Ausrüstung und Hardware: Was Logistik-Freelancer besitzen sollten

Freischaffende Arbeit ist nicht nur für zahlreiche Sektoren in der Logistik ein großer Vorteil, sondern für die dahinterstehenden Personen meist eine hochbeliebte berufliche Freiheit. Doch damit diese funktioniert, braucht es einiges an Ausrüstung.

Das Freelancer-Dasein ist auf dem Vormarsch. Bei der jüngsten Erhebung Anfang des Jahres 2020 waren in Deutschland nicht weniger als 1,45 Millionen Personen freiberuflich tätig, womit knapp 35 Prozent aller Selbstständigen hierzulande Freelancer sind – beide Zahlen steigen bereits seit Jahren regelmäßig.

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Auch und gerade die Logistikbranche profitiert von diesen freischaffenden Personen. Ganz gleich, ob es darum geht, Prozesse zu optimieren, zu organisieren, zu steuern oder anderweitig die Betriebsabläufe zu verbessern: Freelancer liefern durch ihre externe, ungebundene Natur sehr häufig neue Impulse, können unkonventionelle Wege gehen, sind dabei selbst sehr frei und für die auftraggebenden Unternehmen dennoch meist deutlich günstiger als Inhouse-Maßnahmen.

Bloß: Um ein Freelancer in der Logistik zu werden, genügen nicht nur intime Kenntnisse der Branche und ihrer Teilgebiete in allen Details. Im Gegenteil, wer heute hier, morgen dort arbeiten möchte, muss vor allem das nötige Equipment besitzen.

Eine Frage des Geldes?

Zugegeben, es ist deutlich günstiger, die notwendige Basisausstattung für einen Freelancer zu erwerben, als selbst ein kleines Logistikunternehmen aufzubauen. Dennoch sprechen wir hier von deutlich fünfstelligen Beträgen, die innerhalb kurzer Zeit auflaufen werden – die ganze, hier skizzierte Ausrüstung muss natürlich mehr oder weniger gleichzeitig angeschafft werden, denn sie muss schon für den ersten Auftrag bereitstehen.

Empfohlen sei deshalb die folgende Vorgehensweise:

  1. Die Grundlagen aus diesem Artikel memorieren.
  2. Darauf basierend für jeden genannten Punkt Marktsondierung betreiben, mit dem Ziel, das für die eigenen Belange passendste Produkt zu finden – schließlich gibt es für jeden Punkt zig Möglichkeiten, keine davon passt jedoch für alle Freelancer gleichermaßen.
  3. Die Kaufsummen der anvisierten Produkte aufaddieren, um eine Endsumme zu erlangen.

Anhand dieser Endsumme wird nun das finanzielle Vorgehen geplant. Dabei sollten sicherheitshalber nicht zu viele bereits verfügbare Mittel aus dem eigenen Vermögen aufgewendet werden – für diese gibt es deutlich bessere Verwendungen.

Nicht zuletzt aufgrund weiterhin bestehenden Niedrigzinssituation kann ein einzelner Kredit (im Gegensatz zu mehreren Einzelproduktfinanzierungen) die bessere Wahl sein. Insbesondere dann, wenn er sorgsam durchgerechnet und verglichen wird. In diesem Fall kann die gesamte Ausrüstung zeitnah zusammen erworben werden, es fallen nur vergleichsweise geringe monatliche Rückzahlungsgebühren an.

Alles, was der Freelancer sonst noch an Eigenkapital besitzt, kann als Sicherheitsreserve für Notfälle, zusätzliche Käufe sowie zur Deckung der Betriebsausgaben und Lebenshaltungskosten in der Anfangsphase genutzt werden – just in diesen Monaten, bevor sich die ersten Gewinne einstellen, kann die Finanzlage oft gefährlich unstet sein.

 

Ein vollständig ausgestattetes Heimbüro

Freelancing bedeutet, häufig vor Ort bei logistischen Auftraggebern zu arbeiten. Ebenso wird die Arbeit jedoch auch zu einem gewissen Teil extern erledigt werden – auch außerhalb der jetzigen Situation.

Für derartige Arbeiten ist es zwingend nötig, dass Freelancer (zuhause) ein „richtiges“ Büro besitzen. Die Betonung liegt dabei auf „richtig“, denn effektive Arbeit lässt sich definitiv nicht langfristig mit einem Notebook am Küchentisch erledigen.

Das bedeutet, dieses Heimbüro sollte als vollständiger Computerarbeitsplatz konzipiert und von den restlichen Wohnräumen abgetrennt sein – wo dies nicht möglich ist, sollten Freelancer prüfen, ob sie nicht einen passenden kleinen Raum in unmittelbarer Nähe anmieten möchten.

Nötig sind zur Vervollständigung dieses Arbeitsplatzes auf jeden Fall:

  • Schreibtisch und Stuhl gemäß aktuellen arbeitsergonomischen Grundlagen.
  • Hinreichende Beleuchtung durch Kunst- und Tageslicht.
  • Ein vollwertiger Computer* mit externen Eingabe- und Ausgabegeräten (für übersichtlicheres Arbeiten seien hier dringend mindestens zwei Monitore empfohlen).
  • Ein kleines Server-System für die (automatische) Datensicherung. Das System sollte darüber hinaus so konzipiert sein, dass auch ein internetbasierter Zugriff darauf möglich ist – enorm wichtig, wenn Arbeiten beim Kunden erledigt werden müssen.
  • Zumindest ein rudimentäres Regalsystem für analoge Akten und sonstige Unterlagen.

Auch wenn es viele verschiedene Betriebssysteme gibt, sollten alle Computer eines Freelancers möglichst mit Windows bestückt sein. Der Grund dafür ist, dass dieses OS die mit Abstand größte weltweite Verbreitung aufweist und es dafür auch die meisten Programme gibt. In manchen Branchen (etwa im Kreativ-Umfeld) stellt zwar Apple mit Mac- bzw. iOS den Marktführer dar, in der Logistik vertrauen jedoch die meisten Firmen ebenfalls auf Windows.

Und auch, wenn viele Freelancer ausschließlich auf ihr Smartphone als Möglichkeit für die Telefonie setzen, so empfiehlt sich doch zumindest ein ergänzendes Headset. Soll ein vollwertiges Festnetztelefon genutzt werden, sollte es problemlos möglich sein, Anrufe auf das Handy darauf umzuleiten.

 

Ein geräumiges, verbrauchsarmes Fahrzeug

Es gibt Branchen, die sich Cluster-artig auf wenige Regionen fokussieren. Die Logistikbranche gehört definitiv nicht dazu. Ihre Betriebe sind über das gesamte Bundesgebiet verstreut, finden sich im ländlichen Niedersachsen ebenso wie in der urbanen Zone rings um München.

Wer all diese Unternehmen zumindest als theoretische Auftraggeber sehen möchte, kommt nicht umhin, unabhängig von Fahrplänen mobil zu sein. Das heißt, an einem eigenen Fahrzeug führt absolut kein Weg vorbei.

Allerdings ist längst nicht jedes Vehikel geeignet. Folgende Kriterien sollte ein Wagen erfüllen:

  • Es handelt sich um ein Fahrzeug mit Dieselmotor. Und zwar einem, der die aktuelle Abgasnorm Euro 6d erfüllt – nur das garantiert, vor keiner Umweltzone Halt machen zu müssen. Reine Elektrofahrzeuge liefern nicht die nötige deutschlandweite Reichweite, Hybriden hingegen büßen vor allem auf langen Autobahnfahrten viele Vorteile ein, da hier der (oft vergleichsweise schwache) Verbrennungsmotor meist für unbotmäßig hohe Verbräuche im Vergleich zu einem reinen Dieselmotor sorgt.
  • Das Fahrzeug sollte geräumig sein. Hinsichtlich der Größe sollte die „Golf-Klasse“ das Mindestmaß darstellen. Kleinere Fahrzeuge sind vor allem auf längeren Strecken unbequemer, da sie konstruktiv eher für den (städtischen) Kurzstreckenbetrieb konzipiert wurden.
  • Es sollte ein gutes Transportraumangebot für Akten, Arbeitsmaterialien usw. geben. Nach wie vor können hier Kombis für Freelancer die beste Wahl sein – großes Kofferraumvolumen, jedoch geringere Fahrzeughöhe und somit geringerer Luftwiderstand und Kraftstoffverbrauch als Vans oder SUV.

Auch sollte auf eine gewisse optische Zurückhaltung geachtet werden. Silber und ähnliche Farbtöne sind deshalb die bessere Wahl als (deutlich) buntere Farben.

Falls der Wagen geleast werden soll, so empfiehlt sich dringend die Variante Restwert- nicht Kilometerleasing. Die Laufleistung ist für Freelancer unmöglich für gleich mehrere Jahre im Voraus abschätzbar und führt deshalb erfahrungsgemäß zu unkalkulierbaren Zusatzbelastungen.

 

Ein leistungsfähiges Notebook

Je nach Auftraggeber werden Logistik-Freelancer mit deren IT arbeiten; je nach Art des Auftrags kann es vielleicht auch schon genügen, Arbeitsfortschritte und Projekte auf einem Tablet aufzuzeigen, gegebenenfalls mit Unterstützung durch einen Beamer (ein transportabler Mini-Beamer sollte ebenfalls angeschafft werden).

Dennoch sollten Freischaffende ein leistungsfähiges Notebook besitzen. Leistungsfähig bedeutet, dass das Gerät in allen relevanten Leistungsparametern deutlich über dem liegen sollte, was es im beruflichen Alltag leisten muss. Nur so ist das Gerät für alle Eventualitäten gerüstet.

Auch sollten Freelancer nicht den Fehler machen, auf zu schlanke, leichte Notebooks zu setzen – diesen Geräten mangelt es wegen dem kompakten Bauraum meist an maßgeblichen Anschlussmöglichkeiten. HDMI, mehrere USB-Anschlüsse und für alle Fälle am besten ein optisches (Blu-Ray-) Laufwerk sollten unbedingt an Bord sein.

Beim Kauf ist es zudem enorm sinnvoll, direkt eine zusätzliche Powerbank zu erwerben, um die Akkureichweite des Geräts auch ohne Auflademöglichkeit beträchtlich verlängern zu können. Doch Achtung: Nicht jede Powerbank kann auch Notebooks aufladen. Es ist zwingend nötig, ein Modell zu kaufen, welches die vom Laptop benötigte Spannung und Stromstärke liefern kann – nicht alle Klapprechner arbeiten mit zwölf Volt.

Und natürlich gilt beim Notebook dasselbe wie beim Computer im heimischen Büro: Darauf sollten alle Softwares installiert sein, die für die Ausübung der Aufträge benötigt werden.

 

Eine für den Logistikbetrieb passende PSA

Logistik-Freelancer arbeiten nur in Büroräumen? Falsch. Es wird immer wieder nötig sein, auch dort zu agieren, wo der eigentliche Betrieb abläuft – zwischen Hochregalen und Förderbändern.

Prinzipiell obliegt es zwar dem jeweiligen Auftraggeber, jedem, der sich in solchen Bereichen aufhält, die aufgrund der Gefährdungsbeurteilung vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung zur Verfügung zu stellen; jedoch wirkt es alleine schon deutlich professioneller, wenn ein Freelancer zumindest die grundlegenden Bestandteile selbst mitbringen kann.

Grundlegend bedeutet, dass die PSA den typischerweise in der Logistik auftretenden Gefahren Genüge tun sollte. Das bedeutet:

  • Sicherheitsschuhe der Schutzklasse S1.
  • Ein Kapselgehörschutz von einem Markenhersteller.
  • Mitunter eine leichte Warnweste.
  • Ein einfacher Schutzhelm, der die Vorgaben der EN-397 erfüllt (bei Markenprodukten immer gegeben).

Dabei empfiehlt es sich, diese PSA-Bestandteile dauerhaft im Fahrzeug zu lagern, damit sie bei jedem Kundentermin griffbereit sind. Es ist jedoch unbedingt darauf zu achten, dass sie nicht durch sommerlich hohe Temperaturen und UV-Strahlung beansprucht werden – gegen letzteres hilft es bereits, die Sachen in einem blickdichten Behältnis unterzubringen, beispielsweise einem Stoffbeutel.

Auf diese Weise muss ein Auftraggeber dem Freelancer dann nur noch zusätzliche Ausrüstung bereitstellen, wenn es für den Betrieb/Bereich zusätzliche Anforderungen gibt.

 

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