Cargo Center Graz expandiert im großen Stil

Das Cargo Center Graz wird im großen Stil vergrößert und stärker zu einer Drehscheibe für maritime und kontinentale Verteilungsverkehre ausgebaut. Geschäftsführer Robert Brugger im Gespräch über Seehafenverkehre, CO2-Bepreisung und gute Chancen für den Intermodal-Verkehr.

Beitrag: Redaktion

Das Cargo Center Graz in Werndorf bei Graz bekommt einen weiteren Container-Terminal mit entsprechender Infrastruktur mit Straße und Schiene. Nicht weniger als 100 Mio. Euro werden für diese Investition in die Hand genommen wobei die Finanzierung über die GWP, der Beteiligungsgesellschaft aus Land Steiermark und Cargo Center Graz erfolgt. Diese Gesellschaft ist zuständig für alle schienenseitigen Investitionen an diesem Standort, wie Robert Brugger, der seit Anfang März bzw. seit Juli dieses Jahres als allein agierender Geschäftsführer des CCG im Gespräch mit Logistik-Express erklärt.

Mit diesem Geld werden neue Gleise verlegt, werden zwei Portalkranlagen für den neuen Terminal und ein weiterer für den schon bestehenden Terminal angeschafft und die Infrastruktur geschaffen für die steigende Nachfrage von Seiten der verladenden Wirtschaft nach Dienstleistungen rund um den Intermodalen Verkehr. Immer mehr Unternehmen überdenken Ihre Transportkonzepte und nutzen die Kombination der beiden Verkehrsträger Schiene und Straße. Derzeit werden im CCG pro Jahr rund 240.000 TEU umgeschlagen, mit dem Aus- und Neubau werden die Kapazitäten verdoppelt, was auch notwendig ist, weil man in der bestehenden Anlage das Limit bei den Handling-Möglichkeiten erreicht hat. Im kommenden Jahr wird der neue Terminal fertig sein und in Betrieb gehen und will das CCG seine Rolle als multifunktionales Güterverkehrszentrum mit maritimer und kontinentaler Ausrichtung noch stärker international vermarkten, wie Brugger betont. Schon jetzt ist der Standort sehr eng mit den Adria-Häfen Koper, Triest und Rijeka verbunden. Zwischen Koper und Werndorf rollen täglich Züge mit Container an Bord, die von der CCG-eigenen Logistik-Plattform organisiert werden.

Auf diesen Zügen, die von CCG beim Bahntransportunternehmen Adria Transport mehrheitlich eingekauft und von diesem operativ abgewickelt werden finden sich viele Güter für einen namhaften europaweit präsenten Diskonter, der das CCG seit Jahren als logistische Drehscheibe für verschiedene Distributionstätigkeiten nutzt. Dieses Unternehmen hat bekanntlich mit Tailwind eine eigene Reederei gegründet und bringt mit eigenen Schiffen in eigenen Containern ordentlich viel Ladung aus Fernost nach Koper. Auf diesen Zügen gibt es aber auch Platz für andere Verlader, sprich Spediteure, die zu den Hauptkunden des CCG zählen. Die CCG-Logistikplattform agiert bewusst neutral, um die Zugkapazitäten bestmöglich und vor allem paarig auslasten zu können. Während die Züge Koper-CCG regelmäßig rollen werden zwischen Triest und Rijeka und Werndorf Züge je nach Bedarf gefahren.

„Wir merken ein steigendes Interesse an Bahnverkehren, weil sich Unternehmen immer mehr über klimafreundliche und nachhaltige Transporte Gedanken machen“, weiß Brugger aus Erfahrung. Die Nachfrage ist da, doch preislich ist der intermodale Transport gegenüber dem reinen Lkw-Transport auf der Straße noch zu teuer als dass man von einem Verlagerungsboom von der Straße Richtung Intermodalverkehr auf der Schiene sprechen könnte. Das Interesse kommt nicht nur aus Steiermark und den südosteuropäischen Ländern, sondern auch immer stärker von Unternehmen aus dem süddeutschen Raum, wo sich das Verlader Interesse auf die drei Adria-Häfen richtet. Aber auch das Bewusstsein für Nearshoring, sprich Verlagerung betrieblicher Aktivitäten in näher liegende Standorte bzw. in das benachbarte Ausland sind Gründe für die steigende Nachfrage nach einem leistungsfähigen Güterverkehrszentrum, wie sich das CCG als solches definiert. Brugger rechnet damit, dass es mit der CO2-Bepreisung im Lkw-Verkehr in Österreich ab 2024 zu einer stärkeren Verlagerung des Güterverkehrs auf die Bahn kommen wird. Der Manager ist seit 23 Jahren in der Logistik-Branche tätig ist sieht für das CCG gute Chancen mit Fokus Richtung Südosteuropa.

„Mit dem jetzigen Ausbau wollen wir im Ranking unter den Top drei der großen Güterverkehrszentren in Europa kommen“, hofft Brugger, der sich mit seinem Team die operative Exzellenz steigern und neue Kunden gewinnen will, die das CCG als Drehscheibe Richtung Südosteuropa nutzen wollen. Seit 2003 haben die öffentliche Hand und die Gesellschafter des CCG rund 350 Mio. Euro in die Infrastruktur und Suprastruktur investiert und damit eine Anlage geschaffen, die mehr als eine Mio. m2 Fläche sowie 320.000 m2 an Hallen und Büroflächen umfasst. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 5/2023

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