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Deutliche Preissteigerungen im Weltpostnetz ab 2020

Die Einigung auf neue Netzzugangsvergütungen zwischen den Postbetreibern auf dem 3. außerordentliche Weltpostkongress 23. – 26. September 2019 in Genf wird ab 2020 zu deutlichen Preissteigerungen für Warensendungen führen. Zugleich muss sich der Weltpostverein allen Betreibern und Kunden öffnen.

Beitrag: Walter Trezek.

Die Briefzustellung wird zunehmend für Warenzustellung bis 2 KG genutzt. Dafür ist aber dieser Zustellkanal nicht ausgelegt. Die Zustellung von Dokumentensendungen ist nur teilweise für eine Warenzustellung geeignet. Konsequenz ist, dass die Kosten der Postzustellung in industrialisierten Staaten, die Endvergütungen, die von den Postbetreibern in den Staaten aus denen der Warenbrief versandt wird, bezahlt werden, übersteigen.

Seit 2016, mit Beschlüssen auf dem Weltpostkongress in Istanbul, wurden die Netzzugangsentgelte für Warenbriefsendungen im Weltpostnetz mit 2018 deutlich angehoben. Den USA gingen diese Anpassungen nicht weit genug. Die USA gab am 17 Oktober 2018 ihren Austritt aus dem Weltpostverein, mit 17 Oktober 2019 bekannt. Um einen Austritt der USA, die knapp 40% der gesamten Weltpostmenge generieren vorzubeugen, kam es ab Ende 2018 zu einer grundlegenden Überarbeitung des Endvergütungssystems für
Warensendungen.

Innerhalb von 9 Monaten wurden 3 verschiedene Varianten erarbeitet. Schlussendlich einigten sich die Mitgliedsstaaten unter direkter Beteiligung der US-Administration, auf ein System in dem der größte Postbetreiber (die US-Post) ab 2020 Netzzugangstarife festlegen kann, andere Postbetreiber über einen Zeitraum von 5 Jahren die Netzzugangsvergütungen auf bis zu ¾ der nationalen Tarife anheben können. Die USA bleiben, nach der Einigung in Genf Mitglied im Weltpostverein. Die Postbetreiber in den industrialisierten Staaten werden ihre Netzzugangstarife für Warensendungen um etwa 15 – 17% pro Jahr anheben, bis zu einer Höhe von etwa ¾ der Inlandstarife.

Die entstandene de-facto Tarifhoheit der nationalen Postadministrationen führt zudem zu einem neuen System bi- und multilateraler Tarifabsprachen, die tatsächliche Sendungsmengen und vereinbarte Vorleistungen berücksichtigen werden. Solche kommerzielle Tarifvereinbarungen werden wohl deutlich unter den jetzt festgelegten Endvergütungen des Weltpostvereins liegen und von den „großen Postadministrationen“ und deren Kurier-, Express- und Paketbetreibern, oder auch von den US Expressdiensten dominiert werden.

Mit den Entscheidungen des 3. ao. Weltpostkongresses in Genf tritt der Weltpostverein in eine neue Phase, die zu einer Digitalisierung der Warenzustellung, einem weiteren Umbau und zu einer Öffnung führen kann. Heute werden etwa 70% aller Warensendungen im Weltpostnetz transportiert und zugestellt. Diese Netze sollen allen Betreibern, aber auch deren Kunden geöffnet werden. Ziel soll es sein, allgemeine Standards, aber auch die bestehende Infrastruktur allen, und nicht nur wie heute, nur den nationalen Postadministrationen zu Selbstkosten zu öffnen. Die Beschlüsse dazu werden in den kommenden 3 Monaten vorbereitet und verhandelt und auf dem nächsten regulären Weltpostkongress im September 2020 beschlossen. (WT)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2019

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