Mit besserer Koordination zum Ziel
Die zum Stahl- und Technologiekonzern voestalpine zugehörige LogServ- Gruppe blickt mit ihrer Tochter CargoServ auf 25 Jahre Entwicklung zurück.
Die Geschäftsführer Markus Schinko und Christian Janecek sprechen über ihre Wünsche für die Zukunft, den Vorteil von Beständigkeit sowie die Grenzen künstlicher Intelligenz und den Modal Split.
25 Jahre LogServ & CargoServ und Sie sind von Anfang an dabei. Was würden Sie aus heutiger Sicht anders machen?
Christian Janecek: Ja, natürlich gibt es solche Dinge, die man vielleicht anders machen würde. Im Nachhinein stellt sich manches anders da, als es vorausgesehen wurde. Aber wie heißt es so schön: Spurenlesen ist immer einfach, wenn der Bär direkt vor einem steht. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Risiken für die weltweiten Lieferketten achten wir heute noch viel mehr als früher auf Resilienz. Das heißt, wir verlassen uns bei der Supply Chain nicht nur auf einen Plan A,
sondern haben immer auch einen Plan B. Es hat sich herausgestellt, dass die Logistik viel zu volatil geworden ist, um nur auf ein Pferd zu setzen.

Markus Schinko: Zu den Dingen, die wir von Anfang an richtig gemacht haben, gehört der faire Umgang mit unseren Partnern. Mit Fehlern beschäftigen wir uns nur, um daraus zu lernen. Die Schuldfrage interessiert uns nur am Rande. Stattdessen gehen wir sehr stark auf unsere Partner zu. Ein Beispiel ist die Deutsche Bahn. Gott sei Dank hat man dort erkannt, dass man die Bahn-Infrastruktur in Deutschland sanieren muss. Wir sehen es so, dass wir die damit verbundenen Herausforderungen gemeinsam angehen. Unsere zweite wichtige Botschaft in diesem Zusammenhang ist, dass bei den Infrastruktur-Maßnahmen auch die Industrie mit am Tisch sitzen muss. Das geschieht noch zu wenig.
An welchen strategischen Stellschrauben drehen Sie denn ganz aktuell?
Markus Schinko: Derzeit gibt es diesbezüglich keine großen Kursänderungen. Wir achten jedoch sehr darauf, dass wir unsere Mitarbeitenden fördern und weiterentwickeln. Wir brauchen Mitarbeitende, die gut ausgebildet sind. Ein weiteres Ziel ist, dass wir auch künftig über ausreichende Personal-Ressourcen verfügen. Unser Bedarf reicht von der einfachen Hilfskraft bis hin zum Hochschulabsolventen mit internationaler Erfahrung. Für ein Logistikunternehmen ist die Personalpolitik ein vorrangiges strategisches Thema.
Welche Rolle wird dabei die künstliche Intelligenz spielen? Werden nicht auch bei LogServ viele Jobs durch KI obsolet?
Markus Schinko: Nein. Zunächst einmal setzt künstliche Intelligenz eine menschliche Intelligenz voraus. Das ist ein Grundprinzip. KI kann mir zum Beispiel als nette Übung einen umfangreichen Text zusammenfassen, aber kein wirklich großes Problem lösen. Dazu brauchen wir nach wie vor den Menschen.
Christian Janecek: Für sich betrachtet ist KI keine Lösung. Wenn ich zum Beispiel den Versand von Produkten zu einem Kunden optimieren will, dann ist der erste Schritt eine gründliche Prozess-Analyse. Erst im nächsten Schritt kann ich mir die Frage stellen, inwieweit die Abläufe durch KI schneller und effizienter werden können.
Kunden-Hotlines und andere Bereiche der Kommunikation werden aber schon vielfach durch KI automatisiert. Wäre das kein Ansatz für LogServ und CargoServ?
Markus Schinko: In unserem industriellen Umfeld treiben wir die durchgängige Vernetzung mit allen Partnern und allen Kunden voran. Wenn ich das erreicht habe, muss ich gar nicht mehr so viel kommunizieren, weil sämtliche Daten automatisch übermittelt und abgeglichen werden. Bei Bedarf kann sich der Kunde dann selbst einen Überblick über die laufenden Sendungen verschaffen.
Als die LogServ-Gruppe 2001 gegründet wurde, spielte KI ohnehin noch keine Rolle. Was waren denn vor 25 Jahren die vorrangigen Themen?
Christian Janecek: Die Grundidee unserer Konzernmutter voestalpine mit der LogServ Gruppe war die Bündelung der Logistikaktivitäten mit einem klaren Kostenfokus. Damals wurde Logistik vor allem als Kostenverursacher gesehen. Irgendwann wurde Logistik dann ein Engpass-Faktor mit einem Mangel an Lokführern und Lkw-Fahrern, mit zunehmenden Staus, blockierten Binnenschiffswegen und Kriegsauswirkungen. Dadurch wurde Logistik zu dem, was sie heute ist: Ein echter Erfolgsfaktor, mit dem sich konkurrierende Unternehmen voneinander abheben können.
Markus Schinko: Vor 25 Jahren gab es eine echte Aufbruchstimmung mit der Privatisierung der Bahnen, der Interoperabilität und dem Bilden transeuropäischer Netzwerke. Vor diesem Hintergrund haben wir damals mit CargoServ ein eigenes Eisenbahnverkehrsunternehmen gegründet, das heute sehr erfolgreich ist. 2006 haben wir im Interesse der Resilienz zudem damit begonnen, uns an einem Binnenschifffahrtsunternehmen zu beteiligen. Heute hält LogServ 49 Prozent an der Kühne + Nagel Euroshipping GmbH.
Demzufolge müsste der Modal Split von voestalpine beziehungsweise der LogServ-Gruppe ja mustergültig sein, oder?
Markus Schinko: Wir leisten hier einen großen Beitrag. Während der Anteil der Schiene am gesamten österreichischen Güterverkehr bei 27 bis 28 Prozent liegt, werden in der Steel Division von voestalpine 75 Prozent aller ein- und ausgehenden Transporte per Bahn befördert. Im Inbound liegt dieser Wert sogar im Bereich von 90 Prozent. Das liegt natürlich an der Art der beförderten Güter. Schwere Schüttgüter sind besonders gut für die Bahn geeignet.

Christian Janecek: Wir setzen aber auch im Outbound überdurchschnittlich stark auf die Schiene – das gilt auch im Vergleich mit anderen Stahlproduzenten in Europa. Unser Bahnanteil liegt bei deutlich über 50 Prozent. Das erreichen andere Stahlwerke nicht annähernd.
Logistik Express: Haben Sie bezüglich Modal Split schon das Ende der Fahnenstange erreicht, oder wollen Sie den Bahnanteil noch weiter steigern?
Christian Janecek: Wir möchten den Lkw-Anteil auf keinen Fall steigern, sondern eher senken und dafür zukünftig im Outbound noch mehr ganze Züge einsetzen. Nicht zuletzt wünscht sich auch der Kunde eine möglichst ökologische Belieferung…
Markus Schinko: …wobei unsere Bemühungen um die Reduzierung des Lkw-Anteils auch vom Wetter beeinflusst werden. Die Niedrigwasser-Phasen an der Donau werden immer länger und dramatischer und schränken die Binnenschifftransporte empfindlich ein. Ein rumänisches Schwesterwerk vom Stahlwerk Linz wird zum Beispiel grundsätzlich per Schiff versorgt. Parallel setzen wir jedoch immer auch auf die Bahn, um bei Niedrigwasser schnell reagieren und aufstocken zu können.
Christian Janecek: Binnenschiff und Bahn können sich auch volumenmäßig gut gegenseitig ersetzen. Ein Binnenschiff zwischen Linz und Rumänien ist mit rund 1.500 Tonnen beladen. Diese Menge können wir auch mit einem einzigen Zug befördern. Alternativ bräuchte man dafür 65 Lkw, die jedoch niemals kurzfristig bei einem Frächter abrufbar sein werden. Vor diesem Hintergrund setzen wir vorrangig auf die beiden Verkehrsträger Schiene und Binnenschiff. Der Lkw kommt nur dann zum Einsatz, wenn der Transport nicht anders möglich ist.
Ein wichtiges Argument für Bahn und Binnenschiff ist deren wesentlich bessere Klimabilanz. Werden diese Verkehrsträger nicht deutlich an Akzeptanz verlieren, wenn der Lkw-Verkehr eines schönen Tages klimaneutral sein wird, indem nur noch batterieelektrische Fahrzeuge mit regenerativer Energie unterwegs sind?
Markus Schinko: Das kann man ganz klar mit nein beantworten. Schließlich kann die Physik nicht überwunden werden. Der Rollwiderstand auf der Straße ist sechsmal höher als auf der Schiene. Von daher hat die Schiene immer einen Vorteil und wird niemals durch den Straßenverkehr ersetzt werden können.
Christian Janecek: Das Thema Lkw hängt ja nicht nur am Verbrennungsmotor und dem CO2, das ausgestoßen wird. Es geht auch um den Gummiabrieb, Feinstaub und beschädigte Straßen und Brücken. Die Belastung der Infrastruktur durch den Straßengüterverkehr ist immens.
Neben dem Modal Split möchte ich noch eine andere Kennzahl ansprechen. LogServ generiert über 75 Prozent des Umsatzes mit voestalpine. Bei CargoServ liegt dieser Wert bei über 65 Prozent. Wollen Sie das Drittgeschäft künftig weiter ausbauen?
Christian Janecek: Unser Fokus liegt nach wie vor auf der Logistik von voestalpine. Dafür wurden wir gegründet und das wir auch so bleiben. Unser Drittgeschäft entsteht überall dort, wo es unser Kerngeschäft ergänzt und gut zu unseren Prozessen passt. Wir gehen aber nicht aktiv auf Kundenfang, zumal jeder neue Auftrag auch Personalressourcen bindet, die im Zweifel erst aufgebaut werden müssen. Das ist ein Vorgang, der mit allen Sicherheits-Schulungen und Unterweisungen mehrere Monate dauern kann. Von daher ist das Drittgeschäft für uns wichtig, aber kein wesentlicher Erfolgsfaktor.
Ein Erfolgsfaktor ist aber bestimmt die große Kontinuität in der Führung der LogServ-Gruppe. Seit wann sind Sie am Hebel?
Christian Janecek: Ich war von Anfang an Geschäftsführer und Herr Schinko war von Anfang an ebenfalls im Führungs-Team. Wir sind sozusagen Urgesteine.
Markus Schinko: Innerhalb der voestalpine wird Kontinuität in der Führung sehr geschätzt. LogServ wird aber nicht nur durch Herrn Janecek und mich geprägt, sondern auch durch unsere vielen Mitarbeitenden – und hier gibt es auch einen regen Wechsel, zumal es innerhalb des Konzerns viele Entwicklungsmöglichkeiten gibt. Kontinuität und Erfahrung wird bei uns also durch immer neue Ideen und Impulse ergänzt. Das ist sicherlich ein Erfolgsfaktor.
Offenbar haben Sie in den letzten 25 Jahren vieles richtig gemacht. Was würde Ihnen das Leben in den nächsten 25 Jahren erleichtern?
Markus Schinko: Wir wünschen uns auf europäischer Ebene eine bessere Abstimmung, wenn es um infrastrukturelle Maßnahmen und Baustellen geht. Das wird noch viel zu wenig gemacht. Als Logistikunternehmen im Herzen Europas haben wir es schwer, wenn es in Slowenien, Italien und Deutschland zeitgleich Baustellen gibt und wir von den laufenden Maßnahmen praktisch umringt werden. Dann werden Umfahrungen fast unmöglich. Ein besseres Koordinieren würde uns sehr helfen.
Dafür wünsche ich Ihnen viel Erfolg und eine einsichtige EU. Vielen Dank für das Gespräch! (RED)



