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Konsumausgaben: Schlechte Aussichten für den Handel

Die Corona-Gefahr geht zurück, doch der Ukraine-Krieg, steigende Rohstoffkosten und die ungewohnt hohe Inflation dämpfen die Kauflust… Handelsverband CEO Rainer Will zum Status quo und was nun zu tun ist.

Was jahrzehntelang unvorstellbar war, ist mit dem Ukraine-Krieg bittere Realität geworden. Für uns alle steht jetzt die Bekämpfung der humanitären Katastrophe vor Ort an oberster Stelle. Aus wirtschaftlicher Sicht ist klar, dass der Krieg massiv inflationstreibend und wachstumsabschwächend wirkt, wir bewegen uns laut WIFO Richtung „Stagflation“.

Aktuell steigen die Rohöl- und Gaspreise in historische Höhen, Heizen und Tanken ist in Europa so teuer wie selten zuvor. Auch die Liste der Sekundärfolgen ist besorgniserregend. Schon die Pandemie hat gezeigt, wie fragil die globalen Lieferketten sind. Jeder Strompreisanstieg und jede Treibstoffkostensteigerung führen unweigerlich zu einer Erhöhung der Betriebskosten. Das betrifft alle Wirtschaftsbereiche, von der Industrie über die Landwirtschaft und den Handel bis zum Tourismus.

Die Inflation ist hierzulande im März mit 6,8 Prozent auf den höchsten Wert seit 1984 geklettert, Deutschland hat mit 7,3 Prozent bereits die höchste Teuerungsrate seit 1981 erreicht. Die Preise im Großhandel sind mit 25,6 Prozent regelrecht explodiert.

Die Auswirkungen auf die Konsumausgaben sind gravierend: 53 Prozent der Österreicher haben ihre Ausgaben in den letzten Wochen eingeschränkt, 14 Prozent müssen sich aus finanziellen Gründen auf den Kauf lebensnotwendiger Güter beschränken. Daher ist klar, dass viele Geschäfte des nicht-lebensnotwendigen Handels auch im Sommer 2022 einen Überlebenskampf führen werden, selbst wenn sich die Corona-Fallzahlen deutlich reduzieren. Der Flächenschwund im Non-Food-Handel von zuletzt 500.000 Quadratmetern – umgerechnet rund 80 Fußballfelder – wird sich inflationsbedingt auch heuer fortsetzen. Der Ukraine-Konflikt trübt vor allem die Aussichten für den textilen Einzelhandel ein. Einer brandneuen Studie zufolge könnte der Modehandel heuer in Europa rund 4,85 Milliarden Euro an Konsumausgaben verlieren, allein in Österreich rechnen wir mit einem Minus von 120 Millionen Euro.

Daher braucht es jetzt strukturelle Maßnahmen zur Stärkung der Kaufkraft der Bevölkerung. Das 2 Milliarden Euro schwere Energiepaket der Bundesregierung war ein erster wichtiger Schritt. Weitere müssen folgen, insbesondere die Abschaffung der kalten Progression sowie eine substanzielle Senkung der Lohnnebenkosten.

2022 entscheidet sich, ob und wie unser Land aus der Corona-Krise herausgeführt wird. Wir werden sehen, welche Auswirkungen der Ukraine-Konflikt auf Österreich und ganz Europa haben wird. Ich hoffe, dass dieser Krieg bald zu Ende geht, wir die Pandemie überwinden, den Fachkräftemangel entschärfen und die historischen Energiepreissteigerungen einigermaßen unbeschadet überstehen. Denn die ultimative Jahrhundert-Herausforderung steht uns noch bevor: die erfolgreiche Bekämpfung der Klima-Krise. (RED)

 


Quelle: LOGISTIK express Journal 2/2022

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