Fulfillment oder eigenes Lager – welche Logistikstrategie ist die beste für die City?

Gemäß Expertenschätzungen werden im Jahr 2050 zwei Drittel der Weltbevölkerung in Städten leben. Bereits heute leben etwa 55 Prozent der Bevölkerung in den Metropolen dieser Welt

Beitrag: REDAKTION

Der Effekt der zunehmenden Urbanisierung in Verbindung mit dem steigenden E-Commerce Wachstum ist eindeutig: Die Citylogistik im E-Commerce Sektor erhält eine wachsende Bedeutung. Versandgeschwindigkeit bei gleichzeitiger Marktbeständigkeit sind ausschlaggebend für die Logistik der Zukunft. Um die Unternehmensentwicklungen erfolgreich in die richtigen Bahnen der Zukunft zu lenken und diesen künftigen Ansprüchen gerecht zu werden, müssen bereits heute strategisch wichtige Logistikentscheidungen getroffen werden. In- versus Outsourcing: Welche Logistikstrategie ist für die City die richtige? Dies ist eine essenzielle Fragestellung für E-Commerce Unternehmen in Bezug auf Logistik und Versandgeschwindigkeit.

Outsourcing.
Der Trend hin zur Versandabwicklung durch einen Fulfillment-Anbieter hält im E-Commerce an. Ob Start-up oder etablierter Online-Player, Unternehmen mit unterschiedlichsten Versandvolumina greifen auf Outsourcing-Angebote zurück. Welche Vorteile erzielen Händler bei der Auslagerung ihrer Waren?

  1. Berechenbare Sortimentserweiterung: Wachstum oder die Erweiterung des Artikelsortiments sind durch Outsourcing auf der Kostenseite kalkulierbar.
  2. Fokus auf Kernkompetenzen: Durch die Auslagerung der logistischen Versandabwicklung bleiben auf Management-Ebene mehr Ressourcen für die Gestaltung des Online-Shops, Marketingstrategien und strategische Positionierung.

Insourcing.
Beim Insourcing behält der Händler komplett die Kontrolle über die eigenen Logistik-Prozesse und kümmert sich auch um deren Abwicklung. Viele Händler verstehen die Optimierung der eigenen logistischen Prozesse als Schlüsselelement, um sich durch ausgezeichnete Servicequalität beim Versand im Markt von Mitbewerbern zu differenzieren. Vorteile dieser Strategie sind unter anderem:

  1. Absolute Unabhängigkeit: eigene Artikel, eigene Mitarbeiter, eignes Lager und eigenes Qualitätssiegel. Wer sein eigenes Lager steuert, hat die Hoheit und die Kontrolle über die Geschwindigkeit und Qualität der versendeten Waren und kann direkt in den Versandprozess eingreifen.
  2. Kostengünstige Kalkulation: Als Herr über die eigenen Prozesse und Ressourcen können Online-Händler mit eigenem Lager kontinuierlich an diversen Stellschrauben drehen, um Prozesse effizienter und zugleich kostengünstiger zu gestalten. Dies ist bei einer festen Kostenkalkulation über einen Logistikanbieter kaum möglich. In Bezug auf die wachsenden Anforderungen an die City-Logistik, zählen für beide Strategien die Aspekte „zentrale Lagerung“ sowie „Flächenbedarf bei steigenden Grundstückspreisen“ eine wichtige Rolle.

Hybrid-Modell: das Beste aus beiden Welten.
Ein besonders interessantes neues Modell, um dieser Herausforderung gerecht zu werden, ist daher ein sogenanntes „Hybrid-Modell“ aus Fulfillment und eigenem Lager. Online-Händler profitieren bei dieser noch besseren Art des Fulfillments vom Besten aus beiden Welten: Haben Händler beispielsweise ein oder zwei Städte mit einem besonders hohem Bestellvolumen, bietet sich ein eigenes zentrales City-Lager an, in dem nur A-Artikel geführt werden. Diese A-Artikel sind solche Waren, deren jährlicher Verbrauchswert am höchsten ist und nur rund 10-20 Prozent des gesamten Lagerbestands ausmacht. Da die geringe Lagermenge geringere räumliche Kapazitäten erfordert, kann ein Lager in zentraler Citylage ohne großes Investment geführt werden. Die zentrale Lage in einem Ort oder in mehreren spezifischen Städten ermöglicht es, Schnelldreher in einem nahen Umkreis mit höchster Geschwindigkeit zum Beispiel via eigener Fahrradkuriere an den Kunden zu liefern.

B und C Artikel mit hohem Lagerbestandsvolumen bei mittlerem/niedrigen Verbrauchswert werden vom Online-Händler an einen Fulfillment-Anbieter outgesourct. Durch die meist gut verteilten Lagerstandorte der Anbieter und die späten Cut-off-Zeiten, erfolgt dank der Ausnutzung von Synergieeffekten meist ein taggleicher Versand, wodurch die Waren schneller in diverse Städte geliefert werden können. Durch den Einsatz einer gemeinsamen Warehouse-Management-Software, automatisiert der Händler somit seine eigene Lagerlogistik und kann gleichzeitig transparent in die Auftragsabwicklungsprozesse des Fulfillment-Dienstleisters Einblick erhalten sowie diese sogar auf Wunsch auch beeinflussen. Die Versandabwicklung der B und C Artikel an sich verbleibt jedoch komplett beim Fulfiller.

Händler sichern sich somit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: Der Einsatz einer intelligenten Warehouse-Management-Lösung im Hybrid-Modell mit einem Fulfillment-Dienstleister hilft im eigenen Lager Umschlagzeiten zu optimieren, Lagermengen zu reduzieren sowie Lagerkapazitäten optimal zu nutzen. Zudem profitiert der Händler von Transparenz durch direkte Einblicke in beispielsweise Kundenservice, Einkauf oder Reportings sowie der Möglichkeit durch größtmögliche Skalierbarkeit auf wechselnde Marktbedingungen einzugehen und sein Business auf die zukünftigen Anforderungen der E-Commerce Logistik auszurichten. (RED)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 1/2019

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