VNL: Im Netzwerk erfolgreicher
In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten sind starke Netzwerke für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Ein-Personen-Unternehmen (EPUs) unverzichtbar. Der Verein Netzwerk Logistik (VNL) als größtes Wirtschaftsnetzwerk im Bereich Logistik in Österreich bietet genau diese Unterstützung.
Im nachfolgendem Interview mit Prof. Franz Staberhofer, VNL-Obmann und Leiter des Logistikums FH Oberösterreich, werfen wir einen Blick auf die Bedeutung des VNL für die Zukunft der Logistik in Österreich – und welche Chancen sich daraus gerade für KMU und EPUs ergeben.
Wie unterstützt das VNL-Netzwerk gerade in wirtschaftlich schwierigen und volatilen Zeiten kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Ein-Personen-Unternehmen (EPUs) in Österreich?
Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich, dass niemand Lieferketten allein stabil halten kann. KMU und EPUs verfügen in der Regel nicht über große Stabsstellen mit ausreichender Erfahrung, belastbaren Daten, geeigneten Werkzeugen und kompetenten Ansprechpartnern. Hier können wir Abhilfe schaffen: Im VNL bringen wir genau diese Gruppen zusammen: Anwender aus Industrie und Handel, Logistikdienstleister, Technologieanbieter, Forschung, Bildung und Beratung. Wer eine konkrete Frage hat, kann über unsere Expert:innenrunden, Online-Erfahrungsaustausch oder VNL-Veranstaltungen sehr schnell mit Menschen sprechen, die ähnliche Aufgaben bereits gelöst haben. Zusätzlich stellen wir Wissen über Seminare, Leitfäden, Themenhefte und dem Lieferkettenmonitor bereit. Das ersetzt keine Unternehmensentscheidung, aber es verkürzt den Weg von der Unsicherheit zur handlungsfähigen Lösung. Für kleine Unternehmen ist das oft der Unterschied zwischen Reagieren und Gestalten.
Welche Rolle spielt die Vernetzung innerhalb des VNL für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Logistikbranche?
Vernetzung ist in der Logistik kein Begleitprogramm, sondern ein Produktivitäts- und Wettbewerbsfaktor. Innovation entsteht selten im eigenen Büro, sondern an Schnittstellen: zwischen Verladern und Dienstleistern, zwischen Technologie und Anwendung, zwischen Forschung und operativer Praxis. Im VNL sehen Unternehmen sehr rasch, welche Lösungen bereits funktionieren und wo noch Entwicklungsbedarf besteht. Hier können sie sich unter anderem bei unseren VNL Best-Practice-Company-Formaten oder im Rahmen unserer Future-Lab-Veranstaltung informieren und austauschen. Dadurch werden Fehler nicht mehrfach gemacht und gute Ansätze schneller skaliert. Für Österreich ist das besonders wichtig, weil unser Standort stark von exportorientierter Industrie, verlässlicher Beschaffung und effizientem Transport abhängt. Wenn wir die richtigen Menschen zusammenbringen, entsteht mehr als Informationsaustausch; es entstehen Projekte, Partnerschaften und Vertrauen. Genau dieses Vertrauen braucht man, wenn Märkte plötzlich kippen oder Lieferketten unter Druck geraten.
Ist unser Wirtschaftsstandort zum Beispiel seitens der Industrielogistik, der Automotive-Branche samt Zulieferer, gefährdet?
Ja, eine Gefährdung ist vorhanden, aber sie ist kein Naturgesetz. Besonders die Industrielogistik und die Automotive-Zulieferketten stehen unter Druck durch Energie- und Kostenniveaus, internationale Standortkonkurrenz, Zölle, Rohstoffabhängigkeiten und neue technologische Sprünge. Österreich kann sich hier nicht allein über Tradition oder Qualität absichern. Wer Lieferketten nicht aktiv steuert, riskiert Stillstände, steigende Kosten und letztlich Standortentscheidungen gegen Österreich. Das betrifft nicht nur große Hersteller, sondern auch viele mittelständische Zulieferer, die in globalen Wertschöpfungsketten hängen. Gleichzeitig haben die heimischen Unterhehmen enorme Stärken: gut ausgebildete Menschen, industrielle Kompetenz, starke Forschung und eine hohe Umsetzungsqualität. Die zentrale Frage ist, ob wir Technologie, Resilienz und Zusammenarbeit schnell genug in bessere Kostenpositionen und neue Geschäftsmodelle übersetzen. Ich bin überzeugt: Der Standort ist gefährdet, wenn wir passiv bleiben; er hat gute Chancen, wenn wir Lieferketten strategisch behandeln.

Inwiefern helfen die vom VNL organisierten Veranstaltungen und Seminare dabei, aktuelle Herausforderungen in der Logistik praxisnah zu adressieren und Lösungsansätze zu entwickeln?
Unsere Veranstaltungen und Seminare funktionieren deshalb gut, weil sie nicht bei Schlagworten stehen bleiben. Wir holen Themen wie KI, Robotics, Beschaffung, Bestandsmanagement, Transport, ESG, E-Trucking oder Risikomanagement in einen konkreten Unternehmenskontext. In den Fachveranstaltungen sieht man Best Practices, hört aber auch offen, wo Umsetzung schwierig ist. In den Seminaren geht es dann um Werkzeuge, Methoden und Entscheidungen, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Betrieb einsetzen können. Gerade für KMU ist dieser Praxisbezug wichtig, weil sie keine Zeit für abstrakte Zukunftsdebatten haben. Sie brauchen klare Prioritäten: Was ist dringend, was bringt messbaren Nutzen und womit fange ich am Montag an? Der VNL schafft dafür den Raum – in großer Runde, im kleinen Kreis und in geschlossenen Expert:innenrunden. So werden Herausforderungen nicht nur beschrieben, sondern in lösbare Arbeitspakete übersetzt.
Wie trägt die Zusammenarbeit mit Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Technologiezentren im VNL dazu bei, zukunftsfähige Logistiklösungen für KMU und EPUs zu schaffen?
Die Zusammenarbeit mit Forschung, Bildungseinrichtungen und Technologiezentren ist ein Kern des VNL. Wir bringen wissenschaftliche Tiefe mit der Erfahrung aus dem Betrieb zusammen. Gerade KMU und EPUs profitieren davon, weil sie nicht jedes Thema selbst erforschen oder jeden Technologietrend selbst bewerten können. Projekte zu resilienten Lieferketten, KI in der Logistik oder Risikotransparenz zeigen, wie wichtig diese Übersetzung ist. Eine gute Lösung muss fachlich fundiert sein, aber sie muss auch in einem kleinen oder mittleren Unternehmen anwendbar bleiben. Das bedeutet: verständliche Methoden, passende Werkzeuge, realistische Kosten und klare Umsetzungsschritte. Bildungseinrichtungen liefern außerdem die Talente, die wir für die Transformation der Logistik dringend brauchen. Wenn Forschung, Ausbildung und Unternehmenspraxis zusammenarbeiten, entstehen Lösungen, die nicht nur modern klingen, sondern im Betrieb Wirkung zeigen.
Welche Trends und Entwicklungen in der Logistik sehen Sie als besonders relevant für die kommenden Jahre, insbesondere für kleinere Unternehmen?
Für die kommenden Jahre sehe ich fünf Themen besonders stark. Erstens wird Resilienz zum normalen Bestandteil jeder Logistikentscheidung, nicht nur zur Krisenreaktion. Zweitens wird KI viele Planungs-, Prognose- und Steuerungsaufgaben verändern, aber nur dort Nutzen stiften, wo Daten, Prozesse und Verantwortlichkeiten sauber sind. Drittens wird Transparenz in Lieferketten wichtiger, sei es wegen Risiko, Nachhaltigkeit, Compliance oder Kundenanforderungen. Viertens werden Automatisierung und Robotics auch für kleinere Unternehmen interessanter, wenn Lösungen modularer und leichter integrierbar werden. Fünftens bleibt der Faktor Mensch nach wie vor entscheidend: Qualifikation, Erfahrung und Führung sind durch Technologie nicht ersetzbar. Für kleinere Unternehmen wird entscheidend sein, nicht jedem Trend nachzulaufen, sondern die zwei oder drei Hebel zu finden, die im eigenen Geschäftsmodell wirklich Wirkung erzeugen. Genau hier kann ein Netzwerk helfen, weil es Orientierung aus der Praxis liefert.
Wie kann das VNL-Netzwerk dazu beitragen, die Versorgungssicherheit in Österreich auch in Krisenzeiten zu gewährleisten?
Versorgungssicherheit entsteht nicht erst in der Krise, sondern lange davor. Sie braucht Transparenz über kritische Lieferanten, realistische Alternativen, belastbare Transportketten und Menschen, die im Ernstfall schnell entscheiden können. Das VNL-Netzwerk kann hier auf mehreren Ebenen beitragen. Wir schaffen Bewusstsein, bringen Entscheidungsträger:innen zusammen und machen gute Lösungen sichtbar. Über Projekte, Veranstaltungen und Arbeitskreise können Unternehmen voneinander lernen, wie sie Risiken erkennen, Lieferketten diversifizieren und digitale Frühwarnsysteme nutzen. Besonders wichtig ist, dass Versorgungssicherheit nicht als Gegensatz zu Wirtschaftlichkeit verstanden wird. Eine resiliente Supply Chain kostet Geld, aber ein Stillstand kostet meist deutlich mehr. Österreich braucht deshalb nicht weniger Logistik, sondern bessere, transparentere und stärker vernetzte Logistik.
Zusätzlich sind wir, mit dem WIFO, der FH OÖ und dem CSH, Gründungsmitglied des ASCII, dem Supply Chain Intelligence Institute Austria, der zentralen Forschungseinrichtung für Lieferketten- und Produktionsnetzwerke in Österreich. Es wurde mit dem Ziel gegründet, Stakeholder aus Wirtschaft, inklusive Politik und Gesellschaft daten- und evidenzbasiert zu unterstützen und resiliente, nachhaltige und zukunftsfähige Lieferketten zu gestalten.

Welche Bedeutung hat die internationale Vernetzung des VNL, etwa über die European Logistics Association, für KMU und EPUs?
Die internationale Vernetzung ist für österreichische Unternehmen ein echter Hebel. Viele Risiken und Chancen enden nicht an der Staatsgrenze: Rohstoffe, Energie, Häfen, Handelsrouten, Regulierung und Technologie entwickeln sich europäisch bzw. global. Der VNL ist Mitglied der ELA – European Logistics Association und vertritt damit die heimische Logistik in Europa. Damit bekommen wir Zugang zu einer breiteren Fach- und Entscheidungsebene. Für KMU und EPUs ist das wertvoll, weil sie dadurch Entwicklungen früher erkennen und nicht nur auf nationale Sichtweisen angewiesen sind. Themen wie Qualifizierung, Supply-Chain-Risiken, Nachhaltigkeit oder Digitalisierung lassen sich europäisch besser vergleichen. Mit Formaten wie der durch den VNL organisierten internationalen ELA Global Supply Chain Excellence (inclusive ELA Awards) in Wien wird außerdem sichtbar, dass Österreich in der Logistik mehr ist als ein Transitland. Wir können zeigen, welche Innovationskraft hier vorhanden ist, und gleichzeitig internationale Impulse ins Land holen. Durch die Vernetzung können wir hier einen Beitrag zur Stärkung des heimischen Standorts beitragen – davon können auch die kleineren Unternehmen profitieren.
Welche Chancen ergeben sich für KMU und EPUs durch die Mitgliedschaft im VNL, die über reine Informationsvermittlung hinausgehen?
Eine VNL-Mitgliedschaft bietet weit mehr als Newsletter und Informationen. Mitglieder können ihr Unternehmen im Netzwerk sichtbar machen, Best Practices präsentieren und konkrete Problemstellungen in den Austausch bringen. Sie erhalten Zugang zu Menschen, die ähnliche Herausforderungen bereits gelöst haben, und zu Partnern, die bei Umsetzung, Technologie, Forschung oder Weiterbildung helfen können. Das ist besonders für KMU und EPUs wertvoll, weil sie dadurch Kompetenzen erweitern, ohne alles selbst aufbauen zu müssen. Dazu kommen Preisvorteile bei Veranstaltungen und Seminaren, Präsentationsmöglichkeiten auf unserer homepage bzw. in unserem Newsletter und exclusive Formate nur für VNL-Mitglieder, wie u.a. VNL Neujahrsempfang, Online-Erfahrungsaustausch oder Expert:innenrunden. Wer das VNL-Netzwerk aktiv nutzt, gewinnt Orientierung, Glaubwürdigkeit und Kooperationsmöglichkeiten. Und oft entstehen gerade aus einem Gespräch am Rand einer Veranstaltung jene Kontakte, die später zu einem Projekt werden.
Wie ist das Feedback von vom großartig organisierten und höchst informativen Österreichischen Logistik-Tag? Wie ist Ihr Resümee?
Das Feedback zum Österreichischen Logistik-Tag war aus meiner Sicht heuer wieder außergewöhnlich positiv. Viele Speaker haben zurückgemeldet, dass das Publikum fachlich stark war und die Diskussionen nicht oberflächlich, sondern sehr konkret geführt wurden. Aussteller haben die hohe Qualität der Gespräche und die gute Mischung aus Industrie, Handel, Dienstleistung, Technologie und Forschung hervorgehoben.

Von Teilnehmerinnen und Teilnehmern kam vor allem die Rückmeldung, dass sie Orientierung bekommen haben: zur Weltlage, zu KI und Robotics, zu Resilienz, Beschaffung, E-Trucking, Intralogistik und Materialfluss. Persönlich hat mich gefreut, dass der Logistik-Tag inclusive dem Future-Lab am Vortag nicht als reine Leistungsschau wahrgenommen wurde, sondern als Arbeitsplattform für den Standort. Mein Resümee ist klar: Wir haben den Nerv der Zeit getroffen. Die zentrale Botschaft war, dass Logistik heute über Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und industrielle Zukunft mitentscheidet. Jetzt geht es darum, aus dieser Erkenntnis konkrete Umsetzung zu machen. (RED)



