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Auf die Terminals kommt es an

Mit dem Terminalkonzept 2022 zeigt das Verkehrsministerium Perspektiven auf, wie die Kombi-Terminals in Österreich weiterentwickelt werden sollen. Die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene hat Priorität.

Beitrag: Redaktion.

Auf 106 DIN A4-seiten Seiten wird in dem vom Verkehrsministerium vorgelegten „Teminalkonzept 2022“ detailreich beschrieben wie es bei der Entwicklung der Intermodal-Terminals in Österreich in den nächsten Jahren weitergehen soll. Von November 2021 bis Mai 2022 wurde eifrig das Konzept aus dem Jahr 2016 überarbeitet und kürzlich als „Terminalkonzept 2022“ vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) auf dessen Website online publiziert. Bei der inhaltlichen Aktualisierung des Konzepts waren die Econsult Betriebsberatung und Herry Consult involviert, die in der aktualisierten Auflage zum einen den aktuellen Zustand beleuchten und Empfehlungen für die weitere Entwicklung der Terminals formulieren. Die großen Themen im Konzept 2022 sind Umfeld- und Marktanalyse, Wettbewerbssituation, Einfluss der Reedereien im Hinterlandverkehr, Bedeutung europäischer Seehäfen für österreichische Kombi-Terminals, Seidenstraße-Initiative, Kombi-Trassen, Strategieoptionen und last but not least Klimaschutzmaßnahmen rund um die Terminals.

„Die österreichischen Terminals sind für den Kombinierten Verkehr aktuell und mittelfristig gut aufgestellt und infrastrukturell gut ausgestattet“, lautet der Befund der Autoren gleich auf Seite sieben. Wächst der Kombi-Verkehr weiterhin, was politisch in Österreich stark gewollt wird, so wird man um Ausbaumaßnahmen nicht umhinkönnen. Das deshalb, weil Österreich klein ist und leistungsfähige Terminals rund um Österreich in nicht großen Distanzen von der Grenze entfernt liegen, die in Konkurrenz zu den heimischen Terminals stehen. „Ein mögliches Hemmnis für eine massive Zunahme von Kombi-Verkehren wird vorrangig in den verfügbaren Kapazitäten im internationalen Bahnnetz gesehen“, beschreiben es die Autoren des Konzepts. Gerade die verfügbaren Kapazitäten sind aber notwendig, um mehr Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Die Förderungen in Österreich zugunsten des Kombi-Verkehrs seien ein „gutes, wirksames und notwendiges Unterstützungswerkzeug“ für die verladende Wirtschaft und sollten weiterhin als Anreiz beibehalten werden“, so eine der zentralen Aussagen.

Die Konkurrenz lauert in den Nachbarländern.
Im aktualisierten Konzept stehen vier österreichische Regionen mit 29 Terminals im Fokus, wobei sich 14 Standorte in Österreich befinden und die restlichen im benachbarten Ausland wie beispielsweise Terminals in Budapest, München, Ljubljana, Burghausen, Cervigniano, Ulm oder Bratislava. Wenn es um die künftige Entwicklung des unbegleiteten Kombi-Verkehrs (UKV) in Österreich geht, dann zeigen Prognosen Wachstumsraten von mehr als drei Prozent pro Jahr. Diese Zahlen leiten sich aus der bisherigen Entwicklung seit dem Jahr 2019 ab. Bis 2040 könnte der innerösterreichische UKV auf mehr als 580.000 TEU steigen (2019: 347.000 TEU). Bilaterale Verkehre könnten sich auf beinahe eine Mio. TEU (2019: 447.000 TEU) erhöhen und die maritimen Verkehre lassen bis 2040 einen Zuwachs auf mehr als 600.000 TEU erwarten (2019: 310.000 TEU). „Dabei wird davon ausgegangen, dass die Steigerungen ab dem Jahr 2030 stärker sein werden als in den Jahren bis dahin“, liest man im Terminalkonzept 2022. Der Grund dafür: Werden die Terminals weiter ausgebaut so steigen auch die Umschlagsvolumina. Eine Annahme ist auch, dass der UKV stärker als der restliche Bahngüterverkehr steigen wird und der grenzüberschreitende UKV wiederum stärker zulegen wird als der nationale. Interessant ist auch: Die derzeit starke Dominanz des maritimen UKV wird sich umkehren in Richtung kontinentaler Verkehre innerhalb Europas.

Anbieterwettbewerb auf allen Wertschöpfungsebenen.
Der Kombi-Verkehr befindet sich in Österreich derzeit in einer bipolaren Situation: Der maritime KV ist im Tiefsee-Bereich ein Verkäufermarkt, in allen anderen Bereichen ist der KV hingegen durchgehend ein Käufermarkt. Daraus folgt, dass der „Anbieterwettbewerb auf allen Wertschöpfungsebenen zunimmt“, liest man Konzept auf Seite 35. Wichtiger als Prognosen der extrem volatilen Kurz- und Mittelfristentwicklungen für Strategieentscheidungen sind die Erwartungen zur langfristigen Marktentwicklung. Die Dominanz ausländischer Operateure – und zunehmend auch Reedereien – ist ungebrochen und eine strategische Herausforderung. Das Wachstumspotenzial im kontinentalen Verkehr erklärt sich damit, dass in Europa bei weitem noch nicht alle Potenziale in diesem Bereich ausgeschöpft sind. Dazu kommen Lkw-Fahrer-Mangel, Staus auf den Straßen, steigende Treibstoffkosten, die allesamt eine Verlagerung weg von der Straße und hin zur Schiene befördern. Auf der Schiene ist die Welt aber nicht in Ordnung: Auf vielen Achsen gibt es Engpässe, Baustellen und stehen die Bahnen vor Produktionsproblemen. Steigende Produktionskosten schlagen auf die Qualität des Kombi-Verkehrs durch und hemmen wiederum das Wachstum. „Wenn durch diese Probleme die Marktchancen nicht wahrgenommen werden können, kann dies eine langjährige Wachstumsbremse für den KV ein“, liest man im Konzept.

Reedereien beackern das Hinterland.
Ein heißes Thema ist die steigende Einflussnahme der Reedereien im Hinterlandverkehr. Sie expandieren entlang der gesamten Wertschöpfungskette und strecken ihre Fühler bis zum Urversender aus. Reeder übernehmen Operator-Aufgaben, die Bedeutung der Spediteure sinkt. Dabei haben Reeder auch Probleme mit ihren Fahrplänen, weil durch die überlasteten Häfen infolge der Corona-Pandemie die Schiffe vor den Häfen stauen, was für die nachgelagerten Marktteilnehmer gravierende Folgen hat. Daraus ergeben sich Chancen für Terminalbetreiber, weil sie für Seehäfen günstiger Depotaufgaben im Hinterland übernehmen können. Ebenso kann das Leercontainer-Management in Terminals im Hinterland verlegt werden. Wenn es um künftige Stärkung der Terminals geht, spielen die Rahmenbedingungen eine wichtige Rolle.
„Die in Österreich möglichen Prozentsätze der Terminalförderung sind im Vergleich zum Ausland relativ gering und sollten verbessert werden, weil es ausländischen Terminals leichter gemacht wird, in Erweiterungen oder neue Standorte zu investieren“, heißt es dazu. Die bestehenden Regelungen sollten beibehalten werden und im Vor- und Nachlauf zu den Terminals sollten die Gewichte auf 44 t erhöht werden, um die Container besser auszulasten. (RED)

 

LOGISTIK express Journal 5/2022

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