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Südafrika: Geförderte Logistik und Automobilproduktion

27. November 2017 09:58
Südafrika: Geförderte Logistik und Automobilproduktion

Beitrag bequem vorlesen lassen:

Die Regenbogennation durchläuft eine krisenreiche Zeit, die politische Skandale, fallende Rohstoffpreise und Energiekrisen mit sich bringt. Der Geschäftsführer von Transnet Port Terminals sieht dennoch einen Lichtstreif am Horizont. Das staatliche Unternehmen Transnet hat bereits mit einem milliardenschweren Ausbau der Infrastruktur begonnen. 

Die Republik an der Südspitze Afrikas befindet sich in einer schwierigen Phase. Skandale und Vorwürfe der persönlichen Bereicherung und Korruption gegen den Präsident Jacob Zuma und die Einflussnahme reicher Familien wie der Gupta-Familie auf die Politik erschüttern das Land mit fast 56 Millionen Einwohnern in seinen Grundfesten. Entscheidungen in staatlichen Ministerien und Unternehmen werden laut eines Untersuchungsberichts gezielt beeinflusst, um privaten Geschäftsinteressen zu dienen. Die ohnehin schwache Wirtschaftskonjunktur und das Investitionsklima werden durch die Vorfälle zusätzlich negativ beeinflusst. Wichtige Gesetzesvorhaben stecken bereits seit Jahren fest.

Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts fiel gemäß Weltbank in 2016 auf 0,6 Prozent. Für 2017 (1,1 Prozent) und 2018 (rund zwei Prozent) wird eine leichte Erholung prognostiziert. Der Infrastrukturausbau wurde seit Jahren vernachlässigt, was zu einer weiteren Beeinträchtigung des Wirtschaftswachstums führt. Trotzdem rankt die Republik noch auf Platz 20 von 160 Ländern weltweit beim Logistics Performance Index der Weltbank (2016). Er unterteilt sich in die sechs Kategorien:  Zoll, Infrastruktur, internationaler Versand, Logistikleistung, Nachvollziehbarkeit und Pünktlichkeit. Die Punktzahlen der einzelnen Kategorien werden mittels eines gewichteten Durchschnitts zu einer Gesamtzahl aggregiert, die eine Rangliste der untersuchten Staaten ergibt.

Neben dem Fachkräftemangel bei gleichzeitig extrem hoher Arbeitslosigkeit von 26,6 Prozent, häufigen Streiks, dem Missmanagement in Staatsunternehmen, der Energiekrise, der hohen Inflation und politischen Unsicherheit, wird der Staat am Kap der Guten Hoffnung durch externe Faktoren wie fallende Rohstoffpreise gebeutelt. Zudem kam es aufgrund des Wetterphänomens El Nino zu einer extremen Dürre in 2015/16 mit schweren Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Südafrika besitzt insbesondere für die deutsche und europäische Automobilindustrie einen hohen Stellenwert.

Germany Trade & Invest
Deutschland ist laut Germany Trade & Invest nach China das wichtigste Lieferland für Südafrika. Neben einem der größten Goldvorkommen der Welt, werden Diamanten, Kohle, Platin, Eisen, Mangan, Kupfer, Erdöl, Uran und Blei gefördert und weltweit verkauft. Die Republik ist das viertwichtigste Land für die Eisenerzversorgung Chinas. Weiterhin besitzt das aufgrund seiner gemischten Bevölkerung als Regenbogennation bekannte Land große Erdölvorkommen.

Ausbau der Infrastruktur mit milliardenschwerem Programm
Die Studie „Logistics Barometer 2016“ der Universität Stellenbosch ermittelt für 2014 ein Frachtaufkommen von 848 Millionen Tonnen (+8,4 Prozent gegenüber 2013). Für 2015 werden 865 Millionen Tonnen erwartet und für 2016 wird aufgrund geringerer Exporte im Bergbaubereich ein Abfall auf 856 Millionen Tonnen prognostiziert. Mehr als 80 Prozent der allgemeinen Fracht wird per Lkw transportiert. Auf der Schiene rollen vor allem Rohstoffe für den Export. Die Logistikkosten lagen in 2014 bei 11,2 Prozent des BIP (Deutschland 8,6 Prozent). Laut Vorhersage wird sich das Frachtvolumen in den nächsten 30 Jahren mehr als verdoppeln. Daher muss die Infrastruktur dringend ausgebaut werden. Die staatliche Transnet, die Eisenbahnen, Häfen und Pipelines betreibt, hat in 2012 ihre „Market Demand Strategy“ (2015 – 2022) veröffentlicht  mit der sie versucht, „identifizierte Wachstumspotenziale innerhalb der nächsten Jahre zu nutzen.“

Dann allerdings müssen alle Engstellen beseitigt sein, die die Entwicklung Südafrikas bremsen könnten.  Karl Socikwa, Geschäftsführer Transnet Port Terminals, glaubt, dass das Land nach der Krisenzeit schon bald zur wachsender Nachfrage zurückkehren wird. Demnach ist geplant, die existierende Schienen-, Hafen und Pipeline-Infrastruktur mit einem 337 Milliarden Südafrikanische Rand (rund 23 Milliarden Euro) schweren Investmentprogramm zu erweitern, um die Kapazität zu erhöhen und die Marktnachfrage zu befriedigen. Der Transport von Fracht soll zunehmend von der Straße auf die Schiene verlagert werden, um Kosten und Emissionen zu reduzieren. Für den Ausbau des Güterschienenverkehrs sind daher 211 Milliarden Rand (14,6 Milliarden Euro) vorgesehen. Weitere 7,2 Milliarden Euro fließen in die Erweiterung der Seehäfen und rund eine Milliarde Euro in die Entwicklung des Pipeline-Netzwerkes. Insgesamt soll die Produktivität und Effizienz des gesamten Transportnetzwerkes verbessert werden, damit das Land weiterhin der führende Logistikhub in Subsahara-Afrika bleibt und seinem Konkurrenten Nigeria die Stirn bietet.

Revitalisierung der Eisenbahn für den Frachttransport
Die Republik besitzt das 14-längste Eisenbahnnetzwerk der Welt. Historisch hat es sich im Zuge der Entwicklung des Bergbaus und anderen Schwerindustrien sowie der Land- und Forstwirtschaft entwickelt. Es ist mit Eisenbahnetzwerken in Namibia, Botswana, Mozambik, Zimbabwe und Swasiland verbunden. Allerdings wurde in den letzten 30 Jahren kaum in die Erhaltung oder gar Erweiterung investiert. Durch die „Market Demand Strategy“ soll auch das Eisenbahnnetzwerk insbesondere in Hinblick auf den Frachttransport von Eisenerz und Kohle revitalisiert werden. Ein großer Anteil des Lokomotiven-Neubauprogramms (1 064 Einheiten) ging an die chinesischen Hersteller China North und South Rail, der Rest an Bombardier (240) und General Electric. Im August 2016 eröffnete Bombardier laut der amerikanischen Railway Technology eine neue Produktionsstraße für Antriebssysteme. Gemäß Transnet sollen alle Lokomotiven bis auf die ersten 70 auch zur Unterstützung des heimischen Arbeitsmarktes in den eigenen Werken in Koedoespoort, Pretoria und Durban gebaut werden. Am Ende des Programms in 2022 soll der Frachtumschlag per Schiene von 226,6 Millionen Tonnen (2014/15) auf 362 Millionen Tonnen ansteigen. In diesem Zuge wird auch der Durban-Gauteng-Eisenbahnkorridor ausgebaut, an den auch der Hafen Durban angeschlossen ist.

Autoindustrie ist in SA wichtigste Fertigungsindustrie
Am Kap sind die drei bedeutenden deutschen Fahrzeughersteller  BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen vertreten. Volkswagen ist bereits seit den 60er Jahren dort. Weitere internationale Hersteller sind Ford, General Motors (bis 2017), Toyota und Nissan. Alle Hersteller sind in den Provinzen Östliches Kap, Gauteng und KwaZulu-Natal konzentriert.

Der Automobilsektor ist Südafrikas größter Fertigungssektor, wobei die Investitionen hier um 28 Prozent in 2017 zunehmen sollen. Momentan werden um die 600000 Fahrzeuge produziert. Laut Germany Trade & Invest visiert die  Regierung etwa 1,2 Millionen Fahrzeuge bis 2020 an. Allerdings rechnen Industrievertreter eher mit 850000 bis 900000 Einheiten. Auf dem Rücken von Regierungsanreizen im Rahmen des Automotive Production and Development Plan (APDP) haben viele Hersteller in den letzten Jahren ihre Produktion und die Exporte aus dem Land vergrößert. Beispielsweise plant BMW sein seit 1968 bestehendes Werk in Rosslyn auszubauen und dort ab 2018 das Mittelklasse-SUV BMW X3 statt Limousinen der 3er-Reihe bauen. Das Werk soll mit rund 400 Millionen US-Dollar (336 Millionen Euro) erweitert und umgerüstet werden. Nur rund ein Viertel der in der Nähe von Pretoria gebauten Fahrzeuge bleiben in Südafrika, die große Mehrheit wird exportiert und landet schließlich vor allem in Nord- und Südamerika.

Laut dem BMW Newsblog Bimmer Today ist „die Umstellung von 3er- auf X3-Produktion auch ein Zeichen für die weltweit immer stärker wachsende Nachfrage nach SUVs und Geländewagen.“  Die BMW-Fabriken in Südafrika und in den USA dienen gemäß Handelsblatt ebenso als Vorbild für andere Ventures des Autoherstellers z. B. in Indien. In beiden Ländern ist BMW auch mit verhältnismäßig kleinen Fabriken gestartet. „In Südafrika haben wir am Anfang 3000 Autos im Jahr verkauft. Heute sind es 28000“, sagte Norbert Reithofer, Aufsichtsratsvorsitzender bei BMW. „Außerdem exportiere BMW Autos aus Südafrika in andere Länder.“

Wichtige Häfen für den Automobilexport werden ausgebaut
Im Zuge der zunehmenden Automobilproduktion (bis 2046 sind 2,7 Millionen Einheiten geplant) werden neben Durban auch die Häfen Elizabeth und East London erweitert. Wobei Durban 71 Prozent aller Fahrzeuge, Port Elizabeth 19 Prozent und East London zehn Prozent handelt. Durban war bis vor kurzem der größte Containerhafen in der südlichen Hemisphäre, wurde aber dann vom indonesischen Jakarta überholt. Drei von fünf Containern werden über den Hafen Durban verschifft. Folglich ist das größte Ausbauprojekt im Lande die Erweiterung des alten Containerhafens Phase 1 und Phase 2 auf Salisbury Island. Laut der südafrikanischen Engineering News werden in Phase 1 (Pier 1) 2,4 Millionen TEU Kapazität (momentan 700000 TEU) hinzugefügt. Der Baubeginn ist für 2018 vorgesehen  und soll in 2023 vollendet werden. In einem Folgeprojekt wird Pier 2 um 500000 TEU Kapazität erweitert.

Die Gesamtkapazität des Durban Containerhafens wird sich dann auf 5,3 Millionen TEU belaufen. Die Regierung hat aufgrund der wirtschaftlichen Lage den Neubau des sogenannten „Dig Out-Port“ 20 km südlich vom bisherigen Hafen (teilweise auf dem Gelände des alten Flughafens, 800 Hektar) auf Eis gelegt. Sollte er gebaut werden, werden für das Projekt rund 74 Milliarden Rand (fünf Milliarden Euro) investiert. In der bisherigen Planung war die  Fertigstellung bis 2050 mit 9,5 Millionen TEU jährlichem Umschlagvolumen und 16 Liegeplätzen vorgesehen.  Das Layout beinhaltet ebenso ein Automobil-Terminal mit einer Handlingkapazität von 300000 Kfz pro Jahr. Zudem soll der Hafen ein Glied im Durban-Gauteng Frachtkorridor werden. Die Provinz Gauteng ist das wirtschaftliche Herz Südafrikas. Rund 96 Prozent der Exporte werden über den Seeweg versendet. Die aus- und eingehende Fracht stammt meist aus Afrika, Asien, Europa und dem Doppelkontinent Amerika. (DR)

Südafrika
Das Land besitzt acht Handelshäfen: Richards Bay, Durban, East London, Ngqura, Port Elizabeth, Mossel Bay, Cape Town und Saldanha.  In den Haupthäfen wird die Kapazitätsnachfrage gemäß Transnet  von 255 Millionen Tonnen in 2015 auf 314 Millionen Tonnen in 2022 pro Jahr anwachsen – im Jahr 2046 sogar auf 543 Millionen Tonnen. Alle Häfen zusammen handelten laut dem amerikanischen Journal of Commerce in 2015 rund fünf Millionen 20 Fuß-Standardcontainer (TEU). Für 2022 werden 6,4 Millionen TEU und für 2046 13,9 Millionen TEU prognostiziert.

 

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