Witron: Die Parksteiner Fördertechnik-Manufaktur

In den USA starten die großen Firmengeschichten meistens in einer Garage – in der Oberpfalz in einer drei Zimmer Wohnung in Weiden. 1971 gründete Walter Winkler gemeinsam mit seiner Frau Hildegard das Unternehmen WITRON – zwischen Küche und Kinderzimmer. In den ersten 48 Jahren des Unternehmens wuchs WITRON auf 100.000 m2 Produktionsfläche an. Innerhalb der letzten drei Jahre kamen nochmal 120.000 m2 dazu. Inzwischen hat sich der Logistik-Life-Time-Partner zum weltweiten Marktführer für die Planung, die Realisierung und den Betrieb automatisierter Kommissionier-Systeme im Lebensmitteleinzelhandel entwickelt. Die Nachfrage nach WITRON-Technologie steigt weltweit. Das Unternehmen wächst kontinuierlich.

Martin Stich – Geschäftsführer der WITRON Fördertechnik GmbH + Co. KG

Martin Stich verantwortet als Geschäftsführer der WITRON Fördertechnik GmbH + Co. KG das neue Werk 2 Nord. „Die Fertigungstiefe zeichnet uns am Markt sicher aus“, erklärt Stich. Die WITRON-Mitarbeitenden entwickeln und bauen hochdynamische Behälter-, Tray- und Paletten-Fördertechnik-Elemente, Regalbediengeräte sowie Stapel-, Entstapel- und Kommissionier-Maschinen, verantworten die Blechbearbeitung, montieren die Komponenten zusammen, verkabeln die Systeme schon im Werk und testen diese noch vor dem Versand. „Das erspart viel unnötigen Aufwand auf der Baustelle. Noch heute verkabeln Wettbewerber ihre Technik erst beim Kunden. Wir hingegen liefern Plug and Play aus. Das maximiert die Produkt-Qualität, spart Zeit und Geld. Da mögliche Fehler noch im Werk behoben werden, können wir auf der Baustelle deutlich schneller montieren – bei gleichzeitig geringeren Kosten“, erklärt Martin Stich.

Mehr Manufaktur als Produktionsbetrieb: hochdynamische logistische Mechanik wird an hellen, ergonomischen Arbeitsplätzen produziert.

Im neuen Werk 2 Nord stehen in einem modernen Maschinenpark unter anderem zwei der vier großen Trumpf-Laserschneidmaschinen sowie fünf Biegemaschinen, die 24 Stunden am Tag laufen – Erweiterungsflächen für weitere Maschinen sind bereits vorgesehen. Vor- und nachgeschalten sind automatisierte Paletten-, Behälter-, und Tablar-Systeme für die Lagerung der Bau- und Fertigteile. Es arbeiten „Witronen“, wie Mitarbeitende genannt werden, in der eigenen Galvanik – eine der größten und leistungsstärksten in der nördlichen Oberpfalz – um die hohen Qualitätsansprüche der Kunden umzusetzen, Elektrikerinnen und Elektriker bestücken die Schaltschränke mit Beckhoff-Steuerungen.

Theo Zeitler – Personal-Chef WITRON Logistik + Informatik GmbH

„Wir haben einen Forecast bei unseren Projekten von über zwei Jahren. Das sorgt dafür, dass wir in der momentanen Lieferketten-Diskussion etwas entspannter sind, denn wir haben einiges im Bestand.“, so der Geschäftsführer. Über drei Millionen Teile, verarbeitet in 75.000 Förderelementen, verlassen pro Jahr die Produktion in Parkstein nach Europa, Nordamerika und Australien. „Wir fertigen ausschließlich in Deutschland – nur hier in Parkstein“, ist Stich stolz. „Das Unternehmen bekennt sich zur Region.“

Die WITRON-Kunden stammen zumeist aus dem Bereich Handel und Distribution mit Schwerpunkt Lebensmitteleinzelhandel und sind allesamt systemrelevant. „Sie erwarten daher Lösungen, die über eine gesamte Generation von über 30 Jahren eine hohe Verfügbarkeit sicherstellen – 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. Wartungsfenster finden wir kaum noch“, erklärt der Oberpfälzer.

„Das besondere an WITRONs Kunden ist, dass WITRON zu mittlerweile 90 Prozent selbst der „Kunde“ der logistischen Mechanik ist, da in der Regel unsere eigenen OnSite-Service-Teams die eingesetzte Technik direkt vor Ort betreuen. Wir versprechen unseren Handelskunden eine tägliche Auslieferleistung des Verteilzentrums und sind dafür verantwortlich, dass sämtliche Filialen und Online-Kunden termingerecht mit Waren des täglichen Gebrauchs beliefert werden.“

Mehr Manufaktur als Produktionsbetrieb: hochdynamische logistische Mechanik wird an hellen, ergonomischen Arbeitsplätzen produziert.
Auch die Kapazitäten in der Schaltschrank-Fertigung werden nochmals erweitert.

 

 

 

 

 

 

 

Die OnSite-Teams sind somit die größten „Kritiker“ und treiben sowohl die Logistikplaner:innen und Ingenieure:innen als auch Software-Entwickler:inn sowie und Werker:innen in der Fertigung permanent an. „Wir sprechen über die Zugänglichkeit von Mechanik-Komponenten in der Wartung, über die Konstruktion, Geschwindigkeit, Leistung, Effizienz, Wirtschaftlichkeit und natürlich auch Usability. Die neuen Ideen und damit Innovationen kommen vom Planungsteam um unseren Inhaber Walter Winkler. Wir optimieren diese zusammen mit den OnSite-Teams über die gesamte Lebensdauer eines Logistikzentrums“, erklärt Stich. „Die im täglichen Praxis-Betrieb gemachten Erfahrungen fließen unmittelbar wieder in den Entwicklungsprozess mit ein.“

Stich führt durch die Fertigung. Überall ist es hell und sauber, Tageslicht durchflutet die Räume, Holz dominiert die Fertigungshallen, es riecht nicht nach Metallbearbeitung und die Lautstärke ist gedämpft. Industrieproduktion sieht anders aus. „Viele Kunden bezeichnen uns als Manufaktur mit moderner Automatisierungs- und Handhabungstechnik.“ Maximale Ergonomie bei allen Arbeitsschritten ist den Logistikern nicht nur bei den Kundenprojekten wichtig, sondern auch in der eigenen Produktion. „Firmengründer Walter Winkler ist beinahe jeden Tag noch selbst in der Fertigung, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Ich denke, das macht viel aus“, meint Personal-Chef Theo Zeitler der sich der Firmenführung spontan angeschlossen hat. WITRON sucht Mechaniker:innen, Elektriker:innen und vor allem „KFZler:innen“. Diese seien in der Fertigung aufgrund ihrer handwerklichen Flexibilität sehr begehrt, weiß der Personalleiter.

Abwechslungsreiche Handwerksarbeit ist gefragt, keine eintönige Fließbandarbeit an stupiden Arbeitsplätzen.
Die Mechanik-Komponenten werden in einem Fertigungsnest komplett fertig gestellt – bis hin zur Funktionsprüfung.

 

 

 

 

 

 

 

Gearbeitet wird in der Mechanik-Produktion in sogenannten Fertigungsnestern. „Fördertechnik, Regalbediengeräte und Sondermaschinen in unterschiedlichsten Varianten bauen wir immer an der gleichen Station, die mit dem dafür notwendigen Material (Kanban-System) versorgt wird. Wir müssen nichts umorganisieren. Das Nest ist statisch, nur die bis zu 20 Kolleg:innen ziehen nach der Fertigstellung weiter zum nächsten Nest. Abwechslungsreiche Handarbeit ist angesagt – eintönige Fließbandarbeit und stupide Arbeitsplätze sind bei WITRON verpönt.“ Gut 50 Fertigungsnester verteilen sich in den Fertigungsbereichen. „Das hat fast schon Bürocharakter“, meint Zeitler. „Bewerber:innen dürfen gerne schnuppern, das Nestteam kennenlernen, gerne auch gemeinsam in eine der vier Kantinen mit zum Mittagessen kommen. Das war früher nicht so, heute wünschen wir uns und die Bewerber sich das“, unterstreicht Zeitler. Es ist ruhig in der Halle. „Umgebungsgeräusche mit einem hohen Lärmpegel haben wir nicht. Ohrenschutz braucht hier niemand“, lacht der Personaler. Die Sonne strahlt in die Fertigung, der Oberpfälzer Wald schmiegt sich an das Werk und der Weitblick aus den Fenstern ist spektakulär. „Wir haben bewusst in die Tiefe gebaut – 11 Meter. Das bedeutet, wir haben drei Stockwerke und niemanden in der Marktgemeinde wird der Ausblick verbaut.“ Der Gründer wohnt im Ort, macht sich oft Gedanken bis ins Detail – bis hin zur Dachfarbe, damit sich die Produktiongebäude in die Landschaft einpassen. Sämtliche Firmengebäude optimal in die Landschaft zu integrieren war für die Inhaberfamilie schon immer ein wichtiger Aspekt. Terrassenförmig ordnen sich die WITRON-Fertigungsstandorte an die Gemeinde mit ihrem Basaltkegel in der Mitte des Markts an. „Jeder Quadratmeter kostet Geld. Deshalb bauen wir in die Höhe und versiegeln weniger Fläche. Das raten wir auch immer unseren Kunden“, erklärt Stich. Auf dem Dach produziert eine der größten Photovoltaik-Anlagen der Oberpfalz Energie – Großteiles für den Eigenverbrauch.

In der Schaltschrankfertigung wird noch gearbeitet. „Dank der neuen Fläche können wir in fast allen Fertigungsbereichen einen Ein-Schicht-Betrieb fahren – außer in der Blechfertigung“, berichtet Stich. „Neben Ergonomie und Nachhaltigkeit ist die Familienfreundlichkeit für WITRON ein weiterer wichtiger Aspekt.“ Aus seiner Sicht geht die Industrie in Richtung schaltschranklose Automatisierung, aber „wir sind sicher nicht die ersten, die da mitgehen, denn wir brauchen immer sehr zuverlässige Systeme und schauen uns neue Technologien sehr genau an.“ Konventionell bleiben und dennoch vorausschauend Denken ist kein Wiederspruch für den WITRON-Manager.

Warum für die WITRON-Mechanikelemente Qualität und Verfügbarkeit enorm wichtig sind, wie dieser Anspruch durch ergonomische Arbeitsprozesse erreicht wird und welche Rolle die Weiterbildung – auch in Kombination mit der OTH Weiden – spielt, erklären Martin Stich und Theo Zeitler im Podcast-Gespräch.

Kontakt:
Herr Udo Schwarz, PR + Marketing
Tel. +49/(0)9602/600-0
E-Mail: uschwarz-at-witron.de

WITRON Logistik + Informatik GmbH
Neustädter Str. 21, D-92711 Parkstein

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