Privatbahnen droht gravierende Finanzierungslücke
Was auf dem deutschen Schienennetz bereits traurige Realität ist, soll Österreich erspart bleiben. Dafür investieren auch die heimischen Privatbahnen laufend in Maßnahmen für den Erhalt und die Modernisierung der Infrastruktur. Im Zeitraum von 2021 bis 2025 waren das insgesamt 571,6 Mio. EUR, die eine Bruttowertschöpfung von 430,9 Mio. EUR ausgelöst haben.
Jetzt drohe eine gravierende Finanzierungslücke, warnte Ing. Günter Neumann, Obmann des Fachverbands Schienenbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich, am Dienstag bei einem Hintergrundgespräch in Wien. Er bezieht sich damit auf die Halbierung der Finanzmittel von Bund und Ländern auf 89 Mio. EUR für den Zeitraum von 2027 bis 2031. Eingereicht wurden Projekte im Umfang von 179 Mio. EUR.
Als Reaktion darauf wurden bereits erste Ausschreibungen gestoppt. Dabei sind laufende Investitionen für die Modernisierung von Brücken, die Errichtung von neuen Stellwerken und für den Austausch des Unterbaus wichtig, damit die Privatbahnen ihren Mobilitätsauftrag für den Personen- und Güterverkehr in den ländlichen Regionen weiter im vollen Umfang nachkommen können.
Andernfalls drohten Teilsperren von Streckenabschnitten und Temporeduzierungen für die Züge, erläuterte Günter Neumann vor der Presse. Hauptbetroffene der drohenden Investitionsbremse wären unter anderem lokale Bauunternehmen und Gewerke. Auch die weiterhin uneingeschränkte Bedienung von Anschlussbahnen der Industrie stünde dann in Gefahr. Laut einer neuen Economica-Studie zahlt sich jeder investierte EUR doppelt aus.
Auch Mag. Alexander Klacska, Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Österreich, betont die Bedeutung der Privatbahnen für den Wirtschaftsstandort Österreich. Drüber hinaus zeigt er sich alarmiert von der Entwicklung der Industrieproduktion in Österreich. Die weltwirtschaftliche Erholung komme in Europa nicht an, beschreibt er seine Eindrücke.
Als positiv bewertet der Spartenobmann die leicht steigende Nachfrage für Transporte von, nach und in Österreich. Jedoch hätten der Kostendruck und der internationale Wettbewerb stark zugenommen. Selbst Traditionsbetriebe kämen mit diesen Rahmenbedingungen kaum mehr zurecht. Nur steigende Preise könnten da Abhilfe schaffen. Doch die seien am Markt derzeit nur in Ausnahmefällen durchsetzbar.
Quelle: OEVZ



