Alibabas Europa-Strategie

27. Juli 2018 12:19
Alibabas Europa-Strategie

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Karl Wehner, Managing Director DACH, Turkey, Eastern Europe bei der Alibaba Group, im Gespräch mit Dunja Koelwel, Chefredakteurin beim deutschen E-Commerce-Magazin über den grenzüberschreitenden Handel und den Zugang zum chinesischen Konsumenten.

Redaktion: Dunja Koelwel

Karl Wehner: Ganz im Gegenteil. Das Ziel der Alibaba Group ist es, den Handel weltweit zu vereinfachen. Tatsächlich schwinden die Herausforderungen für den grenzüberschreitenden Handel. Technische Innovationen und neue Geschäftsmodelle bieten Marken und Unternehmern Lösungen, die Prozesse und deren Verwaltung vereinfachen und internationale Expansion, zum Beispiel nach China, möglich machen. Mit den Alibaba-Plattformen können Marken ihre digitale Präsenz in neuen Märkte aufbauen.

Heute konzentriert sich Alibaba vor allem darauf, Händlern und Marken den Zugang zum chinesischen Markt zu ermöglichen – für die Beschaffung von Waren oder den Verkauf an die wachsende chinesische Konsumentenbasis. Das Feedback unserer Partner zeigt in einer überwältigenden Mehrheit, dass der grenzüberschreitende Handel zwar Energie und Zeit in Anspruch nimmt, sich aber lohnt.

Frage: in China kümmert sich Alibaba um Vermittlung, Logistik und die Abwicklung der Bezahlung, sodass jeder chinesische Händler am weltweiten Austausch von Waren teilnehmen kann. Was bedeutet das für deutsche Händler? Wie können diese mitmachen? Funktioniert das auch umgekehrt?

Karl Wehner: Mit der grenzüberschreitenden Plattform Tmall Global bietet Alibaba Unternehmen, die über keine physische Präsenz in China verfügen, optimalen Zugang zu 552 Millionen jährlich aktiver Nutzer in China. Internationale Unternehmen, die bereits Niederlassungen in China besitzen, haben mit Tmall.com, Chinas führender Drittanbieter-Plattform für Premium-Marken und Einzelhändler, Zugang zum chinesischen Konsumenten. Deutsche Händler können beispielsweise auch Alipay nutzen – und so chinesische Touristen in Deutschland bzw. in Deutschland lebende Chinesen ansprechen.  Das Alibaba-Ökosystem steht allen Händlern offen.

Frage: Welchen Fehler machen deutsche Händler am häufigsten, wenn sie nach China verkaufen wollen?

Karl Wehner: Das Verhalten chinesischer Konsumenten unterscheidet sich stark von dem der europäischen: Chinesische Konsumenten shoppen nicht nur auf Alibaba. Für sie ist Alibaba ein Lifestyle und sie wollen die gesamte Bandbreite an Services nutzen, die das Alibaba-Ökosystem bietet.

Dabei können deutsche Partner einiges vom Beispiel China lernen, was zum Beispiel die Nutzung von Online-Technologien zur Verbesserung des Offline-Shoppings in China angeht – bei Alibaba nennen wir das „New Retail“. In China beläuft sich der Anteil an E-Commerce auf rund 18 Prozent des gesamten Handels. „New Retail“ möchte durch die Nutzung von Technologie und Daten den verbleibenden Offline-Anteil von 82 Prozent transformieren. Unser Ziel ist es dabei nicht, dem stationären Handel den Rang abzulaufen, sondern konventionelle Händler, Marken und kleinere Läden im Zentrum von Einkaufszonen zu helfen, ihre Strukturen zu modernisieren und zu verbessern. Das umfasst das Einkaufserlebnis des Kunden, aber auch etwa den Lagerbestand oder die Verkaufsflächen – damit all das auch im digitalen Zeitalter erfolgreich ist.

Ein konkretes Beispiel, bei dem wir unsere Partner, die in den chinesischen Markt eintreten wollen, beraten, ist die Gestaltung der Produkt-Detailseiten. Diese sehen in China im Vergleich zu westlichen Produktseiten gänzlich anders aus. Sie enthalten so viele Angaben wie möglich, zahlreiche Bilder des Produkts, oft auch eine komplette Auflistung aller Inhaltsstoffe bis hin zu Bildern, die den Herstellungsprozess dokumentieren. Chinesische Konsumenten wollen sich auf diese Weise ausführlich über die Qualität des Produktes informieren und sichergehen, Original-Ware zu kaufen.

Frage: Letzten September wurde viel über Logistik-Investitionen von Alibaba berichtet. Es war von 15 Milliarden Dollar die Rede, die vor allem in den Ausbau von Lager- und Lieferdiensten sowie in Datentechnik fließen sollen. Was ist seitdem in Europa, in Deutschland geschehen?

Karl Wehner: Der Fokus für Deutschland und Europa liegt darauf, hiesigen Händlern und Marken Zugang zum chinesischen Konsumenten zu ermöglichen. Logistik hierzulande ist daher derzeit kein Thema.

Alibaba will auch den Lebensmittelmarkt umwälzen. Dazu wurden  in China Partnerschaften mit etablierten Einzelhandelsgrößen geschlossen und eigene, neue Hybridgeschäfte gegründet. So können sich beispielsweise Kunden von Alibabas Hema-Kette in China an der Kasse per Gesichtserkennung identifizieren und dann das Geschäft ohne Waren verlassen. Die Einkäufe werden dann direkt nach Hause geliefert.  Ist so etwas auch für Europa geplant?

Karl Wehner: Auch hier gilt: Der Fokus für Deutschland und Europa liegt klar darauf, Händlern und Marken den Zugang zum chinesischen Konsumenten zu ermöglichen.

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 3/2018

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Wann: 26.09.2018, Wo: ALBERT HALL Albertgasse 35, 1080 Wien / Josefstadt
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