Eine Billion Euro für eine „Europäische Seidenstraße“

Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) hat soeben eine neue Policy Note veröffentlicht, in der es ein Finanzierungsmodell für eine „Europäische Seidenstraße“ vorschlägt. Ein Großteil der europäischen Verkehrsinfrastruktur befindet sich in einem schlechten Zustand, selbst in einigen wohlhabenden Teilen Europas, wie beispielsweise Deutschland. Die Peripherie Europas hat erheblichen wirtschaftlichen Aufholbedarf – unter anderem wegen massiver Infrastrukturdefizite.

Das vorgeschlagene Projekt „Europäische Seidenstraße“ soll dazu beitragen, sowohl das Problem des schleppenden Wachstums im Westen des Kontinents als auch die Entwicklungsprobleme im Osten zu lösen. Darüber hinaus könnte es ein neues Narrativ über die Zusammenarbeit in Europa darstellen.

Die neue Verkehrsinfrastruktur (eine Kombination aus E-Mobilitätsautobahn, Hochgeschwindigkeitsbahn, Häfen und Logistikzentren) würde die Industriegebiete des Westens mit den bevölkerungsreichen, aber weniger entwickelten Regionen im Osten des Kontinents verbinden.

Das wiiw unterbreitet einen Vorschlag für die Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen auf dem europäischen Kontinent mit Hilfe eines Europäischen Seidenstraßen Trust  (ESRT), der von einem Europäischen Staatsfonds (ESWF) unterstützt wird. In der Anfangsphase könnte die Europäische Zentralbank einen Teil ihres Vermögens in einer Weise reinvestieren, die mehr Risiko mit sich bringt, aber auch mehr Einnahmen bringt, entsprechend der Struktur des norwegischen Ölfonds.

Es wird geschätzt, dass der ESWF längerfristig auf etwa 3 Prozent des BIP des Euroraums wachsen wird. Dies sollte ausreichen, um die ESRT-Anleihen zu garantieren – auch wenn sich die langfristigen Zinsen in ferner Zukunft wieder in einen positiven Bereich bewegen.

Die geschätzten Baukosten von 1 Billion Euro (7% des EU-BIP) dürften kurz-, mittel- und langfristig erhebliche wirtschaftliche Gewinne entlang der Strecke (11.000 Kilometer über Land) bringen. Neben den Wachstums- und Beschäftigungseffekten der Bautätigkeit (2-7 Millionen neue Arbeitsplätze während der Bauphase) werden auch erhebliche Handelseffekte erwartet.

www.wiiw.ac.at

 

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