Studieren geht über probieren

Die Möglichkeiten, sich zum Logistiker ausbilden zu lassen, sind vielfältig: Ein Studium der Industrielogistik in Leoben, ein Masterstudium in Supply Chain Management an der Fachhochschule Steyr, die Absolvierung der Logistik Akademie der Bundesvereinigung Logistik Österreich (BVL) etc. Bei so viel Auswahl kann die Entscheidung schwer fallen.

Engagierte Schüler und Studenten zeigen vor, wie man den richtigen Weg einschlägt. Es ist die Kombination aus einer gut organisierten, weltoffenen Bildungseinrichtung und einem motivierten Schüler, der den Ausbildungsweg geht, der ihn wirklich interessiert, die zum Erfolg führt. Die vermittelten Lehrinhalte können so einen wesentlich Beitrag zur zukünftigen Karriere leisten. Logistik express hat Meinungen von Studentinnen und Studenten einschlägiger Studien über ihre Ausbildung und zukünftigen Karrierechancen beleuchtet.
 
Von der Schulbank auf die Karriereleiter
Constanze Weiss ist Absolventin des Bachelorstudiums International Logistics Management an der Fachhochschule Steyr und derzeit dabei, berufsbegleitend den Master in Supply Chain Management zu absolvieren. Die Ausbildung an der FH Steyr war ihre erste Wahl: „Ich komme eigentlich aus Deutschland. Dort gibt es jedoch keine vergleichbare Ausbildung im Bereich Logistikmanagement. Daher war für mich klar, dass ich nach dem Abitur nach Österreich gehe.“ Eine gute Entscheidung, betrachtet man den beruflichen Werdegang von DI (FH) Franz Humer, der nach dem Diplomstudium Automatisierungstechnik in Wels sowie dem Masterstudium Supply Chain Management in Steyr Geschäftsführer der Firmen INTREST Green OG sowie der INTREST Services GmbH wurde: „Für mich waren vor allem die Kurse über Managementmethoden essentiell für meinen derzeitigen Beruf.“ Obwohl Humer sehr zufrieden mit den Inhalten seiner Ausbildung in Steyr war, würde er jedem angehenden Logistiker eine fächerübergreifende Ausbildung empfehlen: „Reine Logistiker haben meiner Meinung nach grundsätzlich weniger gute Chancen, hoch ins Management aufzusteigen.“ Auch die Förderung individueller Kompetenzen kommt in Steyr etwas zu kurz. Diesen Umstand können auch Andreas Zopf und Martina Tragenreif, beide Studenten der Industrielogistik in Leoben, bestätigen: „Der Lehrplan bietet meiner Meinung nach wenige Möglichkeiten für die Studierenden, individuell auf einzelne Interessen einzugehen“, meint Zopf. Tragenreif würde sich eine Lehrveranstaltungsauswahl basierend auf einzelnen Modulen wünschen, die den Interessen des einzelnen Studenten entsprechen.
 
Bei Jahrgängen mit 40 bis 50 Studenten in den jeweiligen Kursen eine durchaus umsetzbare Zukunftsvision. Eine andere Möglichkeit individuelle Interessen zu vertiefen, bieten Weiterbildungsprogramme wie die Logistikakademie der BVL.
 
Auch Hans soll noch lernen
Die BVL Österreich hat einige Teilnehmer der Logistikakademie befragt, wie sie ihre Ausbildung einschätzen – das Ergebnis war durchaus positiv. „Die Module der Akademie decken das breite Feld der Logistik sehr gut ab“, so die Teilnehmer. Auch an dieser Institution wird das Erlernen von Management Skills als besonders wichtig eingestuft. Ein Punkt, den man als angehender Logistikstudent wohl nicht vernachlässigen darf, bedenkt man, dass die meisten Kursteilnehmer der Logistikakademie aus den Führungsgremien von Großunternehmen stammen. 
 
Es sich nach dem Studium als vollzeitarbeitender Logistiker bequem machen zu können, sollte man von vorneherein ausschließen: „Weiterbildung und Zusatzqualifikationen sind wichtig, weil niemand auf einem Level stehen bleiben kann, sondern sich gerade in der schnell ändernden Branche der Logistik immer weiter bewegen muss“, so Peter Totz, Head of Logistics Consulting, Salomon Automation – SSI Schäfer und Absolvent der Logistikakademie der BVL.
 
Essentieller Bestandteil berufsbegleitender, weiterbildender Lehrgänge ist das Lernen der Teilnehmer von einander durch reale, praktische Beispiele aus dem Berufsleben. Davon profitieren auch die Studenten der Fachhochschulen und Universitäten.
 
Lernen aus der Praxis
Durch verpflichtende Unternehmenspraktika, Firmenpräsentationen und –exkursionen hat man bereits während des Studiums die Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln und Kontakte zu knüpfen: „Uns haben Personen aus der Wirtschaft unterrichtet, die beispielsweise in Unternehmen wie BMW, Porsche und Siemens gearbeitet haben. Dabei haben wir praxisnahe, teilweise reale Problemfelder bearbeitet“ so Weiss, die derzeit bei dem Unternehmen arbeitet, bei dem sie auch ihr Berufspraktikum absolviert hat.
 
Schwieriger gestaltet sich das Knüpfen von Kontakten für zukünftige Karrierechancen bei überfüllten Studiengängen, wie jenem der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Graz: „Wir sind vor allem in den ersten Semestern einfach zu viele Studenten. Daher sind die Prüfungen auch äußerst schwierig. Wir haben teilweise eine Durchfallquote von 70 Prozent“, erklärt Lukas Herzog, BWL-Student in Graz. 
 
Knock-out-Prüfungen, hoher Lernaufwand und der Wille, auch nach dem Abschluss neben einer oft hauptberuflichen Tätigkeit noch Weiterbildungsseminare zu besuchen – das Leben zukünftiger Führungskräfte in der Logistik ist nicht einfach. Mit der nötigen Portion an Motivation und der Erinnerung an das alte Sprichwort: „Aufgegeben wird nur ein Brief“, ist der Weg die Karriereleiter hinauf jedoch einfach zu schaffen.  

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