ÖBB machen Güterwagen und Kupplungen „intelligent“
Langsam hält die Digitalisierung auch im europäischen Schienengüterverkehr Einzug. Am Frachtenbahnhof Wien-Floridsdorf haben die ÖBB am 11. September die Digitale Automatische Kupplung (DAK) unter realen Betriebsbedingungen vorgestellt und auf ihre Tauglichkeit getestet. Dabei wurde die herkömmliche Schraubenkupplung direkt mit der neuen Technologie verglichen.
Die DAK soll den Güterverkehr auf der Schiene effizienter, sicherer und wettbewerbsfähiger machen. „Ein leistungsfähiger Schienengüterverkehr ist entscheidend für den Wirtschaftsstandort Österreich“, betonte Verkehrsminister Peter Hanke. Die DAK verbessere zudem die Arbeitsbedingungen, beschleunige Abläufe und eröffne neue Möglichkeiten für die Digitalisierung der Transportkette.
Derzeit werden Güterwaggons in Europa manuell mittels Schraubenkupplung verbunden. Bei jedem Kupplungsvorgang müssen dabei eine über 20 Kilogramm schwere Schraube angehoben und die Luftleitungen miteinander verbunden werden. Das geschieht rund 300-mal pro Schicht, und das bei jedem Wetter unter besonderen Sicherheitsapsekten.
Die DAK soll dem Ende bereiten. Dabei geht die Technologie geht weit über das automatische Kuppeln und Entkuppeln hinaus. Über die Kupplung können nämlich Energie und Daten durch den gesamten Zug übertragen werden. Damit werden etwa automatisierte Bremsproben, eine digitale Erfassung der Wagenreihung und künftig auch die Überwachung der Zugintegrität möglich.
„Die DAK ist weit mehr als eine neue Kupplung“, sagte ÖBB-Chef Andreas Matthä. Sie bilde vielmehr „die Grundlage für den digitalen Güterzug der Zukunft“. In Europa sind rund 450.000 Güterwaggons und 17.000 Triebfahrzeuge davon betroffen.
Für die Erprobung setzen die ÖBB im Rahmen des europäischen Projekts TRANS4M-R einen speziell ausgestatteten Demonstratorzug ein. Neben Güterwagen sind erstmals auch Lokomotiven mit DAK-Technik unterwegs. Die Tests sollen Aufschluss über Zuverlässigkeit, Sicherheit, Wartung und die Einbindung in bestehende Betriebsabläufe geben. Auch Wintertests in Österreich lieferten bereits wichtige Erkenntnisse.
Nach den Demonstrationen soll die Technologie den nächsten Praxistest bestehen: Im Rahmen der sogenannten Pioneer DAC Trains (PioDAC) wollen die ÖBB gemeinsam mit europäischen Partnern die DAK erstmals im kommerziellen Güterverkehr einsetzen. Dabei geht es vor allem darum, die Zulassungsreife nachzuweisen und den wirtschaftlichen Nutzen unter realen Marktbedingungen zu ermitteln.
Bis zu einer europaweiten Einführung sind allerdings noch mehrere Hürden zu nehmen. Neben der technischen Reife braucht es einheitliche Standards, passende Zulassungsverfahren und tragfähige Finanzierungsmodelle. Die laufenden Demonstrationen und die PioDAC-Züge sollen dafür die Entscheidungsgrundlage liefern.
Quelle: OEVZ




