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SAP EWM in der Fashion-Logistik

5. Dezember 2017 12:25
SAP EWM in der Fashion-Logistik

Beitrag bequem vorlesen lassen:

s.Oliver mit hochperformanter SAP Logistiklösung von IGZ

Um die Wünsche der Konsumenten in einem schnelllebigen und zugleich anspruchsvollen Markt noch besser und effizienter erfüllen zu können, setzt s.Oliver, eines der erfolgreichsten Mode- und Lifestyle-Unternehmen Europas, auf die Vorteile einer ganzheitlichen SAP Systemintegration. Bei der Implementierung von SAP EWM vertraute s.Oliver auf die Expertise von IGZ, die SAP Ingenieure aus Falkenberg/Opf. Gefragt war eine Lösung, die die dezentralen Lagerstrukturen vollumfänglich abdeckt und für höchste Durchsätze sorgt.

Als große Markenfamilie vereint die s.Oliver Group unterschiedliche Lifestyles, die sich in Brands wie s.Oliver, s.Oliver Black Label, Q/S designed by, Triangle, comma und Liebeskind Berlin ausdrücken. Der Mode-Konzern beschäftigt derzeit 7.800 Menschen und beliefert 10.500 POS weltweit. Als eigenständiges Logistik-Unternehmen innerhalb der Gruppe verantwortet die Freier Group Logistics GmbH & Co. KG, Rottendorf, deren Versorgung mit Textilien, Schuhen, Parfüms, Lizenzprodukten und Accessories.

Für die Abwicklung der Logistik steht s.Oliver eine Gesamtfläche von 175.000 m² zur Verfügung, verteilt auf 16 Logistik-Center und acht Standorte. Die große Herausforderung besteht darin, pro Jahr und Lifestyle-Linie zwölf verschiedene Kollektionen zeitnah in den Verkauf zu bringen. Dadurch vervielfacht sich das von der Freier Group Logistics zu bewegende Warenvolumen saisonal, was bedeutet, dass rund 70 % der Waren einer Saison in lediglich zehn Tagen umgeschlagen werden müssen. Auch weitere Kennzahlen verdeutlichen, welch logistische Meisterleistung erbracht werden muss: Bis zu 600.000 Teile durchlaufen täglich den Warenausgang. Mehr als 90 Mio. Teile sind es pro Jahr, die Zahl der Anlieferungen im gleichen Zeitraum wird mit über 20.000 Belegen beziffert.

SAP EWM- und Logistik-Know-how gefordert
Bis zur Umstellung auf SAP EWM (Extended Warehouse Management) wurde der durchschnittlich rund 3 Millionen Teile umfassende Lagerbestand über erweiterte Funktionalitäten in einem 20 Jahre alten Non-SAP Warenwirtschaftssystem verwaltet. Belegorientierte Prozesse, die oftmals aufwändig organisatorisch unterstützt werden mussten, waren die Regel. Davon betroffen waren neben den Muster-, Vororder-, Kunden-, Werbemittel- und Restantenlagern auch Bereiche für das Handling von NOOS-Warengruppen (= never out of stock).

Erklärte Zielsetzung war, unabhängig vom ERP-System die Tageslast in den Logistikzentren hochperformant und effizient abwickeln zu können. Sämtliche Logistikprozesse sollten in einem eigenständigen Lagerverwaltungssystem – jedoch mit voller Integration in die ERP Prozesse – abgebildet werden, um Transparenz über sämtliche Bestände zu erlangen sowie die Voraussetzungen für die Integration moderner Techniken, wie RFID, Pick-by-Voice und mobile Datenerfassung, zu schaffen. Im Fokus stand eine standardisierte Lösung, die die Expansionsgeschwindigkeit des Unternehmens unterstützen sollte.

2011 fiel die Entscheidung, SAP EWM im Rahmen der Migration auf SAP ERP einzuführen. Auf der Suche nach einem Partner, der SAP EWM-Know-how sowie darüber hinaus ein breites branchenspezifisches Logistikverständnis und eine große Anzahl an Referenzen gleichermaßen in sich vereint, fiel die Wahl auf IGZ, das in Falkenberg/Opf. ansässige SAP Logistik-Projekthaus. Konfrontiert wurden die aus s.Oliver- und IGZ-Mitgliedern gebildeten, engen Expertenteams mit vielfältigen Fragestellungen, die das ehrgeizige Projekt skizzieren. Es galt nicht nur einen Lösungsansatz für ein Lager zu finden, das sich über mehrere Standorte verteilt.

„Darüber hinaus war angesichts der gewünschten High-Performance-Verarbeitung von Lieferungen zu klären, wie sich innerhalb von nur zehn Minuten bis zu 6.000 Versanddokumente erzeugen lassen, ein unglaubliches Volumen“, erklärt Werner Hortig, Managing Director der Freier Group Logistics GmbH & Co. KG. Nicht zu unterschätzen war die Anforderung, im Zuge der Umstellung sowohl ein Non-SAP ERP als auch ein SAP ERP an SAP EWM anzubinden und mehrere Teilprojekte zu parallelisieren. Auch waren Antworten auf die Frage zu finden: „Wie testet man das alles, so dass die reale Logistik praxisnah abgebildet wird?“.

Sukzessive Umstellung und Optimierung
„Mit der Funktionsspezifikation haben wir Ende 2011 begonnen“, sagt IGZ-Projektleiter Maximilian Heinzl. „Diese basierte auf einer Analyse von zirka 60 logistikübergreifenden Prozessen und vielen hunderten von Einzelfunktionen, und das über alle Logistikstandorte hinweg.“ Nach Entwicklung der EWM-Roadmap fiel Ende 2012 der Startschuss für die Integration von SAP EWM mit SAP ERP. Die Ablösung des bestehenden Warenwirtschaftssystems erfolgt standortbezogen in Stufen, um eine sichere Umstellung gewährleisten zu können. Parallel wurde SAP EWM zur Lagerverwaltung und Steuerung der logistischen Prozesse implementiert. „Zunächst haben wir das Kundenlager auf SAP EWM 7.02 umgestellt und mit dem bestehenden Non-SAP ERP-System gekoppelt“, berichtet Heinzl weiter.

„2014 konnten wir den Releasewechsel auf SAP EWM 9.0 vollziehen und haben SAP EWM an zwei NOOS-Standorten eingeführt.“ Zum Jahreswechsel 2015/16 wurden die Vororder-Standorte mit dem höchsten Durchsatz auf SAP EWM umgestellt. Nach einem weiteren Releasewechsel auf 9.3 folgen nun die Implementierung des SAP ERP sowie dessen Anbindung an SAP EWM mittels Standard-Systemintegrationsszenarien. Zwei von Logistik-Dienstleistern betriebene Standorte arbeiten ab Januar 2017 ebenfalls im s.Oliver-IT-System SAP EWM.

Benchmark war das Altsystem
Das Kundenlager für Liegeware umfasst ca. 5.300 Pick- und 13.300 Nachschubplätze, über die eine Pickleistung von bis zu 23.000 Teilen pro Tag erbracht wird. Durch die Einführung von SAP EWM konnten eine lagerplatzgeführte und wegeoptimierte Kommissionierung sowie eine optimierte Packstückberechnung realisiert werden. Der Einsatz mobiler SAP Anwendungen sorgt für Bestandstransparenz und Systemunterstützung bei der Einlagerung. Ad-hoc-Inventuren am Lagerplatz vereinfachen die Jahresinventur.

Bereiche für NOOS-Liegeware sind mit 4.800 Kommissionierfix- und 80.000 Nachschubplätzen ausgestattet. Die tägliche Leistung liegt bei bis zu 120.000 Stück. „Bereits am ersten Tag nach dem erfolgreichen Go-Live haben wir hier den gleichen Durchsatz erzielt, wie mit dem Altsystem“, betont Werner Hortig. Tendenz: steigend. Denn über SAP EWM war die Integration einer mehrstufigen Nachschubausführung mit Multi-Task-Abwicklung möglich. Hinzu kommen flächendeckend High-Speed-Arbeitsplätze, an denen die Waren mit vier Scans pro Sekunde zu 100 % in SAP EWM erfasst werden.

In einem nächsten Schritt wurden die Lager für vorgeorderte Liegeware angebunden. Die standardnahe Verbuchungssteuerung bildet hier die Grundlage für die im Projekt geforderte hohe Performance bei der Verarbeitung von Liegeware. Bis zu 480.000 Teile können hier täglich abgewickelt werden. Mit dem erfolgreichen Go-Live wurden auch die Hochregallagerprozesse integriert. Seither erfolgt unter anderem auch die Personalbedarfsplanung im Lager systemgestützt. Plandaten ermöglichen eine optimierte Bereitstellung und auch in der Wareneingangskontrolle herrscht durchgängig Bestandstransparenz. SAP EWM sorgt ferner – wie auch in den NOOS-Lagern – für mehr Effizienz im internen Werksverkehr und im Versand-Transport.

Automatisierte Tests sichern den Erfolg
Vorausgegangen waren jeweils mehrstufige Testphasen mit automatisierten Tools, die IGZ in das Projekt mit einbrachte. Dank der bewährten IGZ-Projektmethodik mit mehrstufigen Funktions- und Integrationstests in Verbindung mit speziell auf s.Oliver zugeschnittenen, automatisierten Last-Tests hat das Projektteam nichts dem Zufall überlassen. So wurden zunächst die Vollständigkeit und die Verfügbarkeit aller im Feinkonzept definierten Funktionen geprüft. Hier konnte im Vorfeld des Go-Live der Nachweis über geforderte Antwortzeiten sowie Mengenverarbeitungen in einer realitätsnahen Systemumgebung erbracht werden.

Wenngleich der Roll-Out von SAP EWM noch nicht vollständig abgeschlossen ist – es folgen weitere Lager für Hängeware sowie die Outbound-Logistik – verzeichnet die Freier Group Logistics bereits nennenswerte Erfolge der EWM-Nutzung, wie etwa eine nunmehr optimale Bestands- und Prozesstransparenz. Der Verzicht auf Schnittstellen reduziere den damit verbundenen Aufwand und eine intelligente Einlager- und Nachschubsteuerung habe die Zugriffszeiten verringert. Nicht zuletzt ist der Fashion- und Lifestyle-Konzern s.Oliver heute in der Lage, die Betreuung und Weiterentwicklung von SAP EWM im Sinne der Wachstumsstrategie in Eigenleistung durchführen zu können.

„Die wesentlichen logistischen Bereiche wie Kundenlager, NOOS und Vororder wurden auf SAP EWM umgestellt. Ich freue mich außerordentlich, dass wir all dies zusammen mit IGZ so hervorragend bewältigen konnten“, resümiert Managing Director Werner Hortig. Das auf Logistik- und Produktionssteuerung spezialisierte SAP Projekthaus habe in jeder Phase zielorientiert und erfolgreich agiert und sich zudem als flexibler und zuverlässiger Partner erwiesen, der nun die verbleibenden Läger gemeinsam mit der Freier Group Logistics auf SAP EWM umstellen wird. Auch eine optimale Integration mit dem künftigen SAP ERP ist im EWM bereits vorgesehen.

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