Supply-Chain-Informationen auf einen Klick

Die SEW-EURODRIVE GmbH & Co. KG stellte auf dem diesjährigen 23. Deutschen Materialflusskongress in der TU München ein ungewöhnlich weitreichendes Supply-Chain-Management-Projekt vor. Die von einem Auftragszentrum gesteuerte Supply Chain des SEW-Großgetriebewerks Bruchsal ist ein Leuchtturmprojekt im Sinne IT-geführter Prozesse. Unterstützt von Experten des Prozess- und IT-Beratungshauses Wassermann AG erlangte der bekannte Getriebehersteller Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette und erzielte weitere Verbesserungen in der Liefertreue. Wesentliche Merkmale sind ein Auftragszentrum mit durchgängiger Planungshoheit und der Einsatz der In-Memory-APS-Software wayRTS (Real Time Simulation). Vorgestellt wurde die „Wertschöpfungsorientierte Auftragsabwicklung“ von Rainer Feßler, Gruppenleiter Auftragszentrum, SEW-EURODRIVE GmbH & Co. KG.

„Unternehmen, die mehr als einen Klick benötigen, um aktuelle Informationen über relevante Kenn- und Steuerungsgrößen wie Teiledeckung, Aufträge mit gefährdeten Lieferterminen, Auslastungen einzelner Maschinen und des gesamten Werkes zu erhalten, haben die falschen Prozesse und bzw. oder das falsche IT-System“, mit dieser bewusst provokant gewählten Kernthese leitete Rainer Feßler seinen Vortrag auf dem diesjährigen Deutschen Materialflusskongress ein.

Rainer Feßler beschrieb das Supply Chain Management im SEW-Großgetriebewerk in Bruchsal. Bereits das Layout des Werkes mit seinen in logisch zusammengehörende Teilprozesse geordneten Fertigungs- und Montageeinheiten unterstreicht die konsequente Ausrichtung von SEW-EURODRIVE auf Lean-Prozesse. Die Geschäftsprozesse bei SEW-EURODRIVE sind durch Assembly-to-Order (ATO) für Standardgetriebe und Engineer-to-Order (ETO) für kundenspezifische Antriebslösungen geprägt. Im Projekt mit der Wassermann AG ging es darum, Prozesse zu etablieren, die den konkurrierenden Zugriff der beiden Prozessvarianten auf die gleichen Ressourcen regelt und auch die Auftragskonstruktion kapazitiv planbar macht.

wayRTS und Auftragszentrum

Im neu etablierten Auftragszentrum von SEW-EURODRIVE sind all diese Informationen im APS-System wayRTS mit einem Klick abrufbar. Das Planungstool hält dank In-Memory-Technik die aktuellen Daten der gesamten Supply Chain vor. Der Vorteil: Jede Planungsänderung liefert automatisch ein neues synchronisiertes Planungsbild. Auswirkungen von planerischen Entscheidungen können zudem in all ihren Dimensionen simuliert und damit transparent gemacht werden. Wichtig ist dabei, dass für die ETO-Prozesse auch die Konstruktionsabteilung vom Auftragszentrum aus gesteuert und synchronisiert wird. Wie in der Produktion wird hier über Arbeitsvorrat, Kapazitätsplanungen und mit definierten Zeiten für Konstruktionsarbeiten geplant.

Als weitere Innovation stellte Rainer Feßler das Performance Monitoring Center vor, in dem die Supply-Chain-Koordinatoren über eine große Monitorwand stets eine ganzheitliche Sicht auf den Status von Kundenaufträgen und wichtige Kennzahlen haben. Mit wenigen Klicks lassen sich Detailinformationen aufrufen (Drilldown). Nach einem Ampelsystem gefilterte Statusmeldungen lenken den Blick der Supply-Chain-Koordinatoren auf die Ereignisse, die planerische Eingriffe erfordern.

Schlanke Prozesse dank durchgängiger Transparenz

Durch die ständig aktualisierte Planung in wayRTS können die einzelnen Bereiche in der Wertschöpfungskette bei SEW-EURODRIVE Hand in Hand arbeiten. Die Supply-Chain-Koordinatoren – eine mit dem Projekt neu eingeführte Position – tragen die übergreifende Verantwortung für jeden Auftrag. Bei Störungen suchen sie gemeinsam mit den Teams in Einkauf, Konstruktion und Produktion nach Lösungen.

Die Prinzipien von Lean Manufacturing sieht Rainer Feßler durch den hohen Grad an IT-Unterstützung nicht gefährdet, wenn alle Prozesse entlang der Lieferkette intelligent und zielgerichtet ineinandergreifen. Im Gegenteil: „IT-gestützte Prozesse können Muda – also Verschwendung – im besten Lean-Gedanken vermeiden helfen. So lassen sich die sonst zeitraubenden Umterminierungen von Fertigungsaufträgen und die Freigabe von Montageaufträgen automatisieren. Print-on-Demand-Prozesse an den Arbeitsplätzen machen ein Verteilen von Fertigungsaufträgen auf Papier überflüssig, da diese vor Ort bedarfsbezogen durch die Werker gedruckt werden. Das Ampelsystem und die Filter der Statusmeldungen helfen dabei, die Aufmerksamkeit der Supply-Chain-Koordinatoren auf die wichtigen Ereignisse zu richten und eine Informationsflut zu vermeiden.“

Quelle: SEW-Eurodrive

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