KMU als Arbeitgeber krass unterschätzt


Kleine Unternehmen werden nicht als Karriereschmiede gesehen 

Absolventen zieht es eher in grosse Konzerne mit klingenden Namen. Ihre Karriere in einem Kleinbetrieb zu starten ist für viele undenkbar – ein Fehler, sagen Headhunter.

McKinsey, IBM & Co. – das riecht förmlich nach internationaler Karriere, jeder Menge Aufstiegschancen und millionenschweren Deals, die es zu managen gilt. Wedelt hingegen ein kleiner, aber feiner Mittelbetrieb mit einem Arbeitsvertrag, winken viele Absolventen ab. „KMU werden als Arbeitgeber oft unterschätzt“, sagt Headhunterin Anja Kathrin Köstlinger, Chefin des Büros von Neumann & Partners in Salzburg, und räumt gleich mit einem Kritikpunkt auf – dem Gehalt. „Konzerne haben ihr Lohnschema und weichen in der Regel keinen Cent davon ab. KMU sind da viel flexibler, vor allem wenn sie jemanden unbedingt haben wollen.“

Schwierige Suche

Gleich 25 Absolventen stehen auf der Wunschliste von Franz Salomon, Miteigentümer des steirischen Logistik-Spezialisten Salomon Automation. Vor allem Softwareentwickler und Logistikberater sollen bis Jahresende das derzeit 320 Mitarbeiter grosse Team bereichern. Doch Salomon hat mit der Besetzung so seine Probleme. „Für Berufseinsteiger ist eher der klingende Name eines Konzerns und die Firmengrösse entscheidend. Wir müssen uns bei der Rekrutierung mehr anstrengen.“

Salomon bestätigt, dass KMU zwar schlechtere Einstiegsgehälter bieten, dafür aber mit besseren Karrierechancen punkten. „In Konzernen wird man karrieremässig verplant oder versauert irgendwo. Wir schauen viel mehr auf die individuellen Begabungen.“ Franz Salomon kennt dutzende Beispiele aus den eigenen Reihen, wo frischgebackene Absolventen eine Karriere bis hin zum Mitglied der Geschäftsführung hingelegt haben.

Keine klingenden Titel

Dass KMU durchaus eine Karriereschmiede sind, bestätigt auch Anja Kathrin Köstlinger. Sie hat seinerzeit Mitarbeiter für Red Bull, damals fünf Mann gross, rekrutiert – heute wollen alle hin. „Wenn jemand einen klingenden Namen auf der Visitenkarte haben will, ist er in einem Konzern besser aufgehoben“, sagt Köstlinger, der auch jede Menge „Nachteile“ der Grossen einfallen: „Es gibt x Ebenen, die man von seinen Ideen überzeugen muss. Wer weiterkommen will, muss Firmenpolitik betreiben.“ Die Personalexpertin sucht derzeit Generalisten für einen 15-Mann-Betrieb in Oberösterreich. „Das Unternehmen hat ein Wahnsinns-Potenzial. Wenn sie es richtig machen, kann sich die Story von Red Bull wiederholen.“

Bereits zum siebenten Mal hat heuer im März an der TU Graz die Recruitingmesse „Grösse der Kleinen“ stattgefunden. Prominente Firmennamen wird der Student hier kaum finden, dafür jede Menge interessante KMU. „Die sind am Weltmarkt erfolgreich, teilweise Marktführer in ihrer Branche und stecken dennoch in dem Dilemma, das sie kaum ein Student kennt“, so Christoph Adametz vom Veranstalter TU Graz. Der Mautsystemanbieter Efkon AG ist seit der Premiere dabei. Die Ausbeute kann sich sehen lassen: Zwei bis drei Absolventen setzen jährlich im Anschluss an die Messe ihre Unterschrift unter den Arbeitsvertrag.

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