Tiertransportschiffe älteste und gefährlichste Flotte der Welt

Die am Mittwoch durch den VGT veröffentlichten Zustände an einem Hafen in Spanien bei der Verladung junger Rinder auf Schiffe in den Nahen Osten und nach Afrika sorgten bundesweit für Aufsehen. Im Sommer hatten der VEREIN GEGEN TIERFARBIKEN, Animals International und Animal Welfare Foundation die Verladung von Rindern in Cartagena dokumentiert und dabei großes Tierleid aufgedeckt. Doch was die Tiere nach der stressigen Verladung erwartet, ist ein auslaugender tage- bis wochenlanger Transport auf See auf völlig maroden Schiffen.

Älteste Flotte der Welt.
Die Tiertransportflotte ist die älteste Flotte der Welt. Das Durchschnittsalter der von der EU zugelassenen Schiffe beträgt um die 40 Jahre. In den meisten Fällen handelt es sich um umgebaute Frachter oder Autofrachtschiffe, die – für den Transport von Menschen und Fracht als zu alt ausgemustert – notdürftig zu Tiertransportschiffen umgebaut wurden. Um mehr Tiere transportieren zu können, wurden sie oft mit zusätzlichen Decks ausgestattet. Das Tierwohl hat beim Umbau meist keine Priorität, wie dieses Video zeigt. So beträgt die Deckenhöhe teilweise nur 160 cm; viel zu gering, um Tiere angemessen versorgen zu können. Aufgrund der strukturellen Bedingungen und hohen Beladungsdichten ist es nicht einmal allen Tieren möglich, an Futter und Wasser zukommen.

Ann-Kathrin Freude, VGT Österreich kennt die Zustände auf diesen Schiffen seit langem und schickt noch immer seine Tiere ins EU-Ausland. Und das auf völlig desolaten und brandgefährlichen Schiffen. Es ist für uns unverständlich, wie man an so einem grausamen Handel so krampfhaft festhalten kann, obwohl die Gesellschaft seit Jahrzehnten ein Ende von Tiertransporten verlangt. Es wird dringend Zeit, diesem Wunsch nachzukommen!

Unvorstellbares Leid für die Tiere.
Das Leid auf diesen Transporten beweisen die von Animals International und Animal Welfare Foundation aufgenommenen Videos von Tieren, die nach tage- bis wochenlanger Reise in den Drittländern ankommen: Sie sind eingedeckt in vertrocknetem Kot, haben häufig Atemprobleme, die auf die hohe Hitze und Luftfeuchtigkeit und die damit einhergehenden Ammoniakdämpfe zurückzuführen sind. Wie viele Tiere die Reise letztendlich überleben, bleibt aufgrund fehlender Dokumentationen seitens der Exporteure meist unklar. Es ist gesetzlich nicht verpflichtend, dass ein Tierarzt an Bord ist. Stirbt ein Tier an Bord, wird es ins Meer geworfen. Damit sein Kadaver nicht an den Touristenstränden angespült wird, sondern im Meer versinkt, wird es zersägt oder der Bauch aufgeschlitzt.

Tierexporte sind moralisch nicht vertretbar. Immer mehr Länder fordern ein Verbot. Erst vor ein paar Tagen hat Neuseeland das Aus der Lebendtierexporte mit April 2023 verkündet. In Australien wird der Stopp von Schafsexporten diskutiert. Wann übernimmt Österreich Verantwortung und beendet dieses unnötige Leid?, fordert Gerit Weidinger, EU Coordinator von Animals International.

Tiertransportschiffe sind brandgefährlich!
Tiertransportschiffe sind generell in einem desolaten Zustand und damit eine Gefahr für die Tiere, die Besatzung und die Umwelt. Die meisten fahren inzwischen unter ausländischen Flaggen, da sie in europäischen Ländern längst keine Zulassung mehr bekommen würden. Man kann Flaggen aus Togo, dem Libanon, Panama, Kambodscha und vielen weiteren weit entfernten Staaten entdecken. Der von ParisMoU 2020 veröffentlichte Bericht zeigt die schockierende Tatsache, dass 95,1% der von der Hafenstaatkontrolle inspizierten Lebendtiertransporter Mängel aufwiesen. Die Tiertransporter belegen damit aufgrund der hohen Anzahl von Mängeln den ersten Platz im Vergleich mit allen anderen Frachtschiffen und werden als weltweit gefährlichste Flotte eingestuft. Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen. Regelmäßig wird Tiertransportschiffen die Zufahrt in europäische Häfen untersagt. Unzureichender Brandschutz, nicht eingehaltene Reparaturintervalle, austretendes Schweröl und ähnliches sind die Ursache dafür. Letztes Jahr waren es die Schiffe „Boi Branco“ und „Elbeik“, die in europäischen Gewässern Feuer fingen.

Tiertransportschiffe werden öfter im Hafen festgehalten als alle anderen Schiffe. Viele von ihnen sind von der Hafenstaatkontrolle (Paris MoU) als Hochrisikoschiffe eingestuft und bilden damit eine große Gefahr für Tiere, Menschen und die Umwelt. Schiffsbetreiber:innen suchen gezielt die EU-Länder aus, die die Zulassung lasch handhaben. Die europäischen Behörden kontrollieren zu wenig und ermöglichen damit skandalöse Exporte, berichtet Maria Boada-Saña von Animal Welfare Foundation.

Diese Transporte und das damit einhergehende Tierleid müssen dringend beendet werden. Dafür sind nicht nur neue, schärfere und klarer formulierte Gesetze notwendig, sondern auch ein Umbau der tierlichen Landwirtschaft, die aktuell auf die möglichst hohe Ausnutzung der Tiere und der Umwelt ausgelegt ist. Der VGT fordert die österreichische Regierung auf, im Sinne der Tiere und auch des Klimaschutzes dringend und umfassend nachzuarbeiten.

Rückfragen & Kontakt:
VGT – Verein gegen Tierfabriken
Ann-Kathrin Freude, MArch
01 929 14 98
medien@vgt.at
http://vgt.at

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