Veränderte Spielregeln prägen die globalen Lieferketten
Europa braucht stärke Diversifizierung und Technologie. Veränderte Spielregeln prägen die globalen Lieferketten.
Der VNL (Verein Netzwerk Logistik) lud bereits zum 11. Mal zum VNL Logistik-Forum Graz in das Messe Congress Graz Zentrum. Unter dem Motto „Logistik in der neuen Welt(un)ordnung“ diskutierten über 150 Experten aus der Wirtschaft und Wissenschaft über die veränderten Spielregeln in der Logistik und im Supply Chain Management. Globale Krisen, technologische Sprünge und die neue Handelslogiken standen im Mittelpunkt der Vorträge. Im Rahmen des Logistik-Forum Graz 2025 erhielten die Teilnehmer wertvolle Einblicke in aktuelle Herausforderungen und praxisorientierte Lösungsansätze aus den VNL-Expertenrunden. Gemeinsam mit den fachlichen Leitern diskutierten sie konkrete Fragestellungen aus der Unternehmenspraxis. Die vorgestellten Ansätze zeigten eindrucksvoll, wie Unternehmen durch eine gezielt optimierte Supply Chain auch in Zeiten globaler Unsicherheit ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern und ausbauen können.
Martin Tschandl (Vorstandsmitglied des VNL Österreich), betonte, „Die weltpolitische Lage ist aus den Fugen geraten: Laufend schwankende Zollsätze, geopolitische Konflikte und Handelskriege haben das globale Gleichgewicht erschüttert. Was einst als stabil galt, ist heute von Unsicherheit geprägt – und diese Unordnung betrifft unmittelbar das Rückgrat unserer Wirtschaft: die Supply Chains bzw. Lieferketten und die Logistik generell. In Zeiten dieser globalen Störungen kommt der gesamten Supply Chain eine zentrale Rolle zu. Wie Unternehmen ihre Lieferketten an die neuen Gegebenheiten anpassen, entscheidet über ihre Wettbewerbsfähigkeit und langfristige Resilienz. Die Expertenrunden des VNL bieten dabei eine entscheidende Plattform, auf der Fachleute kontinuierlich an innovativen Lösungen und strategischen Ansätzen arbeiten können, um der unsicheren weltwirtschaftlichen Lage entgegenzuwirken.“
Prof. Harald Oberhofer (Wirtschaftsuniversität Wien) beleuchtete in seiner Keynote die globalen Auswirkungen der protektionistischen Handelspolitik der USA unter Donald Trump sowie die zunehmende Fragmentierung internationaler Handelsbeziehungen und Wertschöpfungsketten und zeigte auf, wie diese Entwicklungen auch die Logistikbranche betreffen können.
„Trumps Zollpolitik und geopolitische Konflikte verändern die Struktur der internationalen Handelsbeziehungen nachhaltig, mit negativen ökonomischen Folgen. Für die Logistikbranche bedeutet die anhaltende ökonomische und politische Unsicherheit instabilere Lieferketten, steigende Kosten und ein höheres Investitionsrisiko.“ Oberhofer betonte zudem, dass eine stärkere Diversifizierung von Handelspartnern und die Vollendung des EU-Binnenmarkts entscheidend seien, um Europas Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.

Malte Rehm (Senior Project Manager Strategy – Supply Chain, Otto Group) analysierte in seiner Keynote, wie die Supply Chain im Handel auf die globale Welt(un)ordnung reagiert. Er zeigte, welche Auswirkungen geopolitische Konflikte und disruptive Geschäftsmodelle auf den E-Commerce haben – und welche Antworten die Branche darauf findet. Dabei wurde deutlich: Strategische Vernetzung, intelligente Datenintegration sowie die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine werden zu entscheidenden Erfolgsfaktoren. Rehm betonte zudem das transformative Potenzial von Robotik und KI zur Effizienzsteigerung in Logistikzentren und zur Verkürzung von Durchlaufzeiten. „Für zukunftsfähige Supply Chains sind globale Diversifizierung, enge Zusammenarbeit und Technologie als Enabler entscheidend“, so Rehm.
Friedrich Santner, Vorstandsvorsitzender der Anton Paar Group AG, hielt die Keynote zum Thema „Internationalisieren in schwierigen Zeiten“. Er zeigte auf, wie sich Globalisierung, geopolitische Spannungen und wachsender Regulierungsdruck auf Europas Wettbewerbsfähigkeit auswirken. „Früher bedeutete Internationalisierung das Überwinden von Grenzen – heute kämpfen wir mit neuen Grenzen: aus Misstrauen, Moral und Kontrolle“, so Santner. Europa, so seine Analyse, sei stark, wenn es komplex wird – dank Bildung, Präzision und partnerschaftlichem Denken. Diese traditionellen Stärken müsse man mit Entscheidungsfreude, Pragmatismus und Teamgeist verbinden. „Europa wird seine Zukunft nicht durch Vorschriften sichern, sondern durch Vorbilder. Internationalisierung heißt nicht Rückzug, sondern Selbstbewusstsein und Mut,“ (RED)



