 1.200 Unternehmen aus den Industriezweigen Maschinenbau, Anlagenbau, Stahlbau, Metallwaren und Gießerei bilden das Rückgrat der heimischen Industrie. Die exportorientierte Branche ist mittelständisch strukturiert, besteht zu mehr als 85 % aus Familienbetrieben und ist für ein Viertel aller österreichischen Exporte verantwortlich. Zahlreiche Betriebe sind Weltmarktführer und „Hidden Champions“.

Die Metalltechnische Industrie beschäftigt derzeit rund 134.000 Menschen und sichert damit indirekt an die 250.000 Arbeitsplätze in Österreich. Sie erwirtschaftete 2019 einen Produktionswert von 39,8 Milliarden Euro. Der Fachverband Metalltechnische Industrie, ein Zusammenschluss der ehemaligen Fachverbände Maschinen- und Metallwarenindustrie sowie Gießereiindustrie, zählt zu den größten Wirtschafts- und Arbeitgeberverbänden Österreichs und ist eine eigenständige Organisation im Rahmen der Wirtschaftskammer Österreich.

Rückfragen & Kontakt:
Fachverband Metalltechnische Industrie
Dr. Berndt-Thomas Krafft
Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien
+43 (0)5 90900-3482
office@fmti.at
www.metalltechnischeindustrie.at

Quelle: APA/OTS Wirtschaft

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