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Digitalisierung ermöglicht arbeitsteiligen, globalen Handel

8. September 2017 07:47
Digitalisierung ermöglicht arbeitsteiligen, globalen Handel

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Im Handel mit Waren und Dienstleistungen treten Daten- und Vertragsmanagement in den Mittelpunkt einer globalen, arbeitsteiligen Leistungserbringung

Die zunehmende Digitalisierung führt zu einer Vervielfachung der Daten im online Handel. Daten sind nicht mehr „Mittel zum Zweck“, um analoge Prozesse zu steuern. Daten sind die Voraussetzung, ohne die der Handel nicht mehr denkbar ist. In der analogen Welt waren wenige Daten für den Austausch großer Mengen notwendig. In der digitalen Welt sind hohe Datenvolumen für den Austausch einzelner Produkte oder Dienstleistungen die Voraussetzung der Leistungserbringung.

Demokratisierung des Handels
Die Digitalisierung ermöglicht die Teilnahme aller am Handel. Die damit einhergehende Kommerzialisierung der Gesellschaft führt zur Teilnahme aller am Austausch von Waren und Dienstleistungen. Die Rollen im Handel wechseln zwischen Händler und Konsument. Dem trägt die Gesetzgebung Rechnung. Der Begriff „Händler“ wird in der Zukunft weitest möglich definiert.

„Händler“ ist (nach den letzten europaweiten) Gesetzesentwürfen jede natürliche oder juristische Person, egal ob diese in privatem oder öffentlichen Eigentum steht, die zu Zwecken des Handels, des Betriebs eines Geschäfts, eines Gewerbes oder jedweder anderer auf Gewinn gerichteter Profession, agiert, einschließlich des Handelns durch jedwede andere Person in eigenem, oder im Namen eines Dritten.

Die anhaltende Diskussion zur rechtlichen und kommerziellen Verantwortlichkeit von Marktplätzen oder Portalen wird damit beendet werden. Es ist der „Händler“ im weiteren Sinne, den die einschlägigen Bestimmungen treffen und der als solcher auch den Konsumentenschutzrechten unterworden ist.

Wie soll der „Händler“ alle ihn betreffenden Vorschriften erfüllen?
Einzelhändler, Kleinst-, Klein- und mittelgroße Betriebe werden sich in den kommenden Jahren einer neuen Dienstleistungskultur gegenübersehen. Der Handel mit Waren und Dienstleistungen ist mit einer Vielzahl an lokalen, regionalen, nationalen und internationalen Verpflichtungen verbunden. Nur zum Teil können diese Vorgaben harmonisiert werden. Bezogen auf den Händler und dessen Kunden lassen sich die waren- und dienstleistungsspezifischen Vorschriften digital abbilden und durchsetzen.

Erste Ansätze zu dieser „arbeitsteiligen Handelsrealität“ bieten die Geschäftsmodelle der großen Plattformen und deren Leistungsversprechen. Dabei übernehmen die großen Plattformen „im Namen und auf Rechnung“ der von ihnen betreuten Händler, immer mehr das rechtskonforme Daten- und Vertragsmanagement.

Die begonnene „Vergesellschaftung“ des Handels, führt dazu, dass die marktbeherrschenden, Oligopol artigen Strukturen aus der Gründerzeit des E-Commerce, sich anpassen und ihre Geschäftsmodelle grundlegend ändern. Die Bindung der Händler an die Marktplätze und Plattformen steigt.

Ohne EAD geht nichts
Jede Interaktion die zu einem Austausch von Waren oder Dienstleistungen führt, setzt einen Austausch von „electronic advanced Data“ (EAD) voraus. Das ist im datenzentrierten Handel, nach dem Stand der Technik, heute beginnende Realität.

„Elektronisch fortgeschrittener Datenaustausch“ (EAD) ist der technisch spezifizierte Austausch von Daten, die sowohl die am Austausch beteiligten Verkehrskreise eineindeutig identifiziert, als auch die dem Leistungsaustausch zugrundeliegenden Austauschverhältnisse authentisch beschreiben. Die rechtlich und regulatorisch festgelegten Verfahren, um in einer arbeitsteiligen Wirtschaft Handel zu betreiben, greifen zunehmend auf EAD zurück.“

Rechtliche Rahmen seit Jahren vorgegeben
Datenschutz, Konsumentenschutz, Regelungen für die Paket-Zustellung, Vertrauensdienste zur gesicherten digitalen, authentischen Kommunikation, Zahlungssysteme, Transport- und Logistikanbindungen, Regelungen für das Inverkehrbringen von Waren und Dienstleistungen, und vieles mehr – alle diese Rahmenbedingungen schaffen die komplexen, einer digitalen Gesellschaftsordnung entsprechenden Grundlagen.

Die Umsetzung gestalten die Betroffenen selbst
Der digitale Handel setzt eine digitale Vernetzung der Wirtschaft voraus. Gesetzgeber und Regulierung geben den Rahmen vor, die beteiligten Verkehrskreise sind aufgerufen innerhalb des politisch vorgegebenen Rahmens – möglichst im Konsens – die notwendigen technischen Spezifikationen zu schaffen.

Mit der Umsetzung und der Anwendung der Werkzeuge, um EAD auch in die Tat umzusetzen, tritt der Handel in der EU, besser weltweit, in eine neue Phase. Ecommerce Europe, die Dachorganisation der europäischen online Händler, hat in den vergangenen 2½ Jahren begonnen, sich im Interesse seiner Mitgliedsverbände in Europa, aktiv in die Gestaltung der Rahmenbedingungen einzubringen. In diesem Sommer wird das Europäische Komitee für Normung (CEN) beginnen die technische Spezifizierung von EAD, in wesentlichen Teilbereichen voranzutreiben.

In einem ersten Schritt werden die Rahmenbedingungen für den elektronisch fortgeschrittenen Datenaustausch in drei wesentlichen Bereichen des grenzüberschreitenden Handels erarbeitet:

  • EAD im Bereich des Zolls
  • EAD im Bereich der Einfuhrumsatzsteuer
  • EAD im Bereich der Logistik und des Transports der Warensendungen

 

2017 begonnen sind 2020 die technischen Umsetzungen abgeschlossen
Daten ermöglichen es, Waren und Dienstleistungen authentisch identifiziert auszutauschen. In der Zustellung kann die Paket-Ident Nummer auf den Etiketten, direkt mit dem Inhalt der Sendung verbunden werden. Warenwirtschaft und Zustellung werden digital verbunden. Der Wert der Sendung ergibt sich aus den Preisen in der Warenwirtschaft und wird an Hand der Rechnung sendungsspezifisch zugeordnet. Die Einfuhrumsatzsteuer ergibt sich aus dem Steuersatz des Landes, in dem die Ware in den Verkehr gebracht wird. Zoll, oder auch transportrelevante Vorgaben knüpfen an vergleichbare Regelung an.

Ware und Dienstleistung können im online Handel eineindeutig identifiziert werden und den Parteien zugeordnet werden. Damit wird nicht nur der Leistungsaustausch allen Beteiligten gegenüber transparent, der Lebenszyklus der Ware oder Dienstleistung bleibt auch nach dem eigentlichen Austausch nachvollziehbar. Weitere administrative Vorschriften, die mit Waren und Dienstleistungen verbunden sind, lassen sich somit realisieren.

Schutz personenbezogener Daten ist ein wesentliches Element
Personenbezogene Daten ermöglichen es Handel zu treiben. Deshalb muss der Austausch der Daten, deren Weitergabe, aber auch deren Speicherung (um eben im Rahmen des Lebenszyklus der Waren und Dienstleistungen notwendige Dispositionen treffen zu können – z. B.: Garantie, Gewährleistung, Genehmigungen, die ein „in den Verkehr bringen“ erlauben, Abfallentsorgung, etc.) den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Nur dann ist es möglich auch den Berechtigten genau jene Daten zur Verfügung zu stellen, zu denen diese auch Zugriff erhalten dürfen. NICHT MEHR, ABER AUCH NICHT WENIGER. (WT)

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Markus Jaklitsch | LOGISTIK express Fachmedium, Markus Jaklitsch
E-Mail: info@logistik-express.at
Homepage: https://www.logistik-express.com/

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