Privatinsolvenzen steigen angesichts der allgemeinen Lage moderat um 5,4%, kein Grund für Alarmismus

Der Gläubigerschutzverband Creditreform hat die endgültigen Zahlen bei den Privatinsolvenzen für das 1. Halbjahr 2023 in Österreich analysiert. Die Gesamtzahl der Privatinsolvenzen steigt angesichts der zahlreichen Krisen nur moderat um rund 5% auf knapp 5.000 Verfahren an.

Das Vor-Pandemie-Niveau ist damit noch nicht erreicht. Die Zahl der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren ist dabei um 4,5% auf rund 4.500, die mangels Vermögen abgewiesenen Insolvenzen um starke 16% auf 442 Verfahren angestiegen. In jedem 10. Fall droht somit der „ewige Konkurs“ und den Gläubigern ein Totalausfall ihrer Forderungen.

Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Österreichischer Verband Creditreform analysiert die Insolvenzentwicklung: „Bedenkt man die Kassandrarufe über die Verarmung des Mittelstandes, so zeigt der Trend bei den Privatinsolvenzen, dass Alarmismus fehl am Platz ist. Ein nach wie vor robuster Arbeitsmarkt, hohe Gehaltsabschlüsse und zahlreiche finanzielle Unterstützungen des Bundes und der Länder haben den Inflationsdruck gemildert. Es sind daher auch keine anderen Personengruppen verstärkt insolvent geworden als es schon früher der Fall war.“   

Die Gründe für eine Privatinsolvenz bestehen aus einer toxischen Mischung vieler Probleme, die sich über eine längere Zeit aufgebaut haben: Verlust des Arbeitsplatzes, gescheiterte Selbständigkeit, Krankheit. Gemeinsam ist den meisten Insolvenzfällen aber der generell sorglose Umgang mit Geld.

Ein Drittel der Schuldner sind gescheiterte Selbständige. Die Durchschnittsverschulden liegt bei rund 61.000 Euro.

Bundesländervergleich: 8 von 10.000 Erwachsene sind insolvent

Der Bundesländer-Vergleich zeigt den stärksten Zuwachs in Vorarlberg (+37,1%), gefolgt von Salzburg (+24,2%) und Kärnten (+22,7%). In einem einzigen Bundesland sinken die Insolvenzen, in der Steiermark um 12,2%.

Traditionell ereignen sich ein Drittel aller Privatinsolvenzen in der Bundeshauptstadt. Wien ist sowohl Spitzenreiter bei der absoluten Zahl an Insolvenzen (1.629 Fälle) als auch bei der relativen Insolvenzbetroffenheit: 12 von 10.000 erwachsene Wiener schreiten zum Insolvenzgericht. Aber Wien verzeichnet neben Niederösterreich (+0,6%) den zweitgeringsten Anstieg (+1,5%).

Österreichweit sind in etwa 8 von 10.000 Erwachsene zahlungsunfähig.

Conclusio und Ausblick 2023

Stiegen die Privatinsolvenzen im vergangenen Jahr um 19%, so hat sich dieser Trend aktuell stark abgeschwächt. Der Fachkräftemangel und der stabile Arbeitsmarkt verhindern die größte Insolvenzursache: den Verlust des Jobs und die dadurch bedingte Zahlungsunfähigkeit. Die Inflation trifft viele, wird aber auch breitflächig durch Gehaltserhöhungen, Teuerungsausgleich, Energiekostenzuschuss, Schulstartgeld u.v.m. abgefedert. Zudem beginnen immer mehr Menschen zu sparen, beim Stromverbrauch, im Gasthaus oder zum Leidwesen des Handels bei allgemeinen Konsumausgaben.

Zu erwarten ist daher ein weiterhin moderater Anstieg der Privatinsolvenzen, sodass das Vor-Pandemie-Niveau von 2019 wahrscheinlich knapp verfehlt wird. Dazu Gerhard Weinhofer: „Für das Gesamtjahr 2023 ist mit 9.000 bis 10.000 Privatinsolvenzen zu rechnen. Selbst im Fall einer Rezession wird die Zahl der Arbeitslosen und der dadurch von einer Insolvenz bedrohten Personen nicht stark ansteigen, da der Fachkräftemangel ein langfristiges, da demographisches Problem ist.“    

Rückfragehinweis:
Österreichischer Verband Creditreform
Mag. Gerhard M. Weinhofer
Geschäftsführer
+4367683218290
g.weinhofer@wien.creditreform.at
www.creditreform.at

Quelle: APA / OTS

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