Gute Umgangsformen sind im Business das Salz in der Suppe


Die wichtigsten und die skurrilsten Benimmregeln und zum Schmunzeln ;-)

Thomas Schäfer-Elmayer ist sozusagen aus Tradition Benimm-Buch-Autor. Schliesslich ist er Inhaber der Wiener Tanzschule Elmayer, die Generationen höherer Söhne und Töchter Umgangsformen beibrachte. Und er ist sicher: Die Zukunft ist nicht bauchfrei. Weder in Ohlsdorf noch sonstwo.

Ohlsdorf – das ist jener kleine oberösterreichische Ort (auch als Wahlheimat Thomas Bernhards bekannt), wo man inzwischen weiss, was sich ziemt: Der Schuldirektor hat ein Machtwort gesprochen und „bauchfrei in der Schule” für unerwünscht befunden; allzu freizügige Schultern ebenso. Die heftige Diskussion, die diese Entscheidung an nahezu allen übrigen Schulen Österreichs auslöste, zeigt: Was angemessene Kleidung und gutes Benehmen anbelangt, herrscht Orientierungslosigkeit.

Dabei sind Kleiderordnung, Höflichkeit, gepflegte Manieren und Taktgefühl alles andere als antiquiert, meint Schäfer-Elmayer. Vor allem Unternehmen legen seiner Meinung nach nicht mehr nur Wert auf die fachliche Kompetenz ihrer Mitarbeiter, sondern immer mehr auch auf soziale Kompetenz. Nicht zuletzt deshalb ist ein „Test-Essen” bei Konzernen oft fixer Punkt im Einstellungsverfahren. Schäfer-Elmayer: „Jeder repräsentiert das Unternehmen, für das er arbeitet. Wer über Umgangsregeln Bescheid weiss und sie gezielt einsetzt, profitiert davon nachhaltig.” Wichtige Signale können erkannt und gesendet werden. Das hilft, unnötige Konflikte zu vermeiden.

Kinderstube egal

Dass die perfekten Umfangsformen nicht jedermann in die Wiege gelegt wurden und auch nicht jeder die entsprechende Kinderstube hatte, mache dabei nichts, meint der Tanzschuldirektor – denn gutes Benehmen lasse sich erlernen.

Angst, dabei falsch zu liegen, ist Experten zufolge unbegründet: „Fauxpas passieren jedem. Es kommt nur darauf an, wie man damit umgeht. Wer einen Fehler charmant, freundlich und diskret behandelt, hat gewonnen”, sagt Image-Coach Christine Unger von First-Impresson, die Seminare zum Thema moderne Umgangsformen anbietet. „Wichtig ist, dass man bleibt, wie man ist, also authentisch agiert. Perfektes und überkorrektes Verhalten ist nicht gefragt.” Schäfer-Elmayer rät, nicht immer „nach Schema F” zu agieren. „Was zählt, ist die menschliche Komponente wie zum Beispiel Einfühlungsvermögen.”

Dies beginne bereits im Kleinen: „Es fängt beim Begrüssen und Vorstellen an. Wer Höflichkeitsformen und nonverbale Kommunikation nicht beherrscht, kann sein Gesicht verlieren, ohne es zu wissen.” Der ehemalige Industriemanager bietet Seminare zum Thema „Business-Etikette” an, die für mehr Unternehmenskultur und Erfolg sorgen sollen. Zu seinen Schülern zählen Manager, Anwälte, Bank- und Versicherungsangestellte. Je höher hinauf jemand die Karriereleiter rückt, desto wichtiger wird das Beherzigen der Benimm-Regeln. Wie im Schlaf beherrschen sollte sie darüber hinaus, wer in permanentem Kundenkontakt steht. Denn dann ist ein entsprechendes Auftreten nicht nur Erfolg versprechend, sondern unumgänglich.

Small Talk und Feste

Es gibt kaum einen Ort und eine Zeit, wo gutes Benehmen nicht punkten kann, beteuern die Profis:

* Das lockere Gespräch mit dem Kunden, also der Small Talk, hat schon viele Aufträge gebracht. Mit jemandem über unverfängliche Themen plaudern zu können, gilt daher als wahre Kunst. Mit blossem Blabla habe das wenig zu tun. Vielmehr sei die gekonnte Anwendung des Small Talks als leichter Gesprächsanfang dazu da, Türen zu öffnen und so wichtige Kundenkontakte zu knüpfen.

* Ähnliches gilt für Events, die die eigene Firma organisiert. Diese Veranstaltungen sind nicht zuletzt ein Prüfstein dafür, wie es um die eigenen Umgangsformen bestellt ist. Das beginnt im Kleinen und schlägt sich am Ende auch im Gesamtbild nieder. Sowohl die Vorbereitung als auch die Umsetzung lassen Rückschlüsse auf die Unternehmenskultur zu. „Wer zu einer Veranstaltung einlädt, sollte sich überlegen, was er wem zumuten kann und wie. Trittsicher sind die meisten nur im engsten Freundeskreis”, sagt Michael Müllner, Geschäftsführer der Eventmarketingagentur Büro Wien. Sobald der Rahmen grösser wird, steigt auch die Unsicherheit, meint er. Dabei muss über Formales nachgedacht werden: Wichtige Knackpunkte sind Einladungsliste, Tischordnung, Geschenke, Ansprachen und Reden sowie Zielgruppe. Müllner: „Wer viel Erfahrung hat, tut sich leichter und ist weniger fehleranfällig. Alles ist erlernbar, niemand hat sein Wissen in die Wiege gelegt bekommen.” Was man konkret beachten sollte:

* Der Gast ist der Ranghöchste neben dem Gastgeber. Ist er ein Ehrengast, wird er abgeholt und zum Ehrenplatz begleitet.

* Bei offiziellen Anlässen Tischordnung beachten: Je näher zum Gastgeber, desto hochrangiger. Die wichtigste Person sitzt in der Mitte oder am Ende der Tafel (Vorsitz). Rechts vom Gastgeber ist ein guter Platz für den Oberboss der Gäste. Paare sollten getrennt werden – aber noch Blickkontakt halten können.

* Speziellen Gästen muss spezielle Zuwendung zuteil werden, ohne etwaige andere Gäste zu vernachlässigen. Der Gastgeber stellt seine Gäste vor und unterhält sich mit allen. Nicht zuletzt gibt er das Kommando zum Trinken.

* Der Gastgeber eröffnet auch das Buffet – aber der höchstrangige Gast darf sich als Erster vom Buffet nehmen; ihm wird auch als Erster serviert. Die Regeln für das Essen selbst: Schönes Ambiente und ein passender Wein – dann kann nicht viel schief gehen. Doch was tun, wenn mitten im Business-Dinner plötzlich das Handy läutet?

Handy-Regeln

Laut Telekom Austria-Ratgeber („Business”-Sparte) und „Knigge 2004 – Stil & Etikette” (Verlag für die Deutsche Wirtschaft) ist die Sache klar, was Kommunikationsregeln am Handy betrifft:

* Handy nicht auf den Tisch legen – ob im Restaurant oder im Meeting. Zwischen Geschirr, Besteck und Gläsern hat es nichts zu suchen. Gleichzeitig ist damit die Versuchung gebannt, mitten in der Unterhaltung den Blickkontakt zu unterbrechen, um eine SMS zu lesen – sehr unhöflich!

* Erreichbarkeit muss taktvoll sein. Wenn Sie bei einem Geschäftsessen einen Anruf erwarten, kündigen Sie ihn an. Ansonsten schalten Sie auf lautlos. Bei dringenden Gesprächen verlassen Sie den Raum.

* Beim Telefonieren lächeln, die Stirn runzeln und bei längeren Gesprächen ein paar Runden drehen; das entspannt. Der Gesprächspartner spürt es angeblich. Bloss Ihre Umwelt wundert sich vielleicht am Anfang ein wenig.

* Telefonanrufe wie Termine behandeln. Seien Sie vorbereitet, nehmen Sie sich Zeit. Bedenken Sie den Zeitpunkt: Welche Gewohnheiten hat Ihr Gesprächspartner? Wann hat er Termine, wann verlässt er das Büro?

* Versuchen Sie mürrische Sekretärinnen oder Kollegen für sich einzuspannen. Notieren Sie sich die Namen, teilen Sie Ihren eigenen Namen sowie Ihre Telefonnummer und den Grund Ihres Anrufs vollständig mit.

* Wurde ein Telefonat unterbrochen, ist es nervenaufreibend, wenn beide versuchen, den jeweils anderen wieder zu erreichen. Die Regel lautet: Die Person, die den Telefonkontakt begonnen hat, erneuert ihn auch.

Der intime Nabel

Entscheidend bei allen Benimmregeln ist die äussere Erscheinungsform. Immerhin schauen viele Augenpaare auf einen Redner oder die Rednerin, den Gastgeber oder den Konferenzleiter. Die Diskussion um bauchfreie Kleidung ist fehl am Platz – nackte Haut ist in der Business-Welt nicht gefragt. „Wer auf zu weibliche Attribute setzt, sendet falsche Signale aus. Das lenkt vom Wesentlichen ab. Der Nabel ist ein sehr intimer Bereich”, meint Coach Christine Unger bloss. Es gelte die Regel „Je mehr Haut, desto weniger Kompetenz und Professionalität”. Auch Männer können es sich nicht leisten, zu leger aufzutreten, warnt sie.

Knielang beim Golf

Am Golfplatz geht es zwar etwas lockerer zu, aber trotzdem gibt es auch auf dem Grün Regeln, die nicht verletzt werden dürfen. Laut Richtlinien des Österreichischen Golf-Verbandes (ÖGV) sind drei Kriterien das Um und Auf: sicher, höflich und schnell zu spielen. „Die Etikette im Golf ist ein wichtiger Teil. Wer gegen diese Grundregeln verstösst, Mitspieler stört, jemanden anderen in Gefahr bringt oder den Platz zerstört, wird disqualifiziert und vom Platz verwiesen”, fasst Claude Grenier, Leiter der Golfschule im Fontana-Club in Oberwaltersdorf, streng zusammen. Diese Gebote sind die Voraussetzung für die Platz- und Turnierreife.

Doch es geht noch weiter, sagt Nicole Katzian vom ÖGV: „Die Bekleidungsvorschriften sind von Club zu Club verschieden. Allerdings gibt es allgemein gültige Richtlinien, wie etwa, dass keine Blue Jeans getragen werden dürfen. Auch kurze Hosen oder Röcke, die kürzer als knielang sind, sind am Golfplatz unerwünscht.”

Da versteht es sich fast von selbst, dass niemand auf die Idee kommen würde, im Bikini oder in der Badehose zu spielen – auch wenn es noch so heiss ist. Was beim Tennis am Court noch durchgeht oder belächelt wird, nämlich das oberkörperfreie Spiel, hat beim Golf keine Chance.

Eine teilweise ungeschriebene Etikette hat also Gültigkeit, auch wenn es nicht mehr so streng zugeht wie früher. Der Golfsport hat nicht umsonst noch einen Ruf zu verlieren. Manche machen fast eine Philosophie daraus. Grenier: „Höflichkeit gegenüber anderen Menschen sowie Selbstbeherrschung sind wichtige Eigenschaften, die nicht nur beim Golf von Vorteil sind. Man kann davon ausgehen, dass jemand hier so agiert, wie er das auch an anderer Stelle, etwa im Büro, tun würde.” Seien Sie also vorsichtig beim Golfen! Wichtige Menschen könnten sich ein Urteil über Sie bilden. Oberlehrer Grenier: „Der Golfplatz ist der wahre Spiegel der Persönlichkeit. Man kann sich da nicht verstellen.”

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