Temu und ERP Austria: Compliance-Lösung für den Distanzhandel
Wie Temu mit ERP Austria die erweiterte Herstellerverantwortung in Österreich meistert und Händlern im Distanzhandel unterstützt.
Der europäische Online-Handel steht vor großen Herausforderungen: Neue Zoll- und Umweltvorschriften, insbesondere die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR), stellen Händler vor komplexe Compliance-Aufgaben. Gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck durch asiatische Plattformen wie Temu, Shein oder Alibaba, die mit günstigen Preisen und innovativen Geschäftsmodellen europäische Händler zunehmend herausfordern. Ein aktuelles Beispiel, wie chinesische Plattformen auf die europäischen Regulierungen reagieren, ist die Kooperation von Temu mit der European Recycling Platform (ERP) Austria GmbH.
Temu und ERP Austria: Kooperation für EPR-Compliance in Österreich
Temu, eine globale E-Commerce-Plattform mit Präsenz in über 90 Märkten, hat eine strategische Partnerschaft mit ERP Austria geschlossen. ERP Austria ist eine führende Compliance-Organisation, die Unternehmen in Österreich bei der Erfüllung ihrer Pflichten im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung unterstützt. Diese umfasst gesetzliche Vorgaben zur Registrierung, Produktmeldung und Zahlung von Umweltgebühren für Kategorien wie Verpackungen, Batterien, Einwegkunststoffe sowie Elektro- und Elektronikaltgeräte.
Die Kooperation basiert auf einem sogenannten „Pay-on-behalf“-Service: Temu übernimmt für die Verkäufer auf seiner Plattform die zentralen EPR-Verpflichtungen in Österreich. Das bedeutet, dass Temu die Registrierung, Meldungen und Zahlungen an die zuständigen Stellen für seine Händler abwickelt und ihnen so die Einhaltung der komplexen Vorschriften erleichtert.

Dieser Schritt wurde vom österreichischen Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie als konstruktive Maßnahme begrüßt, um Online-Marktplatz-Verkäufer besser in das nationale EPR-System zu integrieren.
Warum ist das wichtig?
Die erweitere Herstellerverantwortung verpflichtet Unternehmen, die bestimmte Produkte in Verkehr bringen, aktiv zur Finanzierung von Sammel-, Rücknahme- und Recyclingmaßnahmen beizutragen. Für viele kleine und mittlere Händler auf Online-Marktplätzen ist die Umsetzung dieser Anforderungen jedoch komplex und mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden. Durch die Kooperation mit ERP Austria bietet Temu seinen Verkäufern eine praktische und effiziente Lösung, die Compliance sicherzustellen und gleichzeitig den Marktzugang zu erleichtern.
Chinas Plattformen und die europäische Zollreform: Ein Katz-und-Maus-Spiel
Die Kooperation von Temu mit ERP Austria ist Teil einer größeren Strategie asiatischer Plattformen, sich den europäischen Regulierungen anzupassen und gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Europäische Länder wie Österreich und Frankreich haben in den letzten Jahren neue Zoll- und Umweltsteuern auf Kleinsendungen aus Drittstaaten eingeführt, um den heimischen Handel zu schützen und Steuereinnahmen zu sichern.
Doch diese Maßnahmen zeigen oft nur begrenzte Wirkung: So führte Frankreich im März 2026 eine Steuer auf Kleinsendungen ein, die deutlich hinter den erwarteten Einnahmen zurückblieb. Plattformen wie Temu umgingen die Vorschriften, indem sie ihre Sendungen über alternative europäische Flughäfen wie Lüttich in Belgien umleiteten. Ähnliche Umgehungsstrategien werden auch für Österreich erwartet, was die Effektivität nationaler Alleingänge infrage stellt.
Kritik an nationalen Alleingängen und Forderung nach EU-weiten Lösungen
Handelsverbände und Experten warnen vor den negativen Folgen nationaler Sondersteuern wie der österreichischen Paketsteuer. Diese könnten Innovationen bremsen, Arbeitsplätze gefährden und den heimischen Handel nicht wie gewünscht stärken. Stattdessen wird eine konsequente Umsetzung europäischer Maßnahmen wie des EU-Pauschalzolls und der EU-Bearbeitungsgebühr für Pakete aus Drittstaaten unter 150 Euro gefordert.
Zudem sollten Kontrollen gegenüber Drittstaatenplattformen verschärft werden, um faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Rainer Will, Geschäftsführer des freien Handelsverbands, bringt es auf den Punkt: „Die Paketsteuer ist ein Innovations- und Jobkiller, der vor allem österreichische Familien und Händler belastet, während Drittstaatenhändler sich weiterhin entziehen können.“
Distanzhandel im Wandel: Chancen und Herausforderungen
Die zunehmende Bedeutung des Distanzhandels zeigt sich deutlich am Beispiel von Temu und anderen asiatischen Plattformen, die mit Niedrigpreisangeboten und einem breiten Sortiment den europäischen Markt erobern. Insbesondere in Deutschland und Österreich entgehen dem lokalen Einzelhandel durch diese Wettbewerber Milliardenumsätze. Das Weihnachtsgeschäft 2025 verdeutlichte diesen Trend eindrucksvoll.
Gleichzeitig eröffnet die Kooperation von Temu mit ERP Austria eine neue Perspektive: Durch die Integration von Compliance-Lösungen können auch ausländische Händler nachhaltiger und regelkonformer agieren. Dies könnte langfristig zu einem faireren Wettbewerb und mehr Transparenz im grenzüberschreitenden Online-Handel führen.
Fazit: Kooperationen als Schlüssel zur Zukunft im Distanzhandel
Die Zusammenarbeit von Temu mit ERP Austria ist ein Beispiel dafür, wie globale Plattformen auf europäische Regulierungen reagieren und gleichzeitig ihre Marktposition stärken. Für Händler auf Online-Marktplätzen bietet dies eine praktische Unterstützung bei der Einhaltung komplexer Umweltvorschriften.
Gleichzeitig zeigt die Situation um Zoll- und Umweltsteuern, dass nationale Alleingänge wenig effektiv sind und europäische Lösungen sowie verstärkte Kontrollen notwendig sind, um faire Wettbewerbsbedingungen im Distanzhandel zu schaffen. Der Distanzhandel bleibt ein dynamisches und herausforderndes Feld, in dem innovative Kooperationen, klare Regulierungen und ein ausgewogenes Zusammenspiel von Handel und Nachhaltigkeit entscheidend für den zukünftigen Erfolg sind. (RED)
LOGISTIK express Journal 3/2026 H&D – Handel & Distanzhandel



