KMU, das unbekannte Wesen?
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bilden das Rückgrat der Wirtschaftslandschaft und haben damit wesentlichen Einfluss auf die ökonomische Struktur. Dies gilt für die gesamte Europäische Union und im Besonderen für Österreich, wo der unternehmerische Mittelstand noch stärker ausgeprägt ist. Eine verbindliche Definition für kleine und mittlere Unternehmen gibt es nicht. Lediglich eine „Empfehlung betreffend die Definition der Kleinstunternehmen sowie der kleinen und mittleren Unternehmen“ dient als Anhaltspunkt für die Zuordnung der Unternehmen nach ihrer größenmäßigen Gliederung. Als KMU werden demnach Betriebe bezeichnet, wenn die Mitarbeiterzahl kleiner als 250 ist. Die Zahlen sprechen jedenfalls eine eindeutige Sprache: Mehr als 99 Prozent der Betriebe in Österreich sind KMU. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen beschäftigen weniger als zehn Mitarbeiter. Es sind rund 1.500 Betriebe, die mehr als 250 Mitarbeitern Arbeit geben – aber rund eine Viertelmillion Unternehmen, die unter 250 Mitarbeiter beschäftigen. „Erfolgreiche Verlierer?“ Lusak zieht folgende Schlussfolgerungen aus den Befragungsergebnissen: „Zuerst einmal erwecken die krisenbedingten Rettungseinsätze von Regierungen für Banken, Großfirmen und ‚sozial Schwache‘ den Eindruck, dass der Mittelstand ‚überbleibt‘. Die Menschen haben das Gefühl, dass in unseren westlichen Demokratien mehr für oben und unten, links oder rechts gemacht wird, aber zu wenig für die Mitte. Wenn die KMU als ‚Wirtschaftsflügel‘ des Mittelstandes den Profi-Lobbyisten in Konzernen und Sozialpolitik nicht weiter zu viel Feld überlassen wollen, dann sollten sie ihr Lobbying neu aufstellen! Lusak resümierend im Logistik express-Interview: „Die KMUs haben sensationelle Potenziale, Ideen und Innovationen parat, aber ohne professionelles Lobbying sind ihre Finanzierungen und Realisierungen kaum durchsetzbar. Wenn die internationale Staatengemeinschaft der zunehmenden Dominanz der Konzerne und Finanzwirtschaft nicht Herr wird, muss sie weltweite Gesetze für Eindämmung und Zerschlagungen schaffen. Es sollte mehr Geld in regionale, nachhaltige Wirtschaft, in Forschung & Entwicklung der KMU, in erneuerbare Energie und in die Ausbildung der Menschen investiert werden.“ „Akuter Handlungsbedarf!“ „Es ist höchste Zeit, die mittelständische Wirtschaft – auch in den Interessensvertretungen – stärker zu berücksichtigen. Über drei Viertel negatives Feedback für die Kammerorganisation fordert nach einer Korrektur dieser Schieflage zu Gunsten der österreichischen KMU“, gibt sich YouGov Psychonomics-Managerin Dr. Birgitta Wallner kämpferisch. Das vergangene Jahr 2009 sieht die heimische mittelständische Wirtschaft jedenfalls als (sehr) schlechtes/ schwieriges Jahr, mehr als die Hälfte der KMU glaubt jedoch an eine positive Entwicklung 2010. Den nächsten fünf Jahren bis 2015 stehen drei Viertel der Unternehmen wiederum positiv gegenüber. Die Ertragspotenziale werden vornehmlich im eigenen Land gesehen. Über zwei Drittel haben Österreich im Fokus, weitere 22 Prozent konzentrieren sich auf die D-A-CH – Region (Deutschland/ Österreich/ Schweiz). Lediglich vier Prozent sehen ihre künftigen Chancen in Osteuropa und zwei Prozent in Asien/Indien/China. Betriebsintern gut aufgestellt In den kommenden zwölf Monaten steht in den KMU eine Reihe von Aktivitäten auf dem Programm. Fast jeder siebente Betrieb plant Reorganisationsmaßnahmen, 47 Prozent wollen ihre Produkt- bzw. Dienstleistungspalette erweitern. 40 Prozent beabsichtigen in Aus-und Fortbildung zu investieren, ein Drittel möchte den Bereich Forschung und Entwicklung ausbauen. Auf der anderen Seite plant rund jeder dritte Betrieb eine Reduktion des Personalstammes. Nur zwölf Prozent haben vor, Personal aufnehmen. Auch bei Akquisitionen und Finanzinvestitionen sind die Unternehmen noch zurückhaltend. Auf der Bremse stehen die KMU außerdem bei Sachinvestitionen. Betriebe trotz Krise optimistisch Gleichzeitig dürften sich die Unternehmer jedoch vor allem Sorgen über hohe Personalkosten machen. 57 Prozent aller Firmen gehen von steigenden Gehältern und Sozialleistungen aus. Als größte wirtschaftliche Herausforderungen sehen KMU die Gewinnung von Neukunden, die Bindung bestehender Kunden und den Ausbau der Konkurrenzfähigkeit. Dennoch glaubt ein Drittel der KMU daran, seine Marktposition in den nächsten Jahren ausbauen zu können. Eine Expansion ins Ausland dürfte dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen (nur sechs Prozent). Als Erfolgsrezept werden vor allem intensive Kooperationen mit anderen Unternehmen und die Modernisierung des eigenen Betriebs gesehen – mehr als 40 Prozent wollen ihre Ausgaben in diesem Bereich erhöhen. Dies wirkt sich direkt auf den Finanzierungsbedarf der KMU aus, der künftig vor allem im Bereich Investitionen bzw. Modernisierung gesehen wird. Rückblickend hat die Wirtschaftskrise nur einen Teil der Betriebe stark erfasst. Knapp 80 Prozent der KMU sind davon überzeugt, dass sich die Krise im Vorjahr nur „etwas“ bzw. gar nicht auf ihr Unternehmen ausgewirkt hat. Nur rund ein Fünftel (21 Prozent konstatiert deutliche Auswirkungen auf den Betrieb. Im Vergleich wurden mittlere Unternehmen etwas stärker von der Krise getroffen als kleine. 70 Prozent der steirischen Unternehmen geben an, „die Krise sehr oder etwas zu spüren bekommen zu haben“. Niederösterreichische Unternehmen zeigen sich hingegen am ehesten krisenresistent: Nur 12 Prozent geben an, die Krise „stark zu spüren“. „Natürlich spüren Länder mit industriellen Strukturen die Krise verstärkt“, meint der Firmenkundenchef der Erste Bank. Für die Zukunft zeigt sich ein Großteil der KMU überaus optimistisch und von einer positiven Wirtschaftsentwicklung überzeugt: 26 Prozent der Unternehmen rechnen schon in einem Jahr mit einer Erholung, weitere 29 Prozent erwarten den Aufwärtstrend binnen zwei Jahren. Weniger als ein Drittel ist pessimistischer und glaubt, dass der Aufschwung noch drei Jahre oder länger auf sich warten lassen wird. 92 Prozent aller österreichischen KMU verfügten 2009 nach eigener Angabe übrigens über einen ausreichenden Kreditrahmen und 73 Prozent der Unternehmen sehen auch für die nächsten ein bis zwei Jahre keinen zusätzlichen Finanzierungsbedarf in Form von Bankkrediten. 19 Prozent aller befragten Unternehmer hingegen sehen einen deutlichen Bedarf für Finanzierungen. (PJ) Logistik express Redaktion: Paul Christian Jezek |