VBI (Verband der Bahnindustrie) in Österreich fordert Europe-First-Strategie
Die aktuelle WIFO-Studie zeigt, dass staatlich subventionierte Konzerne aus Drittstaaten mit künstlich niedrigen Preisen den europäischen Eisenbahnmarkt zunehmend dominieren und damit den Wettbewerb verzerren.
Die europäische Bahnindustrie nimmt eine zentrale Rolle in der Gestaltung der Zukunft Europas ein. Sie ist nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein unverzichtbarer Motor für die Klimawende, die Mobilitätsentwicklung und die Sicherung von Wohlstand und Beschäftigung. Angesichts globaler Herausforderungen und wachsendem internationalen Wettbewerb gewinnt die strategische Bedeutung dieser Branche zunehmend an Gewicht.
Wirtschaftliche Tragweite und Beschäftigung
Die Bahnindustrie in Europa ist ein bedeutender Arbeitgeber und Wirtschaftsmotor. Allein in Österreich beschäftigt die Branche über 34.000 Menschen und erwirtschaftet eine Bruttowertschöpfung von mehr als 3 Milliarden Euro jährlich. Zudem generiert sie über eine Milliarde Euro an Steuern und Abgaben, die der öffentlichen Hand zugutekommen. Diese Zahlen spiegeln die wirtschaftliche Substanz und die Bedeutung der Bahnindustrie als stabilen und innovativen Wirtschaftszweig wider. Doch die Bahnindustrie ist nicht nur in Österreich, sondern europaweit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Sie umfasst eine Vielzahl von Unternehmen – von großen Konzernen bis zu spezialisierten Mittelständlern –, die innovative Technologien entwickeln, produzieren und weltweit exportieren. Die Branche trägt maßgeblich zur industriellen Wertschöpfung und zur technologischen Führerschaft Europas bei.
Klimaschutz und nachhaltige Mobilität
Die Bahn gilt als eines der umweltfreundlichsten Verkehrsmittel und spielt eine Schlüsselrolle bei der Reduktion von Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor. Im Vergleich zu Straße und Luftverkehr verursacht der Schienenverkehr deutlich weniger CO2-Ausstoß pro Personenkilometer oder Tonne Fracht. Damit ist die Bahn ein zentraler Baustein für die Erreichung der europäischen Klimaziele und die Umsetzung der Mobilitätswende.
Die europäische Bahnindustrie entwickelt kontinuierlich innovative Technologien, um den Schienenverkehr noch nachhaltiger, effizienter und attraktiver zu machen. Dazu zählen beispielsweise energieeffiziente Züge, Digitalisierungslösungen für den Betrieb und die Instandhaltung sowie neue Antriebstechnologien wie Wasserstoff- und Batteriezüge. Diese Innovationen stärken nicht nur den Klimaschutz, sondern erhöhen auch die Wettbewerbsfähigkeit der Branche auf globaler Ebene.
Globale Wettbewerbsherausforderungen
Trotz ihrer Bedeutung steht die europäische Bahnindustrie vor erheblichen Herausforderungen. Eine aktuelle Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts WIFO zeigt, dass staatlich subventionierte Unternehmen aus Drittstaaten mit künstlich niedrigen Preisen zunehmend in den europäischen Markt drängen. Diese Praxis führt zu strukturellen Wettbewerbsverzerrungen und gefährdet die industrielle Basis Europas.

Der Verband der Bahnindustrie in Österreich (VBI) warnt vor einem ungleichen Wettbewerb, der nicht auf fairen Marktbedingungen beruht, sondern von geopolitischer Industriepolitik geprägt ist. Ohne strategisches Gegensteuern droht Europa, seine industrielle Substanz in einer Schlüsselbranche der Klima- und Mobilitätswende zu verlieren. Dies hätte weitreichende Folgen für Beschäftigung, Innovationskraft und Versorgungssicherheit.
Strategische Bedeutung und europäische Industriepolitik
Um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Bahnindustrie zu sichern, fordert der VBI einen konsequenten europäischen Beschaffungsansatz. Dieser soll faire Wettbewerbsbedingungen schaffen, die industrielle Resilienz stärken und die tatsächlichen Lebenszykluskosten von Bahnprodukten und -dienstleistungen berücksichtigen. Öffentliche Investitionen in Bahn und Infrastruktur müssen gezielt darauf ausgerichtet sein, Versorgungssicherheit, Innovationskraft und Wertschöpfung in Europa zu fördern.
Ein wichtiger Schritt ist die stärkere Berücksichtigung europäischer Wertschöpfung bei öffentlichen Vergaben. Der VBI schlägt vor, eine verpflichtende europäische Wertschöpfung von mindestens 50 % bei öffentlichen Aufträgen sicherzustellen und Anbieter aus Drittstaaten ohne gleichwertigen Marktzugang zu beschränken oder auszuschließen. Zudem soll das bisherige Billigstbieterprinzip durch einen „Zukunftspreis“ ersetzt werden, der neben dem Anschaffungspreis auch Lebenszyklus- und Resilienzkosten einbezieht, um Preisdumping zu verhindern.
Diese industriepolitischen Maßnahmen sind kein Protektionismus, sondern dienen der Herstellung von „Waffengleichheit“ im globalen Wettbewerb. Sie sollen sicherstellen, dass öffentliche Gelder in europäische Innovationen und Arbeitsplätze fließen und somit die strategische Unabhängigkeit und Sicherheit Europas gestärkt werden.
Fazit: Die europäische Bahnindustrie ist weit mehr als nur ein Wirtschaftszweig. Sie ist ein strategischer Pfeiler für die ökologische Transformation, die wirtschaftliche Stabilität und die soziale Sicherheit Europas. Angesichts wachsender globaler Herausforderungen und unfairer Wettbewerbspraktiken ist es unerlässlich, die Bahnindustrie gezielt zu stärken und ihre Wettbewerbsfähigkeit durch kluge, europäische Industriepolitik zu sichern. Nur so kann Europa seine führende Rolle bei der Mobilitätswende behaupten, Arbeitsplätze sichern und einen nachhaltigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Bahnindustrie ist damit ein zentraler Baustein für die Zukunftsfähigkeit Europas – ökonomisch, ökologisch und gesellschaftlich.


