Rückkehr zum Suezkanal: Kurzfristige Engpässe in europäischen Häfen drohen
Erste Reedereien testen derzeit wieder einzelne Transite durch den Suezkanal
Nach fast zwei Jahren, in denen ein Großteil des Containerverkehrs zwischen Asien und Europa über das Kap der Guten Hoffnung umgeleitet wurde, könnte sich damit eine schrittweise Rückkehr zur kürzeren Route durch das Rote Meer abzeichnen. Aus Sicht der Digitalspedition Forto bedeutet das jedoch nicht automatisch eine Entspannung der globalen Lieferketten.
„Sollten Reedereien wieder verstärkt den Suezkanal nutzen, würde sich die Transitzeit auf vielen Verbindungen um bis zu zwei Wochen verkürzen“, sagt Stefan Hartmann, Head of Trade Asia Europe bei Forto. „Das würde kurzfristig zusätzliche Kapazitäten im Markt freisetzen – könnte aber gleichzeitig neue operative Herausforderungen in europäischen Häfen verursachen.“
Nach Einschätzung von Forto könnte die verkürzte Transitzeit dazu führen, dass wieder mehr Schiffe in kurzer Zeit an europäischen Terminals eintreffen. „Wenn mehrere Dienste nahezu gleichzeitig in europäischen Häfen ankommen, kann das zu Überlastungen an Terminals und im Hinterlandtransport führen“, so Hartmann. „Eine vollständige Rückkehr zum Suezkanal dürfte deshalb schrittweise erfolgen.“
In der Übergangsphase werden voraussichtlich beide Routen – über den Suezkanal und um das Kap der Guten Hoffnung – parallel genutzt. Für Verlader bedeutet das vor allem eines: höhere Planungsunsicherheit.
„Logistikteams sollten sich auf eine Phase mit hybriden Routenführungen und schwankenden Transitzeiten einstellen“, sagt Hartmann. „Entscheidend ist jetzt, Fahrplanänderungen der Carrier genau zu verfolgen, zusätzliche Zeitpuffer einzuplanen und die Gesamtkosten der Lieferkette im Blick zu behalten.“


