Pharma-Packing mit grünem Strom. Erdt-Gruppe nutzt Ertrag der Photovoltaikanlage zum Kühlen.

10. November 2017 00:48

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Die Ansprüche der Pharmabranche an ihre Dienstleister sind hoch. Neben Hygiene und Zertifizierungen spielt hier die Temperatur in Halle und Lager eine große Rolle. Die Energie für Spitzenkühlung und Gefahrstofflagerung macht bei der Erdt-Gruppe die Sonne. Die Kontraktpacker aus Viernheim nutzen ihren selbst erzeugten Strom zu 37 Prozent selbst.

Seit 2013 steht die neu errichtete Logistikhalle in Viernheim mit rund 10.000 Quadratmetern. Sie entspricht neusten energetischen Standards. Auf rund einem Drittel der Fläche werden Blutzucker-Sets und andere Produkte aus dem Pharma- und Diagnostikbereich systematisch mit Null-Fehler-Toleranz verpackt und auf den Weg zum Kunden gebracht. Hier herrscht durchweg eine für die Mitarbeiter angenehme Temperatur von 19 bis 22 Grad. Das Lager mit bis zu 8000 Paletten-Stellplätzen, das etwa zwei Drittel des Warehouses einnimmt, ist auf 17 bis 19 Grad eingestellt.

„Bei medizinischem Zubehör geht es um die Sicherheit für den Endverbraucher. Neben höchster Qualität beim Handling ist daher eine konstante Temperatur eine wichtige Voraussetzung für ein qualitativ hochwertiges Ergebnis“, sagt Geschäftsführer Torsten Kühlwein.

Für Gefahrstoffe hält der Logistiker außerdem drei Container bereit, in denen insgesamt 35 Paletten Platz finden. Die Investition in die blauen Behälter mit acht Metern Länge und anderthalb Metern Breite auf 3,80 Metern Höhe war nötig geworden, weil ein Erdt-Kunde hier medizinische Produkte einlagert, erklärt Alexander Heiß. Der 42-jährige Ingenieur leitet die Logistik des Mittelständlers. Gelagert werden seit 2015 Reagenzien für Labortests. Die fertig konfektionierte Ware wird an den Kunden geliefert und geht von dort aus an Abnehmer in ganz Europa. Im Detail handelt es sich um zwei Container mit je zwölf Paletten-Stellplätzen im Temperaturraum von 15 bis 25 Grad Celsius. Sowie um einen weiteren Container mit einer Kühlanlage, der für Temperaturen von zwei bis acht Grad ausgelegt ist.

Die 2700 Quadratmeter Modulfläche umfassende Photovoltaikanlage auf dem Dach des Warehouses erwirtschaftet im Jahr 472.000 Kilowattstunden bei einer Leistung von 400 KWp. Dieser grüne Strom wird in das Netz des Dienstleisters eingespeist und versorgt natürlich die Kühlanlage, aber auch Computer und sonstige Verbraucher. Außerdem werden die Gabelstapler und das Firmen-Elektroauto mit dem Sonnenstrom betankt. Etwa 37 Prozent des selbst erzeugten Stroms kann der Mittelständler auf diese Weise selbst verbrauchen. Was am Wochenende oder zu Randzeiten zusätzlich anfällt, wird gegen eine Vergütung in das öffentliche Netz eingespeist. „Wir haben in den letzten beiden Jahren sogar mehr Ertrag geschafft, als uns der Projektierer Goldbeck Solar prognostiziert hatte“, freut sich Kühlwein. Das könnte an den sonnenreichen Sommern gelegen haben. Aber sicher spielten die professionelle Ausrichtung und die gute Qualität ebenso eine Rolle.

„Logistiker, die einen größeren Teil ihres Lagers temperieren, profitieren auf alle Fälle wirtschaftlich von einer Solaranlage“, weiß Geschäftsführer von Goldbeck Solar, Björn Lamprecht, aus Erfahrung. Sein Team dimensionierte und errichtete die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Neubaus bei Erdt. Wer den Strom selbst verbraucht und nur die Überschüsse einspeist, kann Renditen von acht bis zwölf Prozent erwirtschaften, sagt der Branchenkenner. Oft habe sich die Investition binnen sieben Jahren rentiert.

Wer seinen Strom selbst erzeuge, macht sich nicht nur unabhängig von den Energieversorgern und deren schwankender Strompreise. „Eine Photovoltaikanlage macht Energiekosten planbar und lässt damit langfristige Strategien zu“, sagt Lamprecht. Außerdem stellt der Solar-Experte sinkende Preise bei Speichersystemen fest, die damit zusehends rentabler werden. „So können Unternehmen ihre Eigenverbrauchsquote auf 70 bis 80 Prozent erhöhen.“

Rein wirtschaftlich gesehen, sind Photovoltaikanlagen ein Plusgeschäft. Denn während eine regenerative Kilowattstunde vom eigenen Dach rund sechs Cent kostet, verlangt der Versorger 18 Cent. „Der selbst verbrauchte Strom ist der beste“, fasst Lamprecht zusammen. Wer eine Kilowattstunde einspeist, bekommt dafür im Schnitt nur noch zehn Cent rückvergütet.

Der Erdt-Neubau vor knapp drei Jahren war dringend notwendig gewesen. Durch stetiges Wachstum hatte der Kontraktpacker immer wieder Hallen in und um Viernheim anmieten müssen. „Schließlich fuhren wir nicht nur die Waren, sondern auch die Mitarbeiter zwischen den einzelnen Standorten hin und her“, erläutert der Geschäftsführer. Um die Prozesse zu optimieren, sei eine neue und ausreichend große Halle wichtig gewesen. Ob und wo neu gebaut werden sollte, war durch das Führungsteam langfristig geplant und gut überlegt. Die Realisierung dauerte dann nur noch neun Monate. Auf einen Generalübernehmer verzichtete die Erdt-Gruppe. Sie heuerte verschiedene Firmen an und ließ den Fortschritt durch einen Architekten überwachen.

Und das Energiekonzept des Neubaus ist ausgeklügelt. Durch Deckenstrahlplatten wird im Sommer kaltes Wasser und im Winter warmes Wasser gepumpt. Auf diese Weise entsteht ein angenehmes Raumklima. Die Pumpe wird ebenfalls mit Photovoltaikstrom betrieben. Spitzen deckt eine Gastherme ab. Damit Wärme oder Kühle nicht gleich nach außen entweichen, ist das Gebäude mit einem Ui-Wert von 0,241 gegen die Dachfläche und die Außenwand mit einem Ui-Wert von 0,387 effizient gedämmt.

Für die nächsten drei bis fünf Jahre fühlt sich Kühlwein platztechnisch gut aufgestellt. „Wir sind insgesamt sehr zufrieden mit den Räumlichkeiten“, sagt er. Als Logistikdienstleister lebt er von seiner Flexibilität, die ihm der Firmensitz ermöglicht. „Immer wieder erweitern wir das Lager um einige Regale oder verkleinern uns zu Gunsten anderer benötigter Flächen. So können wir optimal auf die Bedürfnisse unserer Kunden reagieren.“ Sowohl im Medizin- als auch im Pharmabereich ist mit weiteren Beauftragungen zu rechnen, aber auch in anderen Geschäftsbereichen will Erdt wachsen. Ferner prüft das Unternehmen den Einsatz von weiteren Elektroautos und -bussen. Natürlich betrieben mit regenerativem Strom.

www.erdt-gruppe.de

www.Goldbeck-Solar.de

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