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Bestandsoptimierung im E-Commerce als kritischer Erfolgsfaktor

5. März 2018 10:00

Beitrag bequem vorlesen lassen:

Der E-Commerce-Zweig wächst weltweit. Jedoch wird durch die hohe Konkurrenz und steigende Kundenbedürfnisse der Wettbewerb immer härter. Wer als Händler nicht die richtigen Produkte auf Lager hat und möglichst sofort liefern kann, verliert. Doch wie kann diesem effizient entgegengewirkt werden?

Zunächst einmal die positive Nachricht: Es gibt zahlreiche Stellschrauben, an denen sich drehen lässt, um diese Herausforderung zu meistern! Grundsätzlich ist vor allem wichtig, nicht den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben und sich stets weiterzuentwickeln.

Diese Notwendigkeit zur Weiterentwicklung betrifft so gut wie alle Teile des Unternehmens – zwei der wichtigsten Kerngebiete sind aber unserer Erfahrung nach die Bereiche Supply Chain und Bestandsmanagement. Denn mit der Entwicklung und dem Wachstum als Händler gehen oft eine Steigerung der Bestände und ein wesentlich höherer Lagerumsatz einher. Beides muss man im Griff haben, um effizient wirtschaften zu können.

Wir sehen hier drei Hauptfaktoren, die es zu beachten gilt, um sich als Vorreiter zu positionieren. Man sollte es zwingend anstreben, diese in ein Gleichgewicht zu bringen.

Produktverfügbarkeit und Service-Level
Ihnen dürfte reichlich bekannt sein: Das gebotene Service-Level dem Kunden gegenüber, maßgeblich durch die Produktverfügbarkeit geprägt, entscheidet, ob dieser den Kauf bei Ihnen tätigt oder zur Konkurrenz abwandert. Somit sind Service-Level Grade von nahezu oder gleich 100 Prozent im E-Commerce in der Regel vorausgesetzt.

Was bei vielen E-Commerce-Unternehmen anfangs vorliegt, ist, dass der gesamte Einkauf nur reagierend und nicht vorausschauend agiert. Es werden also Bestellungen erst manuell ausgelöst, wenn die Nachfrage bereits nach oben ging oder ein gewisser Mindestbestand erreicht ist.

Die Lösung für alle Beteiligten lautet: Automatisierung mit Hilfe von fortschrittlicher Software! Das heißt, dass notwendige Bestellungen automatisch identifiziert und kommuniziert werden bis hin zur automatisierten Auslösung dieser. Doch das ist nur der erste Schritt – in einem so schnelllebigen Umfeld bedarf es auch dynamischer Aspekte. So sollten Bestandslevel automatisiert angepasst werden, wie beispielsweise Mindestbestand oder Sicherheitsbestand – und zwar geringstenfalls tagesaktuell, besser stündlich oder sogar nahezu in Echtzeit.

Interne und externe Bewertungen
Wie Sie wissen, ist für viele potenzielle Kunden die erste Anlaufstelle beim Online-Shopping eine der einschlägigen Preis-Vergleichs-Suchmaschinen. Hierbei erfolgt das Ranking der Suchtreffer bzw. anbietenden Händler auch auf Basis der abgegebenen Kundenbewertungen. Und wie erhalten Sie gute Bewertungen? Indem Sie das richtige Produkt in der richtigen Menge zur angegebenen Zeit liefern.

Neben der Produktverfügbarkeit gehört die Lieferbereitschaft zum größten Einflussfaktor der Bewertungen, was bedeutet, dass Ihr Unternehmen stets in der Lage ist, alle offenen Bestellungen zeitnah zu bearbeiten und jederzeit einen Überblick über die Bestände wahren kann. Dieser Punkt ist für viele Unternehmen im E-Commerce ein Problem.

Heutzutage ist es inzwischen notwendig, auf moderne Analyseverfahren zurückzugreifen, wie die ABC-Analyse und/oder XYZ-Analyse. Mit diesen Methoden können Sie Ihre Produkte nach Wertigkeit und Umschlagshäufigkeit klassifizieren und entsprechende Service Level festlegen. Die Höhe des Service Level wirkt sich folglich auf die Bestandshöhen aus. Denn wenn Sie jederzeit nahezu nahtlos liefern wollen, müssen die Sicherheitsbestände entsprechend höher angepeilt werden.

Überbestand als Kostenfalle
Viele aufstrebende E-Commerce Unternehmen stoßen im Zuge ihres Wachstums an die Grenzen ihrer Kapazitäten im Bestandsmanagement. Denn die Komplexität für den Bereich Supply Chain Management wächst bei steigender Unternehmensgröße – mit größer werdendem Produktportfolio, wachsender Lieferantenbasis, Zunahme von Retouren etc. – rasant. Ein großer Fehler, der daraufhin in der Praxis oft begangen wird, ist die Erhöhung der Bestände, um weiterhin den angestrebten Ziel Service Level Grad aufrecht zu halten. Das ist aber genau der falsche Ansatz!

Bestände sind gebundenes Kapital und nehmen bei E-Commerce-Unternehmen einen Großteil des Gesamtkapitals ein. Überbestand, der schnell zu Altbestand mutieren kann, ist deshalb gleichbedeutend mit totem Kapital, was schnell zu einer Kostenexplosion führen kann. Hinzu kommen die oft hohen Lagerkosten (Miete, Versicherungen…).

Das A und O, um dieses Dilemma zu lösen, sind fortschrittliche und dynamische Nachfrageprognosen. Dabei muss in die Prognosen eine Vielzahl von Faktoren mit einfließen, was unserer Erfahrung nach oft vernachlässigt wird oder mit den bestehenden Systemen im Unternehmen nicht umsetzbar ist. Sehr wichtig ist auch das Einkalkulieren von Saisonalitäten.

Allgemein sollten neben diesen Saisonalitäten alle Arten von möglichen Nachfrageschwankungen berücksichtigt und analysiert werden. Dies geschieht in der Regel auf Basis der Verkaufshistorie. Das ist an sich der richtige Ansatz im Einkaufsmanagement, birgt aber Gefahren. So tendieren viele Unternehmen dazu, die Prognosen nur in großen Zeitabschnitten anzupassen. Das ist erfahrungsgemäß viel zu ungenau und erhöht die Gefahr von Überbestand! Grund dafür ist, dass sich die Nachfrage im E-Commerce rapide ändern kann, etwa durch eine besondere Aktion eines Konkurrenten zu einem bestimmten Produkt.

Handlungsempfehlung, um das Ruder herumzureißen
Entscheidend ist in allen Fällen immer eine proaktive Planung. Man muss zum Beispiel frühzeitig Nachfragen prognostizieren können, anstelle nur darauf reagieren zu können, wenn diese Tendenzen schon eingetroffen sind. Es empfiehlt sich also frühzeitig Ihre E-Commerce Logistik unter die Lupe zu nehmen, um sich auf der sicheren Seite zu wägen.

Über den Autor
Dominik Seidel ist Marketing Manager (DACH) bei EasyStock. EasyStock ist eine Lösung zur Bestandsoptimierung für mittelständische Unternehmen.

© ESB Professional – shutterstock.com

Quelle: Logistik-watchblog

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