Management, Sportlich fit im Betrieb


Viele Wege führen zur sportlichen Firma

Sind die Menschen fit, ist die Firma fit. Siegfried Köstenberger, Geschäftsführer der Österreich-Tochter des Pharmakonzerns Mundipharma und selbst zwei- bis drei Mal pro Woche sportlich aktiv, ist nicht der einzige Anhänger dieser Theorie: „Gesunde und fitte Mitarbeiter sind belastbarer, leistungsfähiger, weniger krank, aufgeschlossener bei kreativen Umsetzungen und konsequenter bei Entscheidungen. Da zu investieren lohnt sich.”

Tatsächlich gehört es heutzutage fast schon zum guten Ton, sich sportlich fit zu halten. Wer aktiv ist und sich bewegt, ist nicht nur konditionell besser drauf, sondern er bremst auch das Rad der Zeit, zögert optisch das Älterwerden hinaus, weil er jünger aussieht. Und er ist auch leistungsfähiger im Job. Ein Blick in die medizinische Statistik deutet zumindest darauf hin: 52 Prozent aller Todesfälle sind auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ein hoher Prozentsatz auf Gelenkserkrankungen zurückzuführen – Übel der Zivilisation, die sich durch mehr Sport reduzieren liessen. In den USA zählt sportliche Fitness bereits als Auswahlkriterium beim Einstellungsgespräch.

Genau diese gesundheitsorientierte Vorsorge kann für Führungskräfte interessant sein, denn sie kann theoretisch zu belastbareren Mitarbeitern führen. Das Thema Gesundheit und Fitness bloss passiv über die Medien zu konsumieren, ist aber zu wenig. Fitness kann man nicht kaufen, man muss sie ständig trainieren, um das körperliche und damit auch das seelische Gleichgewicht zu erhalten.

Nun behaupten zwar die meisten Menschen, dass sie sich in der Freizeit durchaus mehr bewegen würden, aber leider kommen stets Wetter oder Termindruck dazwischen – egal, ob beim Joggen, Walken, Radfahren oder bei Kräftigungsübungen. Oft scheitern auch gut gemeinte Gesundheitskampagnen am Grundwissen der Interessierten, denn die praktische Anleitung und der genaue Leitfaden moderner Trainingspraktiken fehlen. Und wie lösen die Sport-Anhänger unter den Chefs dieses Problem?

Fit durch Seminare
Es überrascht nicht, dass Siegfried Köstenbergers Firma Mundipharma Massstäbe in der Gesundheitsvorsorge setzt – und den gesamten Mitarbeiterstab mit schöner Regelmässigkeit drei Tage lang in ein Wellnesshotel nach Tirol schickt. Dort wird die individuelle Fitness überprüft. Alles natürlich auf freiwilliger Basis – aber ausnahmslos jeder Mitarbeiter sei mit von der Partie, heisst es. Und zwar um die Urlaubsstimmung im Fünf-Sterne-Hotel zu geniessen.

Bei diesen Wellness-Seminaren geht es nicht um die leistungsorientierte, sondern um die gesundheitsorientierte Fitness. Es sollen also nicht körperliche Höchstleistungen, sondern ein gesundheitlich wünschenswerter Gesamtzustand erreicht werden. Was zählt, sind: Das Kennenlernen von moderaten, praktischen Bewegungsformen und wie man sie mit der richtigen, wirkungsvollen Intensität und Dauer ausübt. Jeder kann dabei auch den aktuellen Zustand der eigenen Kondition vergleichen – also Fortschritte oder Verschlechterungen feststellen. Die Idee ist, dass jeder Mitarbeiter sein eigener Fitnesscoach wird. Dazu ist vor allem das Erlernen und Trainieren praktischer Übungselemente nötig.

Konkret funktioniert das so: Das Seminar beginnt mit einem lustigen, aber nicht seichten interaktiven Vortrag. Anschliessend „walken” (Anm.: Nordic Walking) die Teilnehmer zwei Kilometer im flachen Gelände, ausgerüstet mit einem Herzfrequenzmesser, um die Belastung zu kontrollieren. Über die Bewertungskriterien Geschwindigkeit, Alter, Gewicht und Puls wird dann rechnerisch der persönliche Fitnessfaktor, also die momentane gesundheitsorientierte Ausdauer, ermittelt. Für die fortgeschrittenen Teilnehmer gibt es auch einen speziellen Lauftest. Neben der Herz-Kreislauf-Belastung werden auch durch Muskel- und Wirbelsäulen-Checks eventuelle Verkürzungen und Abschwächungen des Bewegungsapparates getestet.

Wichtig ist dabei das Mitmachen der Teilnehmer: Sie sollen sozusagen am eigenen Körper mitdiagnostizieren, um auch in Zukunft ihre körperliche Fitness selbstständig beurteilen zu können und so eher um fortwährende Übung bemüht sein. Dafür bekommen sie ein persönliches Trainingsbuch mit auf den Weg, das Übungsprogramm und Herzfrequenzwerte dokumentiert.

Fitness in der Natur
Auch Wüstenrot-Vorstandsdirektor Helmuth Köllensperger legt Wert auf Gesundheit und Leistungsfähigkeit. „Viele unserer Mitarbeiter sitzen bis zu zwölf Stunden täglich.” Nicht nur im Büro vor dem Computer, sondern in der Freizeit noch im Auto, dann beim Abendessen – und so mancher auch noch ewig lange vor dem Fernseher, klagt Köllensperger. Ein Ausgleichstraining zum Büroalltag ist in seinen Augen unumgänglich.

Bei Wüstenrot gibt es zum Beispiel einwöchige Erholungs- und Wellness-Incentivereisen für die Mitarbeiter. Im normalen Arbeitsalltag wird ein wöchentliches Rücken- und Wirbelsäulentraining angeboten. Und neulich wurde der erste Wüstenrot-Fitnessparcours errichtet: in einem grossen Salzburger Park in der Nähe der Unternehmenszentrale. Er steht allen Mitarbeitern in der Freizeit zur Verfügung. Die Ausstattung: Zehn Kräftigungs- und zehn Dehnungs-Stationen, dazu drei Nordic-Walking- und vier Joggingstrecken mit einer genau vermessenen Ein-Kilometer-Strecke, was für das richtige Fitnessprogramm sorgt. Spezielle Einführungsabende zum Thema Nordic Walking und Jogging-Lauftechnik sollen Lust machen, für Fortgeschrittene gibt es auch persönliches Training durch Sportwissenschafter.

Betriebs-Fitnessstudio
Manche Unternehmen, zum Beispiel Johnson & Johnson, Puma Austria oder Teekanne, investieren auch in ein firmeneigenes Fitnessstudio, um ihren Mitarbeitern den sportlichen Ausgleich zum täglich Berufsalltag zu ermöglichen. Diese Betriebs-Fitnessstudios werden besonders in den kühleren Monaten geschätzt, wenn Sport im Freien weniger angenehm ist, denn kommerzielle Fitnessstudios kosten bekanntlich zwischen 40 und 100 Euro pro Monat. Beliebt sind Rad-Ergometer und Stepper, da zugleich rhythmische Musik gehört werden kann. Nicht zuletzt wird auch das Arbeitsklima durch den sozialen und kommunikativen Kontakt zu Arbeitskollegen in sportlicher Atmosphäre positiv beeinflusst. Und natürlich hoffen die Firmen, dass die allgemeine Fitness und Leistungsfähigkeit verbessert wird. Rein freiwillig, versteht sich.

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